Radeln in der „Autostadt“ Stuttgart: In unserer Bildergalerie zeigen wir – basierend auf den Einschätzungen des Stuttgarter Radentscheids – die gefährlichsten Stellen für Fahrradfahrer im Kessel. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Immer mehr Menschen in Stuttgart fahren Fahrrad. Obwohl eine bessere Infrastruktur für die Radler gewollt ist, stockt es an vielen Stellen. Wir zeigen die größten Probleme für Fahrradfahrer im Kessel.

Stuttgart - Sie enden abrupt, sind durch Baustellen versperrt, ständig zugeparkt oder mit tückischen Ausfahrten gespickt: So einige Fahrradwege in der Landeshauptstadt scheinen nur für kampferprobte Radler gemacht zu sein. Die Schwaben-Metropole gilt als traditionelle Autostadt. Das wird zum Beispiel auf der Heilbronner Straße in der Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofs deutlich. Sechs Spuren haben Autos und Lastwagen dort. Radfahrer müssen sich den Gehweg mit Fußgängern teilen. Dabei ist längst sichtbar, dass sich etwas tut auf Stuttgarts Straßen: Seit dem Jahr 2014 steigt die Zahl der Radfahrten im Schnitt um acht Prozent pro Jahr. Die Stuttgarter radeln fleißig – doch die Infrastruktur hinkt hinterher.

Stuttgart will eine Fahrradstadt werden

Doch die Stadt gelobt Besserung. „Stuttgart soll eine echte Fahrradstadt werden“, hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) längst verkündet. Das stolze Ziel: Der Radverkehr soll in den kommenden zehn Jahren ein Viertel des gesamten Verkehrs ausmachen, derzeit sind es etwa elf Prozent. Knapp 200 Kilometer Radwege gibt es laut Stadt in Stuttgart derzeit neben Tempo-30-Zonen und land-und forstwirtschaftlichen Wegen, das sei doppelt so viel wie noch vor zwanzig Jahren. Bis 2030 sollen nun das Hauptradroutennetz ausgebaut und Schnellverbindungen geschaffen werden. „Rund 20 Euro je Einwohner werden dafür investiert, dieser Betrag soll auf 40 Euro je Einwohner anwachsen“, heißt es seitens der Stadtverwaltung.

Stuttgart, eine Fahrradstadt? „Das ist noch ein langer Weg“, prophezeit Benedikt Glitz vom „Radentscheid Stuttgart“. In einem Beschluss hatte der Gemeinderat 2019 die Forderungen der Initiative aufgegriffen. „Noch ist keine echte Vision zu erkennen, wie eine fahrradfreundliche Stadt in Stuttgart tatsächlich aussehen wird“, bemängeln die Aktivisten. Die Initiative wünscht sich, dass künftig nicht nur Hardcore-Radler, sondern auch Kinder sicher durch den Kessel rollen. „An einigen Orten wie den beiden Fahrradstraßen, der Tübinger Straße und der Eberhardstraße, können wir das heute schon beobachten“, sagt Glitz.

So oft verunglücken Fahrradfahrer in Stuttgart

Ein Blick in die Unfallstatistik legt Probleme offen. So registrierte die Stuttgarter Polizei im vergangenen Jahr 568 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern. Die Anzahl der Unfälle mit konventionellen Rädern ist zwar rückläufig, doch Unfälle mit Pedelecs stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent. „Die Zahlen sind in Relation zu dem allgemeinen Zuwachs des Radverkehrs und den anhaltenden Schönwetterperioden erklärbar“, heißt es seitens der Stadt als Erklärung. Doch noch etwas anderes verraten die Zahlen: „Die Auswertung zeigt, dass bei 87 Unfällen Radfahrer alleinbeteiligt waren und ein Fremdverschulden oder Mängel der Infrastruktur nicht erkennbar waren“. Die konstanten Unfallursachen laut Stadt: Missachtung der Vorfahrt, zu hohes Tempo, Alkohol oder Fehler beim Abbiegen.

Stadtoberhaupt Kuhn hat nun kürzlich in Auftrag gegeben, bis September alle Orte zu analysieren, an denen sich Radunfälle häufen – dort will die Stadt die Situation für Radler gezielt verbessern. Die Verkehrsbehörde beim Amt für öffentliche Ordnung gehe grundsätzlich allen Gefahrensituationen oder Unfällen nach, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

In unserer Bildergalerie zeigen wir – basierend auf den Einschätzungen des Stuttgarter Radentscheids – die gefährlichsten Stellen für Fahrradfahrer in Stuttgart.

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