Gewinne runter, Gehälter rauf – wie kann das sein? In Chefetagen fließen Millionensummen selbst für schlechte Leistung. Das schadet uns allen, kommentiert unser Autor Jonas Schöll.
Es ist auf den ersten Blick eine Nachricht, die bei Normalverdienern auf Unverständnis stößt: Die Gehälter der Topmanager in Deutschland sind im vergangenen Jahr auf einen neuen Rekordwert gestiegen – trotz schwächelnder Wirtschaft. Wie ein Sinnbild für diese Diskrepanz steht, dass der bestbezahlte Dax-Manager ausgerechnet aus der kriselnden Autobranche kommt. Oliver Blume, Chef von VW und Porsche, bekam 2023 mehr als zehn Millionen Euro auf sein Konto überwiesen.
Gewinne runter, Gehälter rauf – ist das gerecht? Das kann man durchaus fragen – zum Beispiel als alleinerziehende Kranken- und Altenpflegerin, oder als Fliesenleger, der jeden Euro mit seinen Händen erarbeiten muss. Zahlen sagen mehr als Worte: Ein Dax-Vorstand in Deutschland verdient im Schnitt 1300 Euro – nicht im Monat, sondern in der Stunde. Normale Angestellte im selben Unternehmen haben oft 40-mal weniger.
Gehalt und Leistung müssen in Einklang stehen
Aber allen Unkenrufen zum Trotz: Im Kampf um die besten Führungskräfte sind alle Versuche, Gehälter und Boni von Dax-Vorständen begrenzen zu wollen, ökonomisch fragwürdig und populistisch. Eine Gesellschaft kann es verkraften, wenn ein paar Hundert Highperformer exorbitant verdienen. Sie kann es dann akzeptieren, wenn das Gehalt gekoppelt ist an die Leistung – aber genau das ist vielfach nicht der Fall.
Leistung muss sich lohnen – hohe Gehälter müssen aber auch gerechtfertigt sein. Und in einigen Fällen spiegeln diese nicht mehr die wirtschaftlichen Lage wider. Das Problem ist nicht die Höhe der Gehälter, sondern die Tatsache, dass die Millionengagen auf den Chefetagen fließen, ob die Bosse ihren Job gut oder schlecht machen. Es ist also prinzipiell okay, dass Oliver Blume zehn Millionen Euro im Jahr verdient – aber es passt nicht in eine Zeit, in der VW plant, drei Werke in Deutschland zu schließen.