Führungskräfte verdienen deutlich mehr als Fachkräfte. Eine Analyse zeigt, wie groß die Gehaltsunterschiede je nach Region und Branche sind, und wo sich der Chefposten besonders auszahlt.
Stuttgart - Für viele Mitarbeiter gehört der Aufstieg von der Fachkraft zur Führungskraft mit Personalverantwortung zum Karriereplan. Meist ändert sich damit nicht nur der Aufgaben- und Verantwortungsbereich, sondern auch das Gehalt. Die Unterschiede sind enorm. Führungskräfte verdienen pro Jahr mehr als doppelt so viel wie Fachkräfte, wie das Vergütungsportal Gehalt.de analysiert hat.
Dabei wurden bundesweit fast 224 500 Datensätze von Fach- und Führungskräften nach Regionen und Branchen ausgewertet. Im Schnitt verdienen Fachkräfte jährlich rund 41 900 Euro, während es Führungskräfte auf ein Jahresgehalt von 96 300 Euro bringen. Das entspricht einer Gehaltsschere von rund 130 Prozent.
Eine erfolgreiche Führungskraft müsse motivieren, delegieren und gut kommunizieren können. Häufig seien auch mühsame Diskussionen zu führen und unliebsame Entscheidungen zu treffen, sagt Karin Schwaer, Wirtschaftsjuristin und Gehaltscoach für Fach- und Führungskräfte. „Am Ende müssen die Ergebnisse stimmen. Führungskräfte müssen sich an ihrem Beitrag zum Unternehmenserfolg messen lassen. Und das rechtfertigt sicherlich auch eine höhere Vergütung“, sagt sie.
199 Prozent Unterschied in der Steuerberatung
Im Branchenvergleich lohnt sich ein Chefposten vor allem in der Steuerberatung. Hier verdienen Beschäftigte ohne Personalverantwortung jährlich rund 37 600 Euro, während Mitarbeiter mit Personalverantwortung rund 112 400 Euro bekommen. Das ist ein Gehaltsunterschied von 199 Prozent. Ähnlich sieht es der Analyse zufolge in der Rechtsberatung aus, wo der Unterschied bei 195 Prozent liegt.
Der Einkommensunterschied bei Fach- und Führungskräften sei in der Steuer- und Rechtsberatung besonders ausgeprägt, da ein großer Teil der Fachkräfte nicht-akademische Angestellte mit eher niedrigen Gehältern seien. „Anwälte und Steuerberater mit Personalverantwortung haben oft einen akademischen Hintergrund, arbeiten in größeren Konzernen und werden dadurch in der Regel überdurchschnittlich entlohnt“, sagt Korbinian Nagel, Arbeitsmarktökonom bei Gehalt.de.
In der Autoindustrie bekommen Führungskräfte mit 110 800 Euro jährlich mehr als doppelt so viel wie Beschäftigte ohne Personalverantwortung (54 300 Euro). In der Finanzbranche ist der Gehaltsunterschied noch etwas größer: Führungskräfte erhalten hier rund 60 200 Euro (115 Prozent) mehr als Fachkräfte. Im Lebensmitteleinzelhandel liegt das Gehaltsniveau noch weiter auseinander: Hier beziehen Beschäftigte ohne Personalverantwortung rund 31 400 Euro, während Führungskräfte rund 71 000 Euro erhalten (Gehaltsunterschied von 126 Prozent). In der Pharmaindustrie liegt der Einkommensunterschied bei fast 133 Prozent.
Am geringsten ist der Gehaltsunterschied in der Kulturbranche mit 68 Prozent – Fachkräfte verdienen rund 38 400 Euro, Führungskräfte 64 600 Euro. In der Luftfahrtbranche sind es 78 Prozent, 57 800 für Fachkräfte und 102 900 Euro für Führungskräfte.
Geringere Unterschiede in Baden-Württemberg
Auch regional gibt es Unterschiede. In Bundesländern mit vergleichsweise hohem Gehaltsniveau ist die Einkommensschere zwischen Fach- und Führungskräften deutlich geringer als in Bundesländern mit geringem Gehaltsniveau. Am niedrigsten ist die Einkommensschere zwischen Fachkräften und Chefs in Baden-Württemberg mit 116 Prozent, wobei eine Fachkraft rund 45 490 Euro bekommt und eine Führungskraft 98 476 Euro. Dann folgt Hamburg mit einem Gehaltsunterschied von 119 Prozent und Berlin mit 124 Prozent.
In Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern liegen die Gehälter zwischen Fach- und Führungskräften am weitesten auseinander (zwischen 144 und 138 Prozent). In Sachsen-Anhalt kommt eine Fachkraft auf 33 178 Euro im Jahr, eine Führungskraft auf 82 413 Euro.
„Führungskräfte sind mobiler und eher dazu bereit, den Arbeitsstandort zu wechseln als Fachkräfte. Unternehmen müssen somit in Bundesländern mit geringem Gehaltsniveau die Einkommen für Führungskräfte deutlich in Richtung Bundesdurchschnitt anpassen, um sich im Wettbewerb behaupten zu können“, sagt Ökonom Nagel.