Die Einschläge kommen näher: Im Kreis Ludwigsburg wächst nach einem Fall in einem Nachbarkreis die Sorge vor der Geflügelpest. Ein Geflügelbauer fordert weitere Sicherheitsmaßnahmen.
Die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, kommt immer näher. Zu Beginn der Woche wurde ein Fall am Breitenauer See in Löwenstein im Landkreis Heilbronn bekannt. Bei einer Graugans wurde das Virus nachgewiesen.
Auch wenn in Baden-Württemberg laut dem Tierseucheninformationssystem des Friedrich-Loeffler-Instituts dieses Jahr erst sieben Fälle bekannt geworden sind – fünf bei wild lebenden, zwei bei gehaltenen Tieren –, gibt es bundesweit schon gut 900 Fälle (2024: etwa 300).
Vogelgrippe im Kreis Ludwigsburg: „Einschläge kommen näher“
Ist damit zu rechnen, dass sich die Geflügelpest nun auch im Landkreis Ludwigsburg ausbreitet? Und wie verhält man sich nun am besten gegenüber Enten und Tauben?
„Um uns herum kommen die Einschläge näher, das Virus ist also eindeutig in der Wildvogel-Population verbreitet“, sagt Matthias Kurz. Er betreibt in Sachsenheim einen der größten Geflügelhöfe im Landkreis – und macht sich Sorgen. Ein Großteil seiner mehr als 20 000 Hühner bewegt sich hauptsächlich draußen.
Dass die Landesregierung noch kein Aufstallungsgebot ausgesprochen hat – also alle Tiere in Ställe beordert hat – bezeichnet Kurz angesichts der aktuellen Situation als „grob fahrlässig“. Zumindest zeitlich begrenzt halte er dies für die richtige Maßnahme zum Schutz vor infizierten Wildvögeln. 2023 gab es zuletzt eine solche Stallpflicht wegen der Vogelgrippe. Damals berichtete Kurz davon, dass seine Hühner diese gut überstanden hätten.
„Für uns als landwirtschaftlichen Familienbetrieb wäre ein Vogelgrippefall existenzgefährdend“, sagt Kurz. Käme es zu einem Fall bei seinen Hühnern, müssten Tausende Tiere gekeult werden.
Geflügelpest-Gefahr derzeit „sehr hoch“
Beim Landratsamt Ludwigsburg teilt man die Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts, dass das Risiko einer Ausbreitung der Geflügelpest derzeit sehr hoch ist. Man untersuche daher aufgefundene Wildvögel auf die Krankheit, es gebe derzeit aber noch keinen Verdachtsfall von Geflügelpest.
Im Kreis Heilbronn wurden vom Landratsamt in Abstimmung mit der Landesregierung bislang keine schärferen Vorsichtsmaßnahmen, etwa eine Stallpflicht, angeordnet. Den gleichen Weg geht man auch in Ludwigsburg. Die bislang geltenden Sicherheitsbestimmungen wie etwa stallspezifische Kleidung für die Halter, Hygienevorschriften und das Fernhalten des Futters von Wildvögeln sehe man als ausreichend an.
Kurz kritisiert Sicherheitsmaßnahmen
Für den Geflügelbauer Kurz ist die Erinnerung an die schon geltenden Sicherheitsmaßnahmen „ein schlechter Witz“. Die Hauptgefahr drohe durch Wildvögel im Auslauf. Das Betreuungspersonal der Tiere oder die Futter- und Einstreumittel seien da das kleinere Problem.
Wird eine Aufstallungspflicht angeordnet, müssen alle Tiere in den Stall. Ihre Eier könnten aber einen gewissen Zeitraum dennoch als Freiland- oder Bio-Eier verkauft werden. Macht Kurz das ohne entsprechende Anordnung, kann er seine Eier hingegen nicht mehr als Freiland-Eier anbieten. Auch seine Bio-Eier dürften dann nicht mehr das entsprechende Siegel tragen.
Vorsicht bei kranken Wildvögeln
Für die Bevölkerung schätzt das Friedrich-Loeffler-Institut das Risiko einer Ansteckung als sehr gering ein. In Deutschland ist bislang kein Fall einer Infektion beim Menschen bekannt geworden. Bürgerinnen und Bürger sollten Wildvögel, die schwach, teilnahmslos oder auf andere Weise krank erscheinen, dennoch nicht anfassen oder mitnehmen. Wenn es sich dabei um einen wildlebenden Wasser-, Greif- oder Rabenvogel handelt, ist das Tier unter Angabe des Fundorts dem Veterinäramt zu melden.
Der Nabu rät derzeit bundesweit sogar vom Füttern von Wildvögeln ab. In Anbetracht der unklaren Verbreitungswege sei es ratsam, Wasservögel wie Enten und Schwäne in Parks und Grünanlagen nicht mehr zu füttern. Die Ansammlung von Vögeln an den Futterplätzen begünstige die Übertragung des Virus von Vogel zu Vogel.
Vogelgrippe-Erreger werden vornehmlich über den Kot erkrankter Tiere verbreitet. Auch Katzen und Hunde können sich bei entsprechendem Kontakt infizieren. Während Hunde laut Nabu höchstens milde Symptome zeigen, könnten Katzen mitunter an dem Virus auch sterben.