Eine Warnsystem-Pflicht soll kommen und etwa Radfahrer vor Kollisionen mit geöffneten Türen schützen. Wie Mercedes, Porsche und Bosch reagieren und wie deren Systeme funktionieren.
Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass der Einbau von Türwarnsystemen zur Pflicht für die Fahrzeughersteller wird. Sie werde sich auch im neuen Jahr auf Ebene der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) an den Arbeiten beteiligen, teilt eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums von Patrick Schnieder (CDU) mit.
Mit besagten Systemen können sich sogenannte Dooring-Unfälle verhindern lassen. Von diesen spricht man, wenn etwa Radfahrer gegen Fahrzeugtüren prallen, die Insassen zuvor unaufmerksam geöffnet haben. Unter anderem direkt neben Radwegen kann das schwerwiegende Folgen haben.
Wie äußern sich nun Mercedes-Benz, Porsche und Bosch zu einem potenziell verpflichtenden Einbau? In welchen Modellen sind solche Systeme bereits serienmäßig integriert? Und wie funktionieren sie? Ein Überblick.
Mercedes-Benz hat ein eigenes System
„Wir unterstützen jede geeignete Maßnahme, die die Sicherheit, insbesondere der sogenannten ungeschützten Verkehrsteilnehmer, erhöht“, erklärt ein Sprecher von Mercedes-Benz zum Vorstoß, den Einbau von Türwarnsystemen zur Pflicht zu machen. Neu ist das Thema für den Stuttgarter Autobauer ohnehin nicht.
Wie der Sprecher ausführt, brachte der Hersteller sein System – genannt Totwinkel-Assistent mit Ausstiegswarnfunktion – 2016 mit der damaligen E-Klasse auf den Markt. Es handelt sich laut Mercedes-Benz um eine Eigenentwicklung. „Mit allen neu anlaufenden Modellen bieten wir die Ausstiegswarnfunktion serienmäßig an“, heißt es weiter. Den Auftakt habe der CLA gemacht.
Der verbaute Assistent „nutzt die Daten der Radarsensoren in den hinteren Stoßfängern“, so der Autobauer, der die Sensorik für sein System nicht selbst anfertige, aber auch nicht von Bosch beziehe. „Im Stand kann die Ausstiegswarnfunktion vor dem Aussteigen eines Fahrzeuginsassen mit einer optischen Warnung im Außenspiegel signalisieren, dass ein Verkehrsteilnehmer im kritischen Bereich vorbeifährt“, heißt es weiter.
Greift man dann von innen an einen der Türgriffe, „ertönt zusätzlich eine akustische Warnung und das rote Dreieck beginnt im Spiegel zu blinken. Diese Funktion ist bei stehendem Fahrzeug bis zu drei Minuten nach dem Ausschalten der Zündung verfügbar.“
Porsche nutzt Konzerntechnik
Sportwagenbauer Porsche hat ein derartiges System einem Sprecher zufolge seit 2024 im Angebot. Es warne die Insassen seiner Fahrzeuge mithilfe der LED-Beleuchtung in den Türgriffen. „Der Ausstiegswarner macht mit optischen Hinweisen an allen Ausstiegen auf von hinten nahende Verkehrsteilnehmer aufmerksam“, so der Stuttgarter Autobauer, der eine weitere Funktion ergänzt: „Droht eine Kollision, etwa mit einem Radfahrer, verzögert der Assistent das Öffnen der Tür und entschärft so die Gefahr.“
Volkswagen-Tochter Porsche nutzt dabei dem Sprecher zufolge Konzerntechnik und passt diese auf seine Modelle an. Wie von Mercedes-Benz ist auch in Zuffenhausen vom Sicherheitsaspekt die Rede. „Es war uns wichtig, die Technik miteinzubringen“, sagt der Unternehmenssprecher.
Er bezieht sich damit auf die Integration in den Macan und in den E-Cayenne. Bei diesen Baureihen gehöre das Assistenzsystem, das mithilfe von Eckradaren funktioniere, zur Serienausstattung. Nun wolle Porsche zunächst das Feedback der Kunden zu dem noch recht jungen System sammeln und dann die nächsten Schritte prüfen. Das System von Bosch ist nach Angaben des Automobilzulieferers im Markt etabliert. Er bezeichnet es als Ausstiegswarnung. „Bosch bietet den Eck-Radar und die darauf basierende Ausstiegswarnung bereits seit mehreren Jahren an“, teilt ein Sprecher mit.
Auch Bosch bietet Ausstiegswarnung an
Sie mache optisch und akustisch auf gefährliche Situationen aufmerksam – wie die Assistenten der Autobauer. Kurzzeitig könne die Ausstiegswarnung die Fahrzeugtüren auch sichern, was an die Option bei Porsche erinnert.
„Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer hat für Bosch hohe Priorität“, teilt das Unternehmen mit. Es begrüße somit die Initiative, „die verpflichtende Einführung eines solchen Systems EU-weit voranzutreiben“. Denn die Ausstiegswarnung „trägt wesentlich dazu bei, die Verkehrssicherheit, vor allem von Fahrradfahrern und E-Scooter-Fahrern, zu verbessern“. Bosch unterstützt „eine Ausweitung dieser Systeme auch in preissensiblere Fahrzeugsegmente“.
Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) fordert die Autobauer in seinem Statement zu dem Vorstoß auf, Warnsysteme serienmäßig zu integrieren, wenn die Sensorik vorhanden ist. „Fast alle Kfz-Hersteller haben bereits entsprechende Warnsysteme im Portfolio, bisher allerdings gegen Aufpreis“, teilt der ADAC mit.
In welchen Fahrzeugen soll der Einbau zur Pflicht werden?
Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums ist zunächst ein verpflichtender Einbau in Pkw geplant. „Sofern die Regelung in Kraft tritt, gilt sie für neu entwickelte Fahrzeugtypen und etwa zwei Jahre später für neu zugelassene Fahrzeuge“, teilt es zudem mit. Sollte die Einführung auf internationaler und europäischer Ebene beschlossen werden, sei davon auszugehen, dass eine Pflicht perspektivisch nicht nur für Pkw gelten würde.
Weiter heißt es aus dem Ministerium: „Vielmehr käme eine Ausweitung auf Nutzfahrzeuge in Betracht, sofern dies sinnvoll erscheint.“ Eine mögliche Grundlage seien ausgewertete Unfallzahlen.