Die 14-jährige Ayleen soll ihren mutmaßlichen Mörder durch Chatten und ein Online-Spiel kennengelernt haben. Was aber tun, damit der Nachwuchs im Internet nicht in eine Falle gerät? Experten geben Ratschläge.
Ein vermeintlich harmloser Chatkontakt ist einer 14-Jährigen aus Gottenheim bei Freiburg wohl zum Verhängnis geworden. Das Mädchen nutzte wie Millionen Jugendliche auch die soziale Medien und spielte ab und zu Online-Games mit Chatfunktionen – insbesondere Fortnite, einem Kampfspiel im Internet. Was können Eltern tun, um ihre Kinder vor unerwünschten Kontakten zu schützen? Worauf sollten Jugendliche achten? Ein Überblick.
Was empfiehlt die Polizei?
Unter www.polizei-bw.de finden sich unter dem Stichwort Prävention Tipps für Familien, wie sie ihre Kinder für den Umgang mit der digitalen Welt wappnen können. Eltern können ihre Kinder zwar nie hundertprozentig schützen, aber sie können sie begleiten und aufklären über Risiken. Denn Jugendliche können sich schnell strafbar machen, wenn sie aus Unwissenheit oder Sorglosigkeit unerlaubte Inhalte herunterladen.
Wie kann diese Begleitung aussehen?
„Erwachsene sollten sich damit auseinandersetzen, was ihre Kinder im Internet treiben“, sagt Fabian Karg, der stellvertretende Leiter des Landesmedienzentrums. Sie sollten Interesse zeigen, sich erklären lassen, was wie funktioniert – aktuell insbesondere beim Onlinespiel Fortnite oder den Plattformen Snapchat und Tiktok, die in der Altersgruppe der Zehn- bis 16-Jährigen besonders beliebt seien. Dann verstünden die Eltern auch, wie eine unerwünschte Kontaktaufnahme über das Internet funktioniert, so Karg. Auch über Chatkontakte im Internet sollten Eltern mit ihren Sprösslingen sprechen. Vor allem sollten sie ihre Kinder für einen vorsichtigen Umgang mit ihren Daten sensibilisieren.
Was, wenn der Gesprächsfaden abreißt?
Man sollte sich nicht scheuen, Hilfe zu suchen, rät Fabian Karg – zum Beispiel bei der Medienpädagogischen Beratungsstelle unter 0711- 4909-6321. Kindern und Jugendlichen einen guten und sicheren Umgang mit dem Internet beizubringen, funktioniere nur im Miteinander auf vielen Ebenen: Diese Aufgabe könnten weder die Schulen alleine stemmen, noch die Elternhäuser. Die Regionalen Medienzentren in Baden-Württemberg bieten eine Reihe von unterschiedlichen Infoveranstaltungen zu dem Thema an. Auch die Polizei ist in diesem Bereich sehr aktiv. Das Polizeipräsidium Freiburg etwa hat im abgelaufenen Schuljahr 379 Informationsveranstaltungen an Schulen abgehalten – zweieinhalb mal so viel wie noch zwei Jahre zuvor.
Was können Jugendliche tun?
Fabian Karg vom Landesmedienzentrum rät Jugendlichen dazu, immer skeptisch zu bleiben und alles zu hinterfragen. „Aus welcher Quelle kommt diese Information? Ist dieser Daniel, der mich da kontaktiert, wirklich Daniel oder irgendein Algorithmus?“ Ähnliches empfiehlt auch die Polizei. Jugendliche könnten und sollten soziale Netzwerke nutzen, wenn sie gelernt hätten, sicherheitsbewusst damit umzugehen. Dazu gehöre ein „gesunder Geiz“ mit den eigenen Daten und die Vernetzung nur mit Freunden, die man aus dem realen Leben kenne. „Es gibt keinen Grund, bei einem Online-Game seinen Klarnamen und ein echtes Bild von sich zu verwenden“, warnt auch Karg. Wenn ein Chatpartner im Internet zu neugierig wird und sich nach Namen und Wohnort erkundigt, dann sei Misstrauen angebracht.
Was ist mit Fortnite?
Fortnite zählt aktuell zu den weltweit beliebtesten Online-Spielen. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) hat das Spiel für Kinder ab zwölf Jahren freigegeben. Andere Experten empfehlen Fortnite erst ab 14 Jahren. Bei dem Spiel landen hundert Kontrahenten auf einer einsamen Insel und müssen versuchen, zu überleben – entweder alleine oder im Team mit anderen, mit denen man sich auch über Chats austauschen kann. Moderiert werden diese sogenannten Chatrooms nicht; junge Menschen sind also nicht geschützt vor Beleidigungen oder unangemessenen Fragen. Eltern können jedoch bei Fortnite eine Kindersicherung einrichten und so etwa die Chatfunktion deaktivieren. Online-Spiele und Plattformen wie Snapchat oder Tiktok sind laut dem Institut für Cyberkriminologie an der Hochschule für Polizei in Brandenburg häufig Plattformen, mit denen Kinder und Jugendliche erstmals mit Cybergrooming in Kontakt kommen.
Was ist Cybergrooming?
Unter Cybergrooming versteht man das Anbahnen eines Kontakts via Internet mit der Absicht, das Kind oder den Jugendlichen sexuell zu missbrauchen. B ei unter 14-Jährigen ist schon allein der Kontaktversuch eine Straftat, es muss nicht zum Missbrauch kommen – die Absicht ist entscheidend.
Ich will einen Chatpartner im echten Leben treffen. Wie sichere ich mich ab?
„Es wäre schon viel geholfen, wenn zum ersten Treffen mit einem Chatpartner ein Freund oder eine Freundin dabei wäre“, sagt Franz Semling, der Freiburger Polizeipräsident: Dann kann man sehen, ob der Chatpartner auch der ist, der er sich im Internet als echten Kontakt ausgegeben hat. Der Freund oder die Freundin könne auch die Autonummer des Chatpartners notieren.