Foto: Sebastian Ruckaberle

Julian Schieber ist lange verletzt ausgefallen. Jetzt kehrt der mit dem FC Augsburg nach Stuttgart zurück und präsentiert sich vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr) beim VfB frisch gestärkt.

Stuttgart - Julian Schieber weiß, was auf ihn zukommt. Pfiffe aus der Cannstatter Kurve. Der Stürmer hat es ja schon mehrfach erlebt, seit er vor über sechs Jahren den VfB Stuttgart als Junge aus der Region verlassen hat. Ein Teil der Fans vergisst so etwas nie, und dieser Teil verzeiht auch nicht. Zu Borussia Dortmund zog es Schieber damals, ehe er zu Hertha BSC wechselte. Jetzt kehrt der 29-jährige Fußballprofi am Samstag im Trikot des FC Augsburg zurück, und noch immer ist es etwas Besonderes für den gebürtigen Backnanger, in der alten Heimat zu spielen – überhaupt wieder in der Bundesliga aufzulaufen nach langer Leidenszeit.

Wobei Schieber genau an diesem Punkt einen differenzierten Blick auf seine Karriere pflegt, die zuletzt von Ausfallzeiten geprägt war. Ein Knorpelschaden im linken Knie machte ihm in Berlin zu schaffen. Der Angreifer wurde operiert und fehlte monatelang. Er lief sogar Gefahr, als ewiger Patient abgestempelt zu werden. „Es gibt sicher dünnere Patientenakten als meine“, sagt Schieber. Aber er legt auch Wert auf die Feststellung: „Der FC Augsburg hat mich als gesunden Spieler verpflichtet.“ Nur: Er verletzte sich während der Sommervorbereitung gleich wieder am lädierten Knie.

Schieber fühlt sich topfit

Ein freier Gelenkkörper machte Schieber zu schaffen – und einen kleinen Eingriff notwendig. Anschließend hieß es: wieder aussetzen und wieder die Zweifel bekämpfen. Eine Geduldsprobe zwischen Rehamaßnahmen und Aufbautraining bedeutet das. Doch mit der ihm eigenen positiven Energie ging Schieber die Herausforderung an. 16 Wochen nach der Operation stand er voll im Training. Mittlerweile bringt er es auf 73 Minuten Spielzeit in dieser Saison – verteilt auf zwei Einsätze: einmal in der Schlussminute eingewechselt und einmal am Anfang aufgelaufen.

„Ich bin topfit. Mit einem halb gesunden Körper wäre es auch nicht möglich, in der Bundesliga mitzuhalten“, sagt der Stürmer. Fast zwei Jahre musste er auf einen Startelfeinsatz warten, 707 Tage, um genau zu sein. Das war am vergangenen Wochenende in Augsburg die schöne Randgeschichte. Und nur allzu gerne hätte sie Schieber mit einem Sieg und einem Törchen zum Happy End geführt. Die Realität lieferte am Ende aber eine 1:3-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt. Ohnehin ist Schiebers Zeitrechnung eine andere, da jede Minute zählt und er während der Rückrunde der Vorsaison zu Teileinsätzen kam. Letztmals am 34. Spieltag beim 2:6 gegen RB Leipzig. Schon zuvor fühlte er sich gut. Der 29-Jährige kam als Mittelstürmer Nummer drei hinter Vedad Ibisevic und Davie Selke nur nicht zum Zug.

In Augsburg gilt Alfred Finnbogason als der Topangreifer, aber hinter dem Isländer hat sich Schieber als starke Option positioniert. Und vielleicht geht es ja gemeinsam. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit Alfred Finnbogason zusammen zu stürmen“, sagt der Mann mit der Nummer 20. Dank seines Spielverständnisses, das FCA-Manager Stefan Reuter so schätzt, und dank seiner körperlichen Wucht, die Trainer Manuel Baum für das Spiel des Tabellen-13. fordert. Durch diese Qualitäten fühlen sie sich in Augsburg in ihrer Entscheidung bestätigt, den dynamischen Linksfuß im Juni ablösefrei verpflichtet zu haben. Trotz des Risikos, ob Schiebers Körper mitspielt.

Die Parallelen zu Freund Daniel Didavi

„Die Verantwortlichen des FCA haben mir von Anfang an ein sehr gutes Gefühl vermittelt. Sie wussten meine Kniegeschichte richtig einzuordnen, und sie konnten mir auch eine sportliche Perspektive aufzeigen. Das hat den Ausschlag für die Verpflichtung gegeben“, sagt der Familienvater, dessen vierjähriger Sohn in Dortmund geboren wurde und dessen zweijährige Tochter in Berlin das Licht der Welt erblickte. Das dritte Kind soll nun in Augsburg zur Welt kommen.

Bis 2021 läuft Schiebers Vertrag, der bei seinem neuen Club auf dem Weg zu alter Stärke ist. „Ich wollte nach der Verletzungszeit in Berlin nicht in eine Schublade gesteckt werden. Jetzt bin ich glücklich und zufrieden, dass ich mich zurückgekämpft habe“, sagt der Angreifer und freut sich auf ein Wiedersehen mit den Stuttgartern.

Ein schwieriges Spiel erwartet er. „Wir wollen aber in der Tabelle den Abstand nach unten vergrößern“, sagt Schieber, den aus dem aktuellen VfB-Kader eine Freundschaft mit Daniel Didavi verbindet. Aber nicht nur. Beide Karrieren weisen Parallelen auf, da beide bereits in jungen Jahren vom VfB an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen waren, und beide haben sich von einem Knorpelschaden im linken Knie nicht kleinkriegen lassen. Jetzt ist Schieber seinem angeschlagenen Kumpel in Sachen Comeback aber einen Schritt voraus.

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