In der JVA Stuttgart-Stammheim ist wegen der vielen Untersuchungsgefangenen der Ausländeranteil besonders hoch. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Ausländeranteil in den Gefängnissen im Land steigt weiter. Mit 54 Prozent liegt er jetzt dreimal so hoch wie der Bevölkerungsanteil. Es gibt einige Auffälligkeiten.

Die Gefängnisse in Baden-Württemberg sind voll. Dabei steigt der Ausländeranteil immer weiter. Nachdem im vergangenen Jahr erstmals mehr Menschen ohne deutschen Pass hinter Gittern gesessen sind als mit, hat sich die Quote jetzt weiter erhöht. Zum Stichtag 31. März lag der Anteil nichtdeutscher Gefangener landesweit bei knapp 54 Prozent. Das sagte ein Sprecher des Justizministeriums unserer Zeitung.

 

In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stuttgart-Stammheim sieht die Verteilung noch einmal anders aus. „Der Anteil nichtdeutscher Gefangener an der Gesamtbelegung der JVA Stuttgart ist aufgrund der zentralen Zuständigkeit für die Unterbringung von Untersuchungsgefangenen im landesweiten Vergleich höher“, so der Sprecher. Dort saßen zuletzt fast 68 Prozent nichtdeutsche Gefangene ein.

Damit sind Menschen ohne deutschen Pass in den Gefängnissen deutlich überrepräsentiert. Laut Statistischem Landesamt betrug ihr Bevölkerungsanteil in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr 18,2 Prozent. Türkische Staatsangehörige bildeten dabei mit Abstand die größte Gruppe, gefolgt von rumänischen, ukrainischen und italienischen Staatsangehörigen, die nahezu gleichauf lagen.

Das spiegelt sich bei den Nationalitäten hinter Gittern nur bedingt wider. Nach den Deutschen war zwar auch dort der Anteil der Türkei mit 5,5 Prozent der Gefangenen am höchsten, es folgten allerdings Algerien mit 4,1 Prozent aller Gefangenen, Syrien mit 3,8 und erst dann Rumänien mit 3,6 Prozent. Syrien liegt beim ausländischen Bevölkerungsanteil auf Platz sechs, Algerien taucht unter den ersten 25 Nationalitäten dort überhaupt nicht auf.

Die neue JVA in Rottweil soll Abhilfe schaffen. Foto: Vermögen und Bau Konstanz

„Bemerkenswert ist, dass insbesondere der Anteil an Staatsangehörigen aus nordafrikanischen Staaten – Algerien, Tunesien und Marokko – seit zwei Jahren massiv zunimmt“, sagte der Sprecher. Mittlerweile stammten rund zehn Prozent aller Gefangenen aus Nordafrika. Noch vor zwei Jahren seien es nur 5,5 Prozent gewesen.

„Im Justizvollzug steigt die Zahl der ausländischen Gefangenen seit einigen Jahren. In der Untersuchungshaft ist der Anstieg besonders groß, weil die Fluchtgefahr bei Tatverdächtigen ohne deutschen Pass eher anzunehmen ist. Diese Entwicklung geht mit hohen Migrationszahlen einher“, sagte Marion Gentges (CDU), Ministerin der Justiz und für Migration. Auch deshalb sei es „dringend geboten, die insgesamt zu hohen Zugangszahlen zu senken“.

Dass die Gruppe der Ausländer hinter Gittern dermaßen wächst, liegt in der Tat an der hohen Zuwanderung der vergangenen Jahre. Das Kriterium Nationalität greift dabei aber zu kurz. Laut Kriminologen sind Hauptkriterien für Kriminalität in Armut und mangelnder Bildung zu finden. Faktoren, die bei Migranten deutlich häufiger gelten als bei der deutschen Bevölkerung. Zudem sind nationalitätsübergreifend junge Männer besonders gefährdet, kriminell zu werden. Diese Personengruppe ist gerade bei Geflüchteten klar überrepräsentiert. Ein Hinweis auch auf die wachsende Zahl der Nordafrikaner im Gefängnis.

Der Trend sorgt auch dafür, dass die Gesamtzahl der Gefangenen in Baden-Württemberg seit Jahren auf hohem Niveau ist. Im April 2025 betrug die durchschnittliche Gesamtauslastung der Justizvollzugsanstalten im Südwesten rund 94 Prozent. Das Land hat bereits vor einiger Zeit darauf reagiert und plant reihenweise Sanierungen und Erweiterungen von Gefängnissen. Kernprojekt ist der Neubau einer JVA in Rottweil. Sie soll künftig 502 Haftplätze bieten, 280 Millionen Euro kosten und im Jahr 2027 in Betrieb gehen.