In unserer Serie „Gehaltscheck Stuttgart“ gewährt ein Warenbereichsleiter bei Kaufland einen ehrlichen Einblick in seinen Alltag und die Verdienstmöglichkeiten.
Philemon Richter (28) führt bei Kaufland in Nürtingen ein Team von 30 Mitarbeitern und verantwortet den gesamten Frischebereich – von Obst und Gemüse über Käse, Wurst und Molkereiprodukte bis hin zu Fleisch, Fisch und Tiefkühlkost. Im Rahmen unserer Serie „Gehaltscheck Stuttgart“ spricht der Familienvater offen über seinen Arbeitsalltag, verrät wie viel man als Warenbereichsleiter im Einzelhandel verdienen kann – und wie er damit zurechtkommt.
Was ein Warenbereichsleiter bei Kaufland verdient
Wenn Philemon Richter morgens um halb fünf aufsteht, schlafen die meisten Menschen in der Region noch tief und fest. Um halb sechs steht er bereits in der Filiale und prüft als erstes die Regale: Welche Warenbereiche müssen bis zur Ladenöffnung um 7 Uhr zuerst aufgefüllt werden?
Der Aufbau von frischem Obst und Gemüse gehört beispielsweise jeden Tag dazu. Besonders wichtig sind ihm die Bäckerei und die Bedientheken, damit pünktlich zur Öffnung der Ansturm von Schülern, Handwerkern und Pendlern auf Frühstück bewältigt werden kann.
„Das Schöne an meinem Job ist, dass es keinen starren Arbeitsalltag gibt“, sagt Richter. Zwar arbeite man nach einer klaren Struktur, müsse aber jeden Tag flexibel auf neue Situationen reagieren können. Wenn um 6 Uhr die ersten Mitarbeiter der Frühschicht eintreffen, bespricht er mit ihnen die Schwerpunkte des Tages. Parallel werden frische Produkte angeliefert, die er bis etwa 10 Uhr aktiv mit ins Regal räumt.
Vom Abitur direkt in den Einzelhandel
Der Weg in diesen Beruf begann für Richter direkt nach dem Abitur. 2017 absolvierte er das Abiturientenprogramm bei Aldi Süd – ein Intensivprogramm, das innerhalb von drei Jahren drei IHK-Abschlüsse beinhaltet: Einzelhandelskaufmann, Ausbilderschein und Handelsfachwirt, letzterer ist vergleichbar mit einem Bachelor-Abschluss. „Das Programm gibt es genauso auch bei Kaufland“, erklärt Richter. Dorthin wechselte er im März 2022 dann als Warenbereichsleiter Frische.
Nach der Ladenöffnung geht es für ihn auf eine Kontrollrunde durch seine Frischeabteilungen, wo er Checklisten abarbeitet und Bestände sowie die ansprechende Präsentation der Waren in den Regalen überprüft. Der 28-Jährige ist für die gesamte operative Steuerung zuständig: Er plant Werbeplatzierungen, bearbeitet Bestellungen und kontrolliert automatische Bestellvorschläge.
Über 20.000 Kunden pro Woche
„In meiner aktuellen Filiale haben wir in der Woche über 20.000 Kunden. Da kommt es immer mal wieder zu interessanten zwischenmenschlichen Begegnungen“, erzählt Richter. Wenn er auf Partys von seinem Beruf erzähle, könne er oft Geschichten aus seinem „sehr abwechslungsreichen und teilweise auch sehr lustigen Alltag“ berichten.
Erstaunt seien viele über seine frühen Arbeitszeiten – dafür habe er dann aber auch früher Feierabend. An regulären Arbeitstagen übergibt er gegen 15 Uhr nachmittags an die Spätschicht.
Die Momente, die den Job besonders machen
Zu seinen Aufgaben gehören auch die Dienstplanung und regelmäßige Gespräche mit seinen Mitarbeitern – etwa zur Weiterentwicklung oder um Feedback zu geben. „Am meisten gefällt mir die tägliche Dynamik“, sagt der 28-Jährige. Da kein Tag wie der andere sei, müsse er ständig Pläne anpassen und Ressourcen effizient managen.
„Diese komplexen Situationen gemeinsam zu meistern, bereitet mir Freude und es stärkt das Wir-Gefühl enorm.“ Oft seien es die kleinen Momente, die den Job besonders erfüllend machten: zu sehen, wie das Team wie eine Familie zusammenwachse, oder die Wertschätzung und persönlichen Geschichten der Kunden zu erfahren.
4100 Euro Grundgehalt – plus Zuschläge
Für seine Arbeit erhält Richter ein tarifliches Bruttogehalt von 4.100 Euro im Monat. „Durch Zuschläge für Überstunden, Früh- und Spätschicht, Urlaubs- und Weihnachtsgeld kommt aber noch einiges hinzu“, erklärt er. Die Bezahlung orientiert sich am Tarif des deutschen Einzelhandels. Auszubildende bei Kaufland erhalten bereits im ersten Ausbildungsjahr 1.250 Euro pro Monat – eine Vergütung, die über dem branchenüblichen Niveau und den gesetzlichen Mindestanforderungen liegt.
„Als Familie kommen wir sehr gut mit dem Gehalt zurecht, leben aber auch nicht ausschweifend“, sagt Richter, der verheiratet ist und zwei Kinder hat. Vor zwei Jahren zog die Familie von Filderstadt in die Voralbregion. „Wir haben zwei Autos, wohnen in einer schönen Neubauwohnung auf dem Land und können gut Rücklagen bilden.“ Ihre Gehälter würden für ihren Lebensstil sehr gut ausreichen.
„Man muss Lust haben, mit Menschen zusammenzuarbeiten“
Welche Eigenschaften braucht man für diesen Beruf? „So banal das klingt: Man muss wirklich Lust haben, mit Menschen zusammenzuarbeiten“, betont Richter. Er jongliere täglich mit den unterschiedlichsten Charakteren – seien es Kunden, Kollegen oder die eigenen Mitarbeiter. Darüber hinaus brauche man Durchhaltevermögen und Belastbarkeit.
Herausfordernd sei manchmal, wenn Außenstehende den enormen Einsatz, den die Kollegen im Handel täglich leisteten, nicht wahrnehmen. „Besonders wenn meine Mitarbeiter unter Umständen leiden, auf die wir selbst keinen Einfluss haben – wie zum Beispiel Lieferverzögerungen oder die Verfügbarkeit von Angebotsware –, trifft mich das persönlich.“ In solchen Momenten müsse er mit viel Fingerspitzengefühl als Motivator agieren und das Team wieder aufbauen.
Der Einzelhandel als Sprungbrett
Dennoch hat Richter eine klare Empfehlung für alle, die über eine Karriere im Einzelhandel nachdenken: „Mein Rat ist, den Einzelhandel als echtes Sprungbrett zu begreifen.“ Eine Ausbildung in diesem Bereich bilde ein gutes Fundament, denn in kaum einer anderen Branche gebe es so viele Aufstiegschancen für engagierte Talente.
„Wer Einsatz zeigt und sich beweist, dem stehen extrem viele Weiterentwicklungsmöglichkeiten offen.“ Natürlich müsse man sich bewusst sein, dass der Handel fordernd sei und ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft verlange. „Doch die Abwechslung und der tägliche Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen sind eine Bereicherung, die die Herausforderungen mehr als wettmachen.“