Bei der Polizei müssen mehrere Beamte nach dem Einsatz in Quarantäne. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Die Ankunft von fünf Geflüchteten in Stuttgart hat auch Auswirkungen für Polizeibeamte: Sie kamen auf ihrer Route durch ein Risikogebiet. Wie steht es um den Corona-Test der aufgegriffenen Männer?

Stuttgart - Fünf in Stuttgart aufgegriffene Geflüchtete, die sich auf der Ladefläche eines Lastwagens versteckt hatten, warten noch auf das Ergebnis ihres Coronatests. Solange sind sie provisorisch bei der Polizei am Pragsattel untergebracht. Sie kamen, als sie in Untertürkheim aufgegriffen worden waren, in der Gewahrsamseinrichtung unter, die eigentlich für vorläufig festgenommene Personen gedacht ist.

Die fünf jungen Leute im Alter von 15 bis 24 Jahren waren am Dienstagabend entdeckt worden, als ein rumänischer Lastwagenfahrer am Stuttgarter Hafen die Plane der Ladefläche öffnete. Da sprangen sie heraus und rannten weg. Nach kurzer Fahndung fand die Polizei sie in der Nähe des Lindenschulviertels in Untertürkheim. Sie sagten, sie seien aus Afghanistan. Papiere hatten sie keine dabei. Als eine ihrer Stationen auf dem Weg nach Deutschland gaben sie Serbien an – ein Corona-Risikogebiet. Daher wurden sie in Quarantäne gebracht. Ein Test auf das Coronavirus wurde vorgenommen.

Wer keinen Platz für sichere Quarantäne hat, kann in eine städtische Unterkunft

Die Stadt Stuttgart hat zu Beginn der Corona-Krise Unterkünfte für Menschen eingerichtet, die sich nicht zuhause selbstständig in Quarantäne begeben können. Das war ein nicht allein auf Flüchtlinge zugeschnittenes Konzept, aber auch für sie war es gedacht. Außerdem sollten dort Menschen unterkommen können, die in Wohnungsnot sind. Dort sind noch Kapazitäten frei: Stand Donnerstag waren diese Unterkünfte nur zu 34 Prozent belegt. Gestartet war das Hilfsangebot mit drei Unterkünften: je eine an der Ulmer Straße, der Hohenheimer Straße und der Strombergstraße. Die Stadt hatte sie Anfang April eingerichtet. Zusammen boten sie Platz für 159 Personen. In den ersten drei Monaten lag die Auslastung bei bis zu 60 Prozent. Im Juli schlossen zwei dieser Unterkünfte, da die Infektionszahlen sanken. Da die fünf Männer vom Lastwagen noch nicht im Asylverfahren waren, kam die Unterkunft für sie nicht in Frage.

Die Bundespolizeiinspektion Stuttgart hatte diesen Fall noch nicht, sagt der Pressesprecher Yannick Dotzek. Das liegt auch daran, dass Geflüchtete vermehrt direkt an den Grenzen zu den Nachbarländern aufgegriffen werden. Zu Beginn der Zeit, in der vermehrt Geflüchtete ins Land kamen, wurden häufig am Stuttgarter Hauptbahnhof große Gruppen in den Zügen angetroffen. An den Grenzen zu den europäischen Nachbarländern nehme die Bundespolizei bei Verdachtsfällen Kontakt zum nächsten Gesundheitsamt auf, damit Tests gemacht werden, sagt Carolin Bartelt, die Sprecherin der für Baden-Württemberg zuständigen Bundespolizeidirektion.

Auch Polizeibeamte müssen in Quarantäne

Die Möglichkeit einer Infektion auf der Fluchtroute hat im vorliegenden Fall auch Folgen für die Beamten, welche die vier Jugendlichen und einen jungen Mann aufgegriffen haben: Vier Polizisten sind nach dem Einsatz am Dienstag vorsorglich auch zuhause geblieben. Auch wenn die Geflüchteten keine Symptome hatten, die auf eine Covid19-Erkrankung hindeute, wollte man auf Nummer sicher gehen, sagte eine Sprecherin der Polizei. Deswegen habe man den vier Beamten, die die Männer aufgegriffen hatten, auch die weitere Bearbeitung der Fälle überlassen: Es sollten nicht noch mehr Beamte mit ihnen in Kontakt kommen. In den Dienst kommen sie auch erst zurück, wenn das Testergebnis vorliegt.

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