Sevket Karaman (von links) und Holger Stefanowicz sind die Sprecher der Bürgerinitiative Weststadt. Foto: Bürgerinitiative Weststadt

Eine Immobilie in der Kornwestheimer Bolzstraße soll künftig auch Geflüchtete und Obdachlose beherbergen. So erklärt die neu gegründete Bürgerinitiative ihren Widerstand.

Holger Stefanowicz ist in der Weststadt von Kornwestheim aufgewachsen und dem Stadtteil seit Jahrzehnten treu. In dem Gebiet rund um die Bolzstraße fühlt er sich wohl. Doch wie einige seiner Nachbarn verfolgt er nun mit Sorge den Vorschlag der Verwaltung, in einer städtischen Immobilie, die bislang von der Gluckerschule als Wohnheim genutzt wird, künftig auch obdachlose Menschen und Geflüchtete aus der Ukraine unterzubringen. Der Anwohner hat sich mit anderen zu einer Bürgerinitiative (BI) zusammengetan.

 

Anfang Dezember wurde die geplante Umnutzung des Gebäudes in der Bolzstraße 25 während einer Sitzung im Rathaus öffentlich erläutert. Dabei wurde erklärt, dass die Berufsfachschule nach April 2026 nur noch das Dachgeschoss für ihre auswärtigen Schüler benötigt und daher bald die Zimmer in den darunter liegenden Etagen leerstehen werden. Die freiwerdenden Räume können von obdachlosen Personen und geflüchteten Menschen aus der Ukraine bewohnt werden, schlägt die Verwaltung vor.

Gruppe sieht Konfliktpotenzial

Die Gruppe mit dem Namen „Bürgerinitiative Kornwestheim-Weststadt“ hat es sich zum Ziel gemacht, dieses Vorhaben zu verhindern. Sie fordern einen Stopp der Pläne. „Aus unserer Sicht ist diese Mischung ein absolutes No-Go“, sagt Stefanowicz, der zweite Sprecher der BI. Die räumliche Nähe so unterschiedlicher Personen berge Konfliktpotenzial, warnen er und seine Mitstreiter. Zumal seitens der Verwaltung die Rede davon gewesen ist, die 11 bis 15 Quadratmeter großen Zimmer könnten teilweise doppelt belegt werden, um bis zu 100 Geflüchtete und obdachlose Menschen zu beherbergen. Dafür sei das Haus nicht geeignet, so die BI.

Die Verwaltung hat vorgeschlagen, in dem Gebäude in der Bolzstraße Büros für das Integrationsmanagement des Landkreises, die Sozialdiakonie, den Arbeitskreis Asyl und den ukrainischen Mitarbeiter der Stadtverwaltung einzurichten. Zudem soll der bisherige Hausmeister weiterhin dort wohnen und beschäftigt werden. Dennoch sind die Vertreter der BI überzeugt, dass dies nicht ausreicht, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Schon in der Vergangenheit hat Sevket Karaman, der erste Sprecher der Initiative, als Anwohner festgestellt, dass es unter den jetzigen Bewohnern vor allem abends und nachts immer wieder zu Streitereien, Handgreiflichkeiten und anderen Problemen kommt. „Das würde künftig noch schlimmer werden“, meint er und verweist darauf, dass die dicht besiedelte Weststadt ohnehin schon als Brennpunktviertel gelte. Warum solle ausgerechnet hier eine weitere Unterkunft entstehen?

In dem Gebäude an der Bolzstraße sollen künftig auch Geflüchtete und Obdachlose wohnen. Foto: Simon Granville

Die Vertreter der BI befürchten, dass sich mit dem Einzug weiterer Bewohner auch andere Konflikte verschärfen: der Mangel an Parkplätzen in der Straße, die Fälle illegaler Müllentsorgung und häufige Lärmbelästigungen. Das Zusammenleben in dem Stadtteil könne dann kippen.

Statt der vorgestellten Pläne könnten sich die Anwohner bessere Nutzungsmöglichkeiten für die städtische Immobilie vorstellen: zum Beispiel als weiteres Gebäude der Verwaltung, sodass Bereiche wie der Ordnungsdienst oder das Integrationsmanagement in der Weststadt angesiedelt sind. Ein Mehrgenerationenhaus oder eine soziale Einrichtung seien ebenfalls denkbar, sagen die Vertreter der Initiative.

Gemeinderat soll erst Ende Februar entscheiden

Und wohin dann mit den Geflüchteten und den obdachlosen Personen? Es sei sinnvoller, sie voneinander getrennt und dezentral unterzubringen, meint unter anderem Ramazan Kara vom Organisationsteam der BI. Aus einer Auflistung der Verwaltung gehe hervor, dass es derzeit noch freie Plätze in den bestehenden Unterkünften in der Stadt gebe. Er bittet die politischen Entscheidungsträger, nach Alternativen zu suchen. „Wir versuchen, in den Dialog zu gehen, und wollen einbezogen werden“, ergänzt Holger Stefanowicz.

Das Rathaus teilt in einer Stellungnahme mit, dass seit Wochen eine offene Infoveranstaltung für alle Einwohner geplant ist: Sie soll am Montag, 2. Februar, von 18 Uhr an im Kultur- und Kongresszentrum K stattfinden. „Die Stadtverwaltung nimmt die Bedenken und Hinweise aus der Bevölkerung ernst, deshalb hat es bereits persönliche Gespräche mit Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Bewohnerinnen und Bewohnern des Wohnheims gegeben“, heißt es weiter.

An dem Infoabend möchte die Verwaltung nicht nur „die Planung mit allen Fakten präsentieren, sondern auch offene Fragen der Bürgerschaft und damit auch jene der Initiative beantworten“. Der Gemeinderat wird voraussichtlich erst am Donnerstag, 26. Februar, einen Beschluss fassen. Neue Erkenntnisse aus der Veranstaltung könnten noch in die Entscheidungsfindung einfließen.