Die Angst vor der Radikalisierung junger Häftlinge im Knast wächst. Gefängnisseelsorger sollen hier künftig gegensteuern. Foto: dpa

Die Angst vor der Radikalisierung junger Häftlinge im Knast wächst auch in Baden-Württemberg. Gefängnisseelsorger sollen hier künftig stärker gegensteuern: Das Land befürwortet einen Ausbau der muslimischen Gefängnisseelsorge.

Stuttgart - Das Land befürwortet einen Ausbau der muslimischen Gefängnisseelsorge im Südwesten. Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) sagte unserer Zeitung: „Wir unternehmen umfassende Anstrengungen, um die Situation zu verbessern. Aktuell beraten wir mit dem Integrationsministerium und dem Finanz- und Wirtschaftsministerium, wie eine umfassende muslimische Seelsorge in unseren Haftanstalten organisiert werden kann.“ Eine unmittelbare Finanzierung der Seelsorger habe man „für den nächsten Haushalt fest im Blick“, ergänzt ein Sprecher. Muslimische Seelsorger könnten helfen, radikale Ideen von verurteilten Kriegsheimkehrern aus Syrien oder dem Irak theologisch zu widerlegen.

Bislang werden Seelsorger und Gelehrte von den muslimischen Religionsgemeinschaften bezahlt, oft sind sie Angestellte des türkischen Staats oder arbeiten ehrenamtlich. Das solle auch so bleiben, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann: „Die Notwendigkeit eines Einsatzes von mehr Imamen ist sicherlich gegeben und hier muss auch ein entsprechendes Budget vom Land bereitgestellt werden. Ich plädiere aber keinesfalls für hauptamtliche Vollzeitstellen.“ Solche hauptamtlichen Stellen würden dem Steuerzahler zu teuer kommen, so Zimmermann, zumal es bislang keine im Land ausgebildeten Imame gebe. Eine Gefahr könnten „Hassprediger“ darstellen: „Hier muss Baden-Württemberg sehr sorgfältig bei der Auswahl des Personals vorgehen.“

Knapp ein Fünftel aller Gefängnisinsassen sind in Ländern wie Baden-Württemberg, Berlin oder Hessen Muslime. Für die islamische Seelsorge im Knast stellt der Bund aber nur knapp 170 000 Euro zur Verfügung – für christliche Seelsorge sind es rund 12 Millionen. Einige Bundesländer haben bereits konkrete Schritte unternommen, um die muslimische Seelsorge stärker zu institutionalisieren: So stellt Hessen in diesem Jahr mit 110 000 Euro mehr als doppelt so viele Geld bereit wie noch im Vorjahr.

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