Die Bayern-Leihgabe Paul Wanner spielt beim 1. FC Heidenheim eine tragende Rolle – doch vor dem Duell gegen den VfB ist das Toptalent auch in Stuttgart im Gespräch. Foto: IMAGO/Ulmer

Nach fünf Liga-Niederlagen in Serie ist der 1. FC Heidenheim auf den Relegationsplatz abgestürzt. Nun soll auf dem heimischen Schlossberg unbedingt ein Sieg her gegen den VfB, dem Interesse an Toptalent Paul Wanner nachgesagt wird.

Neulich hat der Youngster von der Ostalb mit der großen Zukunft dem Bundestrainer einen Korb gegeben. Er wolle sich seine Premiere im Trikot mit dem Adler auf der Brust zunächst einmal redlich verdienen, das teilte der Heidenheimer Mittelfeldspieler Paul Wanner dem Bundestrainer Julian Nagelsmann als Grund für seine Absage mit.

 

Nagelsmann wollte das Talent zu den Nations-League-Spielen gegen Bosnien und Herzegowina sowie drei Tage darauf in Ungarn einladen – doch Wanner, geboren in Dornbirn in Vorarlberg, reklamiert für sich noch Zeit, um zu reifen. Der erst 18-jährige U-21-Nationalspieler des DFB, dessen Mutter Österreicherin ist, will später entscheiden, für welche A-Nationalelf er einmal spielen werde. Klar ist aber: An diesem Sonntag (15.30 Uhr) im baden-württembergischen Duell gegen den VfB Stuttgart wird der Teenager im Dress der 1. FC Heidenheim mit von der Partie sein.

Wer Paul Wanner dann beim Fußballspielen beobachtet, der wird aufgrund seiner Bewegungsabläufe unweigerlich an einen bedeutsamen Münchner Weltmeister mit Allerweltsnamen erinnert: Denn der Teenager, der für die Bayern im Alter von 16 Jahren und 15 Tagen als jüngster Spieler der Clubgeschichte in der Bundesliga debütierte, er erinnert in seinen Bewegungsabläufen und von der Statur her frappierend an Thomas Müller. Über den Zweitligisten SV Elversberg kam Wanner im Sommer für eine Saison leihweise nach Heidenheim, um weitere wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Klar ist, dass sein Weg auf der Ostalb nach dieser Saison endet. „Er ist ein super Junge – doch wir müssen ihn in seinem Alter auch vor zu viel Aufmerksamkeit schützen“, sagt das Trainer-Urgestein Frank Schmidt über den 18-Jährigen, der auch beim VfB gehandelt wird. Gut möglich nämlich, dass Wanner auf seinem Ausbildungsweg noch eine dritte Station durchläuft, ehe er nach München zurückkehrt, wo er noch einen Vertrag bis 2027 besitzt.

Wanner spielt gegen Chelsea stark

Als vor zwei Wochen die Startruppe des FC Chelsea in der FCH-Arena auf dem Schlossberg in der Conference League mühsam mit 2:0 gewann, da zeigte sich trotz der Niederlage, dass Wanners Talent schon jetzt reicht, um gegen die ganz Großen entscheidende Akzente zu setzen. Beim Stand von 0:1 vergab das Megatalent allerdings freistehend eine Riesenchance zum Ausgleich.

Während Wanner also vor einer glänzenden Zukunft steht, ist die der Heidenheimer ungewiss. Im Sommer 2023 hatte der Club erstmalig die Tickets für die erste Bundesliga gelöst – und damit seinen sagenhaften Aufstieg von der Verbandsliga bis ins deutschen Fußball-Oberhaus gekrönt. Vermeintlich. Denn das Team von Frank Schmidt legte in der Vorsaison noch einen oben drauf: Platz acht in der Bundesliga-Einstiegssaison reichte für die Qualifikation zur Conference League, wo die Mannen von der Ostalb auch nach dem 1:3 bei Basaksehir Istanbul am Donnerstagabend als Tabellen-15. noch gut im Rennen sind.

Allerdings: Die Schmidt-Elf zeigte in der Türkei eine miserable Leistung, was den Trainer mächtig ärgerte: „Bis auf ganz wenige Ausnahmen müssen wir festhalten, dass das, was wir uns vorgenommen haben, nicht funktioniert hat. Wir sind nicht annähernd – mit Abstrichen der eine oder andere – an unser Leistungsminimum herangekommen“, sagte Schmidt nach der sechsten Pflichtspielniederlage in Folge.

Der Trainer spricht von einer „Nicht-Leistung“

Gegen Basaksehir sei der Fußball-Bundesligist „von der ersten bis zur letzten Sekunde vorgeführt worden“, meinte der 50-Jährige weiter – und schimpfte, dass sein Team eine „Nicht-Leistung“ gezeigt habe. Er wolle das Spiel aber erst mal sacken lassen. „Was soll ich jetzt für Argumente bringen? Alles, was ich jetzt sagen würde, wären Floskeln, und da habe ich keinen Bock drauf“, erklärte Schmidt.

Dabei war es der Coach selbst, der noch vor einer Woche für Gelassenheit plädiert hatte angesichts des Heidenheimer Negativlaufs. „Es war ja nie auszuschließen, dass wir einmal in so eine Phase geraten werden“, sagte der Trainer Frank Schmidt nach dem 2:4 am vergangenen Wochenende gegen den FC Bayern über die Lage in der Bundesliga. Die Bilanz des FCH steht inzwischen bei fünf Bundesliga-Niederlagen in Serie mit in Summe 17 Gegentoren. Durch die aktuelle Krise rangiert der Club vor dem Duell mit dem VfB auf dem Relegationsplatz 16.

Zwei Bundesligasiege sind das Ziel

„Wir müssen uns aber nicht verrückt machen. Wir wussten von Anfang an, dass es auch ein Kampf gegen den Abstieg sein kann“, sagte Niklas Dorsch, der gegen den FC Bayern zum zwischenzeitlichen 2:3 verkürzt hatte. „Wir könnten uns jetzt streicheln und bemitleiden, aber das machen wir nicht. Wir haben uns eingeschworen – und wollen jetzt jedes ausstehende Spiel bis zur Winterpause gewinnen“, ergänzte der Trainer Schmidt, der mit seinem Team nach dem Heimspiel vom Sonntag gegen den VfB noch zum Jahresausklang beim Schlusslicht VfL Bochum antritt.

Auch eine Parole zum schwäbischen Duell hat der Chefcoach in Anlehnung an die alpine Gipfelstürmer-Legende Luis Trenker ausgegeben: „Der Berg ruft! Wir werden gegen den VfB eine grandiose Stimmung in unserem Stadion haben“, sagte Schmidt: „Und werden alles dafür tun, dass wir wieder zurück in die Spur finden.“