Der Großteil der Nutztiere in der deutschen Landwirtschaft wird in Massenställen gehalten. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Die aktuelle massenhafte Produktion von Milch und Fleisch schädigt Natur und Tier. Die Umweltorganisation Greenpeace fordert deshalb Abgaben auf Fleisch- und Milchprodukte.

Berlin - Greenpeace fordert eine Verteuerung von Fleisch und Milch aus Massenproduktion. In einer am Montag in Berlin vorgestellten Studie schlägt die Umweltorganisation die Einführung einer Tierwohlabgabe von maximal 50 Cent pro Kilo Fleisch und 1,5 Cent pro Liter Milch vor. Ausgenommen sein sollen Produkte aus Ökolandbau und besonders tiergerechten Haltungsverfahren, sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter.

Neben der Tierwohlabgabe müsse der Mehrwertsteuersatz für Fleisch- und Milchprodukte von sieben auf 19 Prozent angehoben werden, sagte Hofstetter weiter. Zugleich sollten pflanzliche Produkte und pflanzliche Fleisch- und Milchalternativen günstiger werden durch eine Absenkung des Steuersatzes von derzeit sieben auf fünf Prozent.

Mehrkosten sollen überschaubar bleiben

„Steuern und Abgaben sollten klare Anreize bieten, den übermäßigen Konsum klima- und umweltschädlicher Lebensmittel zu beenden“, sagte der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte. Zudem würden die Gesundheitsrisiken sinken, die durch übermäßigen Fleischkonsum entstehen.

Die Mehrkosten für Verbraucher blieben dabei überschaubar. Selbst regelmäßige Fleischesser würden mit weniger als zehn Euro mehr monatlich belastet, sagte Hofstetter. Bei Verbrauchergruppen, die bereit seien, Fleisch- und Milchprodukte durch pflanzliche Produkte zu ersetzen, stiegen die Lebensmittelhaltungskosten dagegen nicht.

Kleine Betriebe sollen bei der Umstellung unterstützt werden

„Wer Fleisch konsumiert, muss auch die Kosten der Erzeugung für Umwelt und Klima tragen“, sagte Hofstetter. Das sei derzeit nicht der Fall. Die Fleisch- und Milchpreise seien zu niedrig, um eine tiergerechte Haltung durchzusetzen. „Wenn wir als Gesellschaft ein schnelles Ende der quälerischen Tierhaltung wollen, müssen wir Landwirte, die in mehr Tierwohl investieren wollen, mit öffentlichen Mitteln fördern“, sagte der Greenpeace-Agrarexperte. Gerade kleine und mittlere Betriebe könnten die Mehrkosten nicht aus eigener Kraft stemmen. Mit den zusätzlichen Einnahmen könnten sie beim Umstieg auf eine artgerechte Haltung unterstützt werden.

Laut Greenpeace würde dem Bund eine Tierwohlabgabe jährlich bis zu 4,5 Milliarden Euro in die Kassen spülen. Damit könnten der Abbau des Tierbestands und tiergerechte Haltungsformen in landwirtschaftlichen Betrieben flächendeckend gefördert werden. Die Kombination von Tierwohlabgabe und Steuerreform würde den Ausstoß von Klimagasen aus der Landwirtschaft um rund 8,8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr senken. Das entspreche den Emissionen von etwa 3,5 Millionen Pkw.

Denkfabrik prüft verschiedene Finanzmodelle

Erstellt wurde die Studie von der Denkfabrik Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace. Die Autoren prüften neben Tierwohlabgabe und Mehrwertsteuersatz-Erhöhung auch die Einführung einer emissionsabhängigen Steuer. Diese würde mit etwa 15 Millionen Tonnen CO2 jährlich die meisten Treibhausgasemissionen einsparen und dem Bund Mehreinnahmen von 8,25 Milliarden Euro bescheren. Die Mehrbelastung des Verbrauchers bei gleichbleibendem Konsum läge monatlich bei etwa elf Euro.

Die zweckgebundene Tierwohlabgabe stelle aber sicher, dass das Geld der Verbraucher auch zielgenau bei den Agrarbetrieben ankomme, sagte Hofstetter. Am Freitag beginnt in Berlin mit der Internationalen Grünen Woche die weltweit bedeutendste Agrarmesse.

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