In vielen Unterkünften gibt es kaum Angebote für Kinder. Die Stuttgarter Spielstuben stehen Kindergartenkindern und Eltern offen. Foto: dpa/Felix Kästle

Für viele geflüchtete Kinder sei das die einzige Möglichkeit überhaupt bis zur Schule eine professionelle Betreuung zu bekommen, sagt die Stadt. Sie richtet weitere Spielstuben ein, die zwei Vormittage die Woche offen haben.

Dass es viel zu wenige Kitaplätze in Stuttgart gibt, trifft oft jene am härtesten, die sie unbedingt bräuchten. Das wurde auch jüngst im Jugendhilfeausschuss wieder deutlich. Die Mitglieder sollten darüber entscheiden, ob das Angebot der Spielstuben in Unterkünften für Geflüchtete erweitert wird. Dabei werden Kinder, die keinen Kitaplatz haben, zwei Vormittage pro Woche von Erzieherinnen betreut. „Für viele Kinder in Gemeinschaftsunterkünften“ sei das „die einzige Möglichkeit bis zum Schuleintritt pädagogische Angebote zu erhalten“, hieß es in der Beschlussvorlage. Jugendamtsleiterin Susanne Heynen sprach von einer „Notlösung, die sich bewährt hat.“ Die Ausschuss-Mitglieder beschlossen denn auch einstimmig, dass die Zahl der Spielstuben von derzeit sieben auf 20 erhöht wird und dafür knapp vier Vollzeitstellen geschaffen werden. Die Gruppen sollen flexibel dort eröffnen können, wo es Bedarf gibt.

 

Sieben Spielstuben gibt es schon

Seit Ende 2022 gibt es Spielstuben in Stuttgart-Fasanenhof, Heumaden, Möhringen, Stammheim, Zuffenhausen, Obertürkheim und Münster. Bis zu acht Kinder werden dort in den Räumen der Unterkünfte von einer Erzieherin und einer zusätzlichen ungelernten Kraft betreut. Vor allem geht es darum, dass sie spielerisch Deutsch lernen und Bildungsangebote bekommen.

Aber auch für die Eltern sind die Stuben eine Möglichkeit, andere kennen zu lernen und zu verstehen, wie das deutsche Kita- und Bildungssystem aufgebaut ist, nach welchen Grundsätzen in Deutschland Kinder erzogen werden sollten.

Wie wichtig das Angebot ist, macht das Jugendamt an einem Beispiel deutlich: In der neuen Gemeinschaftsunterkunft im Weilimdorfer Industriegebiet leben derzeit 25 Kinder zwischen drei und sechs Jahren, außerdem viele Kleinkinder, 15 von ihnen werden bald drei Jahre alt. Vor Ort gebe es keine Spielplätze oder sonstige „kindgerechte Infrastruktur“. Eine Spielstube kann hier die einzige Möglichkeit der Abwechslung sein. In Feuerbach und Hausen wurden bereits zwei zusätzliche eingerichtet.

Einige Rätinnen und Räte fragten, warum man das Angebot nicht auf fünf Vormittage erweitern könne. Jugendamtsleiterin Susanne Heynen will nun prüfen lassen, inwieweit weitere Stunden möglich sind, machte allerdings deutlich, dass ein tägliches Angebot eine Betriebserlaubnis erfordere, für die die Räumlichkeiten dann eventuell nicht ausreichend seien. Eine weitere Begrenzung ist der Fachkräftemangel. Derzeit kann man für die Spielstuben vor allem Erzieherinnen in Elternzeit gewinnen, die bereit sind, an zwei Vormittagen zu arbeiten.