In Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) sollen ukrainische Geflüchtete in einem Wohnheim unterkommen. Bei einer Bürgerinfo entlädt sich die Kritik der Anwohner daran deutlich.
Eigentlich schätzte man sich im Kornwestheimer Rathaus glücklich. Wegen der steigenden Zahl ukrainischer Geflüchteter müsste man sich eigentlich auf die Suche nach einem neuen Standort für deren Unterbringung machen. Da aber ein privat genutztes Wohnheim in der Bolzstraße bald frei wird, braucht es eigentlich keinen Neubau. Nun zeigen jedoch Anwohner offen ihren Widerstand gegen die Pläne.
Bei einer Bürgerinfoveranstaltung am Montag im K machten Anwohner ihre Sorgen und Ängste noch einmal deutlich. Dass künftig Ukrainer und Obdachlose in 64 Zimmern in dem Wohnheim leben sollen, treibt sie auf die Barrikaden. Sogar eine Bürgerinitiative wurde bereits gegründet.
Zunächst erläuterte die Verwaltung den 80 Teilnehmern die Sachlage. In den letzten zwei Quartalen kamen je rund 50 Menschen aus der Ukraine nach Kornwestheim, so viele wie seit 2023 nicht mehr. An zehn Standorten in der Stadt leben 219 geflüchtete Ukrainer, zudem muss die Stadt derzeit 78 Wohnungslosen eine Bleibe anbieten.
Zimmer werden teilweise doppelt belegt
Deshalb brauche man neue Unterkünfte und da man ohnehin Eigentümer des Wohnheims in der Bolzstraße sei, sei es der günstigste und schnellste Weg, die Menschen dort unterzubringen. Teilweise könnten die Zimmer doppelt belegt werden. 14 weitere Zimmer bleiben bei der Gluckerschule, die bislang Mieter des gesamten Gebäudes war.
„Wir planen eine engmaschige Betreuung“
Michael Siegel, Stadt Kornwestheim
Die Stadt plane eine „engmaschige Betreuung“, wie Michael Siegel, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, erklärte. So soll unter anderem der aktuelle Hausmeister weiter vor Ort wohnen bleiben. Auch sei die Einrichtung von Büros für die Betreuung geplant, unter anderem wird Vadym Malykhin dort sein. Er ist bei der Stadt angestellt und kümmert sich um die Ukrainer.
Anwohner sehen Brennpunkt
Trotz allem zeigte die Fragerunde, dass dies die Anwohner nicht überzeugt. Eine Nachbarin meldete sich zu Wort und erklärte, dass bereits der Lärmpegel, den die aktuellen Bewohner verursachen, störend sei. Andere wiesen darauf hin, dass die Ecke in Kornwestheim ein Brennpunkt sei und es immer wieder zu Problemen komme.
Sven Mistele von der Polizei erklärte, dass die Weststadt und auch die Bolzstraße kein Kriminalitätsschwerpunkt seien. Das belegten die Einsatzzahlen. Wegen des Lärmpegels stellte der Erste Bürgermeister Daniel Güthler in Aussicht, dass die Stadt prüfe, was man insbesondere im Außenbereich dagegen tun könnte.
Kritik nicht gegen Ukrainer gerichtet
Nicht mehr als etwa 100 Menschen sollen in der Bolzstraße unterkommen, meinte Siegel. Man rechne nicht mit Problemen, da dies auch an den anderen Standorten, wo Ukrainer untergebracht seien, so sei.
Immer wieder meldeten sich auch Menschen zu Wort, die explizit erklärten, nichts gegen Ukrainer zu haben. Ihre Kritik richtete sich grundsätzlich gegen die Pläne der Stadt. Viele in der Weststadt, so die Quintessenz, fühlen sich vernachlässigt von der Verwaltung.
Die Einwohnerzahl steige ständig, weil nachverdichtet werde. Das führe zu Problemen im sozialen Bereich und überlaste Bolzschule und Kitas. Zudem trage man auch die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in der Villeneuvestraße schon mit. Nun erwarten die Anwohner durch die neuen Pläne eine Minderung ihrer Grundstückswerte.
Für diese Annahme gebe es keinen Grund, erklärte Güthler. Der Bodenrichtwert in der Weststadt sei in den vergangenen Jahren sogar stärker gestiegen als in anderen Stadtteilen.
Dann endete die Infoveranstaltung. Umgestimmt worden sind wahrscheinlich die wenigsten Bürger. Der Gemeinderat entscheidet Ende Februar, ob die Pläne der Verwaltung umgesetzt werden.