Autofahrer reagieren von Zeit zu Zeit gereizt auf die Müllautos. Dann ist gute Kommunikation gefragt. Foto: Sebastian Xanke

Müllwerker zu sein, ist ein harter Job. Wütende Autofahrer, Wind, Wetter – und die Bezahlung? Im Kreis Esslingen ist die Konkurrenz groß.

Der Tag beginnt früh. „Ich wohne in Kirchheim unter Teck und stehe um 4.30 Uhr auf“, sagt Paul. Seit vielen Jahren ist er Müllwerker, der 40-Jährige fährt für die Alba, eines von sechs Abfall-Abfuhrunternehmen im Kreis Esslingen. Der Himmel ist noch dunkel, als sich Paul mit seinem Team startklar macht. Die Lichter des Müllwagens blinken. Hinten springen er und sein Kollege Christian – 23 Jahre alt – auf, ständig bereit, für die nächste Biomülltonne wieder abzusteigen.

 

Ihr Fahrer ist an diesem Dienstagmorgen Boris. Der 51-Jährige sitzt seitdem er volljährig ist in großen Fahrzeugen hinter dem Steuer, erzählt er. Zuerst in Kroatien, seit Ende 2013 fährt er in Deutschland. „Das Lenkrad ist meine Leidenschaft. Da fühle ich mich wie zuhause. Meine Kinder sagen manchmal, dass ich das Lenkrad besser benutze als Löffel und Gabel“, sagt Boris, während er den sperrigen Müllwagen durch enge Straßen in Esslingen manövriert. „Ich komme aus einer Familie, in der fast alle fahren.“

Müllabfuhr-Fahrer werden händeringend gesucht

Allein für die Alba, die für den westlichen Kreis Esslingen zuständig ist, sind pro Tag 30 bis 40 Müllwerker unterwegs. Dabei sind in der Branche längst nicht alle Stellen besetzt: „Wir haben einen Fahrernotstand im Land“, sagt Marian Hummel vom Abfallwirtschaftsbetrieb im Kreis Esslingen (AWB). Auch hier habe es schon Engpässe gegeben.

Der Beruf des Müllwerkers ist hart. Bei Wind und Wetter geht es auf die Straße, Mülltonnen sind oft schwer gefüllt. „Wir müssen auf uns achten und auf die Umgebung“, sagt Fahrer Boris. „Alle haben es immer eilig.“ Wenn dann ein Fahrzeug zu nah auffahre, müsse man auch mal Stopp sagen. „Was wir jeden Tag erleben – von Beschimpfungen bis zu körperlichen Angriffen. Es kommt darauf an, mit welcher Laune die Leute aufstehen“, erzählt Boris.

Im Kreis Esslingen fahren sechs Abfuhrunternehmen. Foto: Roberto Bulgrin

So viel verdient ein Müllwerker

Wird der Beruf dafür gut bezahlt? „Genaue Zahlen kann ich wegen der Konkurrenzsituation hier im Kreis leider nicht nennen“, sagt Benjamin Maslo vom Abfuhrunternehmen Alba. „Wir zahlen aber weit über dem Mindestlohn. Es kommt auf die Erfahrungsstufe an.“ Außerdem gebe es verschiedene Zuschläge.

Dem Entgeltaltlas der Arbeitsagentur lassen sich konkretere Zahlen entlocken. Demnach liegt der Median für Fachkräfte in der Kreislauf- und Abfallwirtschaft in Baden-Württemberg bei 4157 Euro brutto im Monat. 50 Prozent der Beschäftigten in dem Bereich verdienen also mehr, 50 Prozent weniger als diesen Betrag. Deutschlandweit sind es im Median 3575 Euro brutto im Monat – wobei im Entgeltatlas nur Daten aus fünf Bundesländern vermerkt sind. Gehaltsportale wie Stepstone zeigen ähnliche Gehaltsgefüge an, hier wird der Gehaltsrahmen zwischen 36 000 Euro und 52 700 Euro brutto im Jahr angegeben.

Müllwerker Paul schätzt seinen Beruf über das Gehalt hinaus: „Es ist abwechslungsreich, es ist gut für die Umwelt und ich tue der Gesellschaft, meinen Mitmenschen etwas Gutes“, fasst er zusammen. Immer wieder erlebe er Dankbarkeit und Anerkennung – mal klatschen die Leute, mal bieten sie etwas zu trinken an oder geben Trinkgeld. „Aber es gibt auch Leute, die uns hassen, weil sie hinter dem Müllauto hinterherfahren müssen. Das ärgert mich manchmal. Wir probieren, die Straßen schnellstmöglich und sauber abzufahren.“ Noch während Paul das sagt, beginnt ein Autofahrer zu hupen. Schuld in diesem Fall: der Journalist mit seinen vielen Fragen.