Till Bollinger beim Einräumen seines Automaten. Foto: Gottfried Stoppel

In Leutenbach schließt moderne Technik Versorgungslücken: Das 24/7-Lädle macht deutlich, wie Nahversorgung im ländlichen Raum heute gelingen kann.

Als die Tür des kleinen Ladens in der Ortsmitte von Leutenbach (Rems-Murr-Kreis) aufschwingt, fällt der Blick sofort auf die massiven Automaten an der Wand. Einer ist silbern mit kleinen Fächern voller Nudeln, Eier und Honig. Rechts daneben steht ein großes, tiefschwarzes Gerät, dessen breite Glasscheibe den Blick auf Säfte, Soßen und regionale Spezialitäten freigibt.

 

Drinnen tippt Corinna Kümmel auf das Display. Sie wohnt „ums Eck“, sagt sie, und heute will sie Dosenwurst einer Landmetzgerei aus Kaisersbach kaufen. „Wir wohnen direkt hier – es ist super, dass es das Lädle gibt“, erzählt die 34-Jährige. „Sonntags mal schnell Eier oder Zwiebeln holen – das ist Gold wert.“

„Hier habt ihr was von den Bauern direkt um die Ecke“

Seit fast einem Jahr gibt es nun das „Lädle“ in Leutenbach: ein 24/7-Angebot mitten im Ort, gegenüber vom Rathaus in der früheren Bäckerei Pflumm. „Wir wollten den Menschen in Leutenbach sagen können: Hier habt ihr was von den Bauern direkt um die Ecke“, erzählt Sabrina Born. Sie arbeitet in der Gemeindeverwaltung als Assistenz des Ersten Beigeordneten Heiko Nothacker sowie in der Kämmerei und ist für das „Lädle“ zuständig.

Die Gemeinde hat für das Projekt gezielt investiert: Rund 15.000 Euro hat die Renovierung der Räumlichkeiten gekostet. Weitere 13.000 Euro kostete ein Verkaufsautomat, der sich nun im Besitz der Gemeinde befindet. Ziel des „Lädles“ ist es, die Nahversorgung in Leutenbach zu stärken. Denn im Ortskern gibt es nur wenige Einkaufsmöglichkeiten.

Regionale Produkte rund um die Uhr

Mit dem rund um die Uhr zugänglichen Automatenangebot können Bürger Lebensmittel des täglichen Bedarfs direkt im Ort einkaufen – unabhängig von Öffnungszeiten. Gleichzeitig bietet der Laden Erzeugern aus der Gegend eine neue Verkaufsplattform. „Bürgermeister Jürgen Kiesl hat das Projekt sehr unterstützt“, betont Sabrina Born.

„In unserem Automaten gibt es Eier, Honig, Nudeln und Liköre“, erzählt sie weiter. Bestückt wird das Gerät mit Produkten von Imker Michael Seebohn, Landwirt Andreas Häußermann sowie von Stefan und Tobias Läpple – allesamt regionale Erzeuger aus der Umgebung.

Till Bollinger erweitert Angebot mit Automaten in Leutenbach

Zwei weitere Automaten steuert Landwirt Till Bollinger bei. Gemeinsam mit seinem Bruder Kai betreibt er einen Obst- und Eierhof und ist als Beschicker auf den Wochenmärkten in Leutenbach, Freiberg am Neckar, Weissach im Tal und Remseck vertreten.

Seine Geräte springen sofort ins Auge: Neben verschiedenen Säften gibt es auch Eier, Konfitüren, Hühnergerichte im Glas und noch Vieles mehr. „Die Automaten sind für uns ein weiteres Standbein, um unsere eigenen Produkte zu verkaufen“, erklärt er. Besonders gefragt seien Eier, Säfte und saisonale Produkte.

Sabrina Born von der Gemeinde im 24/7-Laden in Leutenbach. Foto: Gottfried Stoppel

Gibt der Kunde die Nummer des gewünschten Produktes in ein Tastenfeld ein, wird es nach vorne in ein Fach geschoben, fährt herunter und kann binnen 30 Sekunden aus einer Klappe entnommen werden. „Ich habe wohl den Mercedes unter den Automaten“, erzählt Till Bollinger – für seine beiden Geräte hat er mehr als 30.000 Euro ausgegeben.

Regionale Erzeuger nutzen Automaten der Gemeinde

Während Till Bollinger seine Produkte in eigenen Automaten anbietet, stellt die Gemeinde ihre Geräte weiteren regionalen Erzeugern zur Verfügung. So kann auch Imker Michael Seebohn seine Waren im „Lädle“ verkaufen. Die Arbeit mit den Bienen ist für ihn kein Beruf, sondern ein Hobby. Seine Frau und er begannen vor fünf Jahren mit drei Bienenvölkern – heute sind es zwölf.

„Wir haben ordentlich Material, dass wir verkaufen müssen“, erzählt er – zwischen 400 und 500 Kilo im Jahr, um genau zu sein. Doch das ist gar nicht so einfach: „Es ist mühsam, bei Regen und Kälte auf dem Wochenmarkt zu stehen und undankbar, wenn man an einem Tag nur vier Gläser Honig verkauft“, erzählt er. Im Sommer sei es zeitlich schwierig, weil dann die Arbeit mit den Bienen anstehe.

Das Lädle vereinfacht den Verkauf deutlich. Die unterschiedlichen Honigsorten wie Blütenhonig und Frühtrachthonig sowie Lippenstifte und Bienenharz verkaufen sich ohne großen Aufwand. „Wenn ich im Ort unterwegs bin, dann schaue ich kurz beim Laden vorbei und fülle die Produkte nach, wenn nötig“, erzählt der Imker. Die Miete für den Platz im Automaten sei abhängig vom Umsatz und sehr fair. „Die Gemeinde unterstützt uns darin, weiterzumachen“, sagt er.

Das Lädle in Leutenbach liegt gegenüber vom Rathaus. Foto: Marie Part

Das Automaten-Lädle in Leutenbach auf einen Blick:

  • 24 Stunden geöffnet, sieben Tage die Woche
  • Adresse: Hauptstraße 17, 71397 Leutenbach
  • Angebot: Eier, Säfte, Honig, Marmelade, Dosenwurst, saisonale Produkte und vieles mehr
  • Regionale Erzeuger aus Leutenbach und Umgebung
  • Betrieben in Zusammenarbeit von Gemeinde und Landwirten

Nahversorgung im Ortskern soll weiter wachsen

Neben der verbesserten Nahversorgung und der Unterstützung von regionalen Erzeugern hat das 24/7-Lädle einen weiteren positiven Effekt: Die Mitte Leutenbachs wird „belebt“, so Sabrina Born. „Ich kaufe hier auch selbst ein“, erzählt sie. „Einfach, weil es praktisch ist.“

Viele im Ort nutzen das inzwischen so: spontan, nebenbei, auf dem Heimweg. Perspektivisch soll die Nahversorgung im Ortskern weiter gestärkt werden. So entsteht in unmittelbarer Nähe des Ladens derzeit ein neues Gebäude hinter dem Gasthaus Lamm. Dort sollen ein Metzger und ein Bäcker einziehen.

Das „Lädle“ zeigt schon jetzt, wie moderne Nahversorgung im Ortskern funktionieren kann – klein, regional und jederzeit zugänglich. Für die Landwirte ist es ein zusätzliches Standbein, für die Gemeinde ein neuer Ansatz. Und für Menschen wie Corinna Kümmel gehört der Gang zum Automaten längst zum Alltag.