Die erste Ampel schaltet bereits auf Gelb, die hintere ist noch etwas länger Grün. Das verführt manchen Autofahrer zu zu schnellem Fahren. Foto: Tilman Baur

Die Doppel-Ampel am Ende der Epplestraße in Stuttgart-Degerloch ist eine Gefahrenstelle. Weil Autofahrer oft noch schnell durchwitschen wollen, kam es schon zu etlichen Unfällen mit querenden Fußgängern.

Degerloch - Der Lieferwagen fährt mit Schwung die Epplestraße hoch. Die erste Ampel springt auf Gelb, der Fahrer drückt das Gaspedal noch weiter runter. Auch die zweite Ampel direkt an der Löffelstraße steht mittlerweile auf Gelb. Der Fahrer fährt drüber, bremst dann stark und biegt nach rechts ab. An den beiden dicht aufeinander folgenden Ampeln am Ende der Epplestraße sind Szenen wie diese keine Seltenheit. Besonders im Feierabendverkehr heulen auf Degerlochs Haupteinkaufsstraße regelmäßig die Motoren auf. Kerstin John, Mitarbeiterin der benachbarten Waldau-Apotheke, beobachtet das Treiben Tag für Tag. „Ich wundere mich, dass nicht schon Menschen durch die Luft geflogen sind“, sagt John.

Passiert ist an der Stelle schon einiges

Sie selbst finde den Zustand beängstigend. Zwar sind schlimme Unfälle zum Glück bislang ausgeblieben. Passiert ist aber schon einiges an der Stelle. Mehrmals im Jahr kommen Menschen mit leichten Blessuren in die Apotheke, um sich behandeln zu lassen. Auch erste Hilfe habe man schon mehrfach leisten müssen, berichtet ein Kollege von Kerstin John. Die Apothekerin versteht nicht, warum die Verwaltung an der Stelle keine Blitzer aufbaut: „In der ganzen Stadt wird doch mittlerweile geblitzt“, sagt John. Eine grüne Erhebung direkt gegenüber böte die perfekte Position für ein mobiles Blitzgerät, findet sie. John ist überzeugt, dass es sich bei den Temposündern um Fahrer handelt, die sich gut auskennen. „Wenn man zum ersten Mal auf der Epplestraße fährt, würde man doch nicht so rasen“, sagt sie.

Ein Anwohner, der direkt gegenüber der Apotheke lebt und anonym bleiben will, bestätigt die Beobachtung der Apothekerin. „Die Leute fahren teils schneller als 70 Kilometer in der Stunde“, sagt er. Auch er habe schon gesehen, wie Passanten angefahren worden seien. Ein Problem ist aus Sicht des Anwohners die Ampelschaltung. Denn während die erste Ampel bereits Gelb wird, leuchtet die hintere direkt vor den Gleisen der Zahnradbahn noch Grün. „Viele Fahrer konzen­trieren sich schon auf die hintere Ampel und wollen unbedingt noch drüber. Sie missachten dann die erste Ampel und geben noch mal richtig Gas“, sagt er.

Bisher habe es keine offiziellen Beschwerden gegeben

Belegt sind die Tempoverstöße indes nicht – denn die Stadt bestätigt, dass sie an dieser Stelle nicht blitzt. „Aus diesem Bereich liegen uns keine Messergebnisse vor. Zum einen, da es im Bereich von sogenannten Lichtsignalanlagen üblicherweise eher zu Rotlichtverstößen kommt. Zum anderen gab es im unmittelbaren Umfeld der beiden Ampeln bisher keine Hinweise oder gar Beschwerden auf Geschwindigkeitsverstöße, sagt die Sprecherin Ann-Katrin Keicher.

Genau hier aber – bei den Rotlichtverstößen – wollen die Freien Wähler im Bezirksbeirat ansetzen. In einem Antrag, der in einer der kommenden Sitzungen zur Diskussion steht, fordern sie die Installation eines Ampelblitzers, der Rotverstöße ahndet und Fotos der Delinquenten macht. Eine solche Ampel könne Zwischenfälle mit Verletzungen verhindern, begründete Eberhard Klink den Vorstoß.

Man will allen Verkehrsteilnehmern gerecht werden

Ob sich die Verwaltung darauf einlässt, wird sich zeigen. Warum aber gibt es an der Stelle überhaupt zwei Ampeln so dicht hintereinander? „Im Bereich Epplestraße/Löffelstraße treffen mehrere Verkehrsarten aufeinander. Um den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer gerecht zu werden, sind vor Ort zwei Ampelanlagen notwendig und zielführend“, sagt Ann-Katrin Keicher.

Die Fußgängerampel biete der Vielzahl der in die oder aus der Stadtbahnstation kommenden Passanten eine direkte Möglichkeit, die Epplestraße in Richtung Jahnstraße sicher zu überqueren. „Der Abstand von dieser Fußgängerverbindung zur direkten Einmündung der Epplestraße in die B 27 ist zu weit, um beide Situationen mit nur einer Ampel gleichzeitig zu regeln. Hinzu kommt die Zacke, die an dieser Stelle zusätzlich quert und berücksichtigt werden muss“, so die Sprecherin.

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