Eine S-Bahn am Feuerbacher Bahnhof Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Seit Jahren gibt es bekannte Brennpunkte im S-Bahn-Netz der Region – und der Bahnhof Feuerbach ist ein trauriges Musterbeispiel dafür, wie Gefahren erkannt, aber nicht gebannt werden, meint unser Polizeireporter.

Stuttgart - Ein schneller Blick auf die letzten Monate: Ein Rollstuhlfahrer stürzt in Bad Cannstatt über die Bahnsteigkante, ein 40-Jähriger gerät im Hauptbahnhof zwischen Zug und Bahnsteigkante, eine Frau wird in Fellbach von einer S-Bahn-Tür eingeklemmt und fünf Meter mitgezogen, ein 42-Jähriger wird am Halt Stadtmitte zwischen Bahnsteig und S-Bahn eingeklemmt und getötet, in Winnenden wird ein 28-Jähriger eingeklemmt, als er eine S-Bahn erreichen will, in Bad Cannstatt stürzt ein 51-Jähriger vor sich schließenden Türen.

Man könnte von Einzelfällen, von individuellem Fehlverhalten sprechen – wenn die Unfallursache nicht System hätte. Besonders unrühmlich geht es am Bahnhof Feuerbach zu. Ein Ort voller Dramen und Trauerspiele: Vor fast fünf Jahren rammten herrenlose Güterwaggons das Bahnhofsgebäude, ohne dass die Schuldfrage geklärt wäre. Ende 2015 ist ein Mann von einer S-Bahn mitgeschleiftund getötet worden, seither, ist es auf Bahnsteig 1 immer wieder zu brisanten Situationen gekommen. Dabei waren auch Personen betroffen, die weder alkoholisiert noch körperlich eingeschränkt waren.

Experten fordern Nachbesserungen – vergebens

Was wurde seither unternommen? Die traurige Antwort: Nichts. Und was wird demnächst unternommen? Noch trauriger: gar nichts. Obwohl sich alle Experten einig sind, dass der Bahnsteig im S-Bahn-Netz ein Risikofaktor ist, wird eher das Riesenprojekt Stuttgart 21 fertig, als dass an dieser Stelle nachgebessert würde. Bahn und Bauunternehmen stritten um die ­Kosten und beerdigten das Thema einfach.

Das ist schlicht unverantwortlich. Das kann nur dazu führen, dass irgendwann ein Staatsanwalt gegen Unfallverantwortliche ermitteln muss – gegen Beschuldigte, die am Ende der Kette von Versäumnissen einen Fehler gemacht haben.

wolf-dieter.obst@stzn.de

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