Eine Frau, die seit zehn Jahren im Tauschring aktiv ist, freut sich beispielsweise, wenn ihr jemand einen Kuchen backt. Foto: J. Fritsch

In Waldenbuch, Filderstadt und Aichtal haben sich Menschen zusammengetan, um sich gegenseitig zu helfen. Selbst in Corona-Zeiten ist das Netzwerk lebendig, wenn auch eingeschränkt.

Filder/Schönbuch - Zwei Tage lang hat Oliver Schnabel das Haus eines Fremden verputzt. „Eigentlich habe ich zwei linke Hände, und nach diesem Wochenende hatte ich zwei Tage schlimmen Muskelkater“, erzählt der 55-Jährige aus Waldenbuch. Doch das sei es wert gewesen. Denn so habe er festgestellt, dass er handwerklich doch ganz gut mit anpacken kann. Ganz zu schweigen von dem Abendessen, das er und andere Helfer zum Abschluss bekommen haben.

„Es ist total schön zu sehen, wie in so einem Notfall die Leute zusammenkommen“, sagt Schnabel. Eigentlich wollte der Mann, dem das Haus gehört, die Arbeit selbst erledigen. Als das Gerüst bereit stand, machte aber sein Rücken nicht mehr mit, und er war auf Hilfe angewiesen. Die hat er beim Tauschring Aichtal gesucht und so Oliver Schnabel und andere Helfer gefunden.

Etwa 100 Leute machen inzwischen mit

Der Tauschring Aichtal ist eine Art Nachbarschaftshilfe, bei der etwa 100 Personen aus Aichtal, Waldenbuch, Filderstadt und Umgebung mitmachen. Getauscht werden Waren und Dienstleistungen – und das nicht zwischen zwei Personen, sondern im gesamten Ring. „Man muss den Gefallen nicht demjenigen zurückgeben, von dem man ihn bekommen hat“, erklärt Bettina Kupferschmidt, die seit zehn Jahren im Tauschring aktiv ist. Wer jemandem hilft, bekommt dafür eine gewisse Anzahl an Aichtalern, die symbolische Währung im Tauschring. Die kann er aufbewahren oder gleich wieder ausgeben, um von jemand anderem Hilfe zu bekommen. Das ist es, was Bettina Kupferschmidt an dem Konzept gefällt. „Man kann natürlich auch seine Nachbarn um Hilfe bitten, aber dann steht man immer in so einer fiktiven Schuld“, sagt sie, „im Tauschring ist es dagegen eine klare, ausgeglichene Sache“.

Sie wollte andere zum Abendessen einladen

Als Bettina Kupferschmidt nach Bonlanden gezogen ist, war klar, dass sie sich im Tauschring engagieren wird. „Ich war in meinem Ort vorher auch schon in einem Tauschring“, sagt sie. Außerdem sei es für Neubürger so einfacher, ein Netzwerk vor Ort aufzubauen. Mittlerweile ist Kupferschmidt mitverantwortlich für die sogenannte Marktzeitung. „Da kommen die Annoncen rein, wer welche Unterstützung sucht“, erklärt sie. Die 52-Jährige selbst habe eine Zeit lang angeboten, dass man bei ihr zum Abendessen vorbeikommen darf. „Ich habe abends sowieso immer gekocht und dachte, das passt“, sagt sie. Allerdings sei die Idee nicht auf so viel Begeisterung gestoßen, wie sie gehofft hatte. Öfter wurde dagegen ihr Angebot angenommen, bei Festen mit dem Buffet und dem Abspülen zu helfen. Außerdem hilft sie anderen beim Schneiden von Obstbäumen oder bringt Leuten Schwimmen bei. Sie selbst freut sich im Gegenzug, wenn jemand mal auf ihre Katzen aufpasst oder wenn ihr jemand einen Kuchen backt. „Der wird manchmal sogar vorbeigebracht“, sagt sie.

Die meisten Tauschgeschäfte sind auch in Zeiten von Corona möglich, meint Kupferschmidt, auch wenn sie selbst in letzter Zeit keine Hilfe in Anspruch genommen habe. Oliver Schnabel dagegen bezeichnet die Corona-Krise als klaren Einschnitt im Tauschring. „Nettes Zusammensein ist gerade einfach nicht möglich, und mit Maske handwerkeln macht auch keiner“, sagt er. Gemeinsame Wandertage und das Tauschtreffen, bei dem viermal pro Jahr Gegenstände verschenkt und verliehen werden, könnten zurzeit nicht stattfinden. Dabei sei es doch gerade der soziale Austausch, der den Charme des Tauschrings ausmacht, meint der Waldenbucher.

Kontakt:
Wer mitmachen will, kann sich bei Gernot Adolphi per Mail melden: tauschring@aichtal-edv.de.

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