Unwetter können Kanäle schnell überfordern, wie hier im Enzkreis 2021. Foto: SDMG

Eine Gefahrenkarte zeigt, wo in der Stadt Risiken bei heftigen Regenfällen bestehen. Gegenmaßnahmen sind teuer und dauern lang. Aber nicht nur die Kommune ist gefordert.

Was tun bei enormem Niederschlag? „Wir sprechen hier nicht von einem normalen Sommerregen, sondern von einem extremen Ereignis“, erklärte Kevin Knoche. Der Projektleiter des Stuttgarter Ingenieurbüros Klinger und Partner hat für Heimsheim die Gefahr durch Starkregenereignisse, etwa durch heftige, auch lokal auftretende Gewitter untersucht. Vor dem Hintergrund des Klimawandels befassen sich Kommunen im Baden-Württemberg seit einigen Jahren mit dem Management solcher Starkregenrisiken. Mit seltenen, außergewöhnlichen und extremen Ereignissen. Entwickelt werden Gefahrenkarten für besonders betroffene Gebiete. Auch für Heimsheim gibt es eine solche Übersicht, die den Bürgerinnen und Bürgern bei einer Informationsveranstaltung vorgestellt wurde.

 

Starkregen: „Wasser sucht sich immer den tiefsten Punkt“

Die lokalen Kanalnetze seien demnach in der Regel nur für „kleine“ Starkregenereignisse ausgelegt. Dazu bestehe die Gefahr, dass die Einläufe zugesetzt seien, das Wasser also nicht richtig ablaufen könne. „Das Wasser sucht sich immer den tiefsten Punkt“, sagte Kevin Knoche. Und der liege innerorts im Bereich des Kotzenbachs. Es gelte also, die Wassermassen, die bei einem Starkregen herunterkommen, aufzufangen, in Rückhaltebecken etwa.

In Heimsheim hat die Stadt im Gewerbegebiet Egelsee schon vor fünf Jahren ein solches Becken angelegt, Kostenpunkt etwa eine Million Euro.

Der Kotzenbach – ein beschauliches Rinnsal. Aber bei heftigem Niederschlag sieht er ganz anders aus. Foto: Simon Granville

Weitere Einrichtungen würden laut Kevin Knoche im Gewerbegebiet Schafwäsche Sinn haben sowie im Osten der Stadt bei der Feuerwehr, wo bei einem außergewöhnlichen Starkregen die Gefahr einer Überflutung bestehe. Auch beim Friedhof würde eventuell ein kleineres Becken Sinn ergeben. Innerstädtisch sollte der Wasserstand des Sees dauerhaft herabgesetzt werden, damit er als Puffer dienen kann. Das Bett des Kotzenbachs müsste erweitert, vorhandene Verdolungen, also Untertunnelungen, beseitigt werden. Der Heimsheimer Bauamtsleiter Andor Varszegi appellierte an Grundstückseigentümer am Kotzenbach, Flächen für die Bachrenaturierung an die Stadt zu verkaufen.

Experte: Nicht in überflutete Keller gehen

All diese Maßnahmen seien sehr kostenintensiv, und „alles dauert lang“, sagte Andor Varszegi. Fördermittel seien zwar beantragt, aber mit diesen sei nur zu rechnen, wenn es ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis gebe.

Die Stadt will langfristig bei Straßensanierungen getrennte Ablaufsysteme für Abwasser und Regenwasser bauen. Doch auch jeder Einzelne sei verpflichtet, Maßnahmen zu treffen, sagte Projektleiter Kevin Knoche: „Checken Sie Ihre Gefahrensituation“, sagte er. Kritische Punkte seien oft Tiefgarageneinfahren, Lichtschächte oder Eingänge. Letztere könnten zum Beispiel durch Stufen gesichert werden. Eines der häufigsten Probleme bei Starkregen seien fehlende Rückstauklappen in den Häusern. Man solle auch klären, wohin das Dachwasser ablaufe. Er warnte davor, im Fall der Fälle in überflutete Keller zu gehen oder mit dem Auto auf überflutete Straßen zu fahren. „Nehmen Sie Starkregenwarnungen ernst“, forderte er auf.

Wo wird es nass?

Übersicht
Die Starkregengefahrenkarte für Heimsheim und andere Kommunen ist auf der Seite udo.lubw.baden-wuerttemberg.de zu finden.