Trotz klirrender Kälte ziehen junge Sternsinger in Böblingen von Haus zu Haus. Ihr Ziel: Spenden für den Kampf gegen Kinderarbeit in Bangladesch sammeln.
In der Gemeinde St. Klemens in Böblingen ist viel los. Kinder und Jugendliche suchen ihre Kostüme und Utensilien zusammen: Mäntel, Kronen, Weihrauch, Spendendose. Es ist der 5. Januar – ein Tag vor dem Dreikönigstag, was bedeutet: Die Sternsinger sind unterwegs.
Zur Mittagszeit stärken sich die jungen Sänger, es gibt Maultaschen mit Kartoffelsalat. Am Vormittag waren einige bei der Bundespolizei in Böblingen eingeladen, mittags geht es für viele weiter in den Wohngebieten. Es ist zwar klirrend kalt draußen, doch für erfahrene Sternsinger ist das nichts Neues. Bei Wind und Wetter ziehen die jungen Leute durch die Straßen, sammeln Spenden und verteilen Segen. „Wir machen das schon seit elf Jahren“, erzählt Justus Tjaden, der mit vier weiteren Jungs unterwegs ist: Samuel Ulrich, Frederick Tjaden, Henry Ulrich und Martin Kern – zusammen sind sie als Caspar, Melchior und Balthasar, Sternträger und Begleitung unterwegs. Der jüngste Sternsinger in der Gruppe ist elf, der älteste 21 Jahre alt. An rund 15 Haushalten klingeln sie an diesem Nachmittag.
Drei weitere Gruppen, insgesamt rund 20 Kinder, sind in der St. Klemens Gemeinde an diesem Tag unterwegs – auch sie besuchen jeweils rund 15 Haushalte. An jeder Tür sagen die jungen Sternsinger einen Segensspruch auf und schreiben mit Kreide den Segen C+M+B über die Tür – die Abkürzung von „Christus mansionem benedicat“, was bedeutet „Christus segne dieses Haus“. Wer will, bekommt auch einen Sticker. Das Lied „Seht ihr unseren Stern da stehen“ geben sie ebenfalls zum Besten. Die Gruppe ist ein eingespieltes Team: Das Lied sitzt, jeder sagt einen Satz und Samuel Ulrich leitet den Weg mit einer Straßenkarte und der Liste der Haushalte. Ab und zu bleiben sie stehen – der Weihrauch muss aufgefüllt werden.
Kalt ist den Sternsingern trotz Minusgraden nicht: Sie laufen ihre Kilometer von Haus zu Haus – da bleibt gar keine Zeit, um zu frieren. „15 Haushalte – das ist gar nichts“, sagt Samuel Ulrich. Der 19-Jährige hat schon viele Jahre des Sternsingens hinter sich. Er kann sich noch an Zeiten erinnern, da waren sie von 9 bis 17 Uhr unterwegs und klingelten an rund 60 Haushalten. Heute hat sich die Zahl etwas verringert. Aufgrund des Datenschutzes müssen sich die Menschen, die gerne von den Sternsingern besucht werden wollen, aktiv dafür anmelden. Die Flyer dazu gibt es in der Kirche.
Diejenigen Hausbewohner, die gerade anzutreffen sind, freuen sich allesamt über den Besuch: Es gibt Applaus, einige geben auch etwas Süßes – und füllen natürlich die Spendenbox. „In der heutigen Zeit ist das nicht mehr selbstverständlich“, sagt ein Hausbewohner, der den Sternsingern freudig gelauscht hat. Es sei toll, dass die jungen Leute sich engagieren.
Spenden kommen Kindern in Bangladesch zugute
Die Spenden, die die jungen, katholischen Kirchenmitglieder im Januar sammeln, gehen jedes Jahr an Kinder in anderen Teilen der Welt. Dieses Jahr steht die Aktion unter dem Motto „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“. Die Spendengelder sollen nach Bangladesch gehen, einem Land, in dem rund 1,8 Millionen Kinder arbeiten, statt sich ihrer Kindheit zu erfreuen und in der Schule lernen zu dürfen. Zwei Sternsinger-Projekte nehmen sich dem Problem Kinderarbeit an: Die Caritas Bangladesch bildet Kinder armer indigene Gruppen aus, sensibilisiert Eltern für das Recht auf Bildung und zeigt ihnen den Schulbesuch als Zukunftschance. Die Abdur Rashid Khan Thakur Foundation (ARKTF) befreit in Jessore Kinder aus gesundheitsschädlicher Arbeit und unterstützt die (Wieder-)Einschulung oder Ausbildung junger Menschen. Außerdem sensibilisiert sie Kinder, Eltern, Arbeitgeber, Behörden und Regierungsmitarbeitende für die Kinderrechte.
Mehrere tausend Euro sammelt die St.-Klemens-Gemeinde mit den drei weiteren katholischen Gemeinden in Böblingen jedes Jahr. Auch Online-Spenden sind möglich. Am Dreikönigstag wird dann der Einsatz der jungen Kirchenmitglieder zum Abschluss mit gemeinsamem Pizza-Essen und einer Urkunde belohnt.