Die Naturoase im Pleidelsheimer Naturschutzgebiet droht zu verlanden. Nun bahnt sich eine Lösung für das Problem an – die allerdings ihren Preis hat.
Das Pleidelsheimer Wiesental steht bei vielen Naturfreunden als Ausflugsziel und Beobachtungspunkt hoch im Kurs. Rund um den See haben sich teils seltene Vogelarten angesiedelt. Zuletzt setzten etliche Tierliebhaber aber eine sorgenvolle Miene auf, wenn sie auf das Gewässer zu sprechen kamen. Am Grund lagert sich immer mehr Sediment ab. Die hohe Nährstoffbelastung fördert das Gedeihen der Wasserlinse, die die Oberfläche zuwuchert. Das Wachstum anderer Pflanzen, die Nährstoffe binden und das Gewässer mit Sauerstoff anreichern könnten, wird mangels Lichtzufuhr ausgebremst. Ein übler Teufelskreis, es droht die Verlandung. Nun zeichnet sich eine Lösung für das Problem ab – die allerdings auch einen bitteren Beigeschmack hat.
Schlamm wird von Norden nach Süden gepumpt
Ein runder Tisch aus Behördenvertretern, Gebietskundigen und externen Praktikern habe diskutiert, wie der See gerettet werden könnte, erklärt Andrea Panitz, Pressereferentin des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP). „Als Ergebnis der Besprechung soll nun eine Teilsanierung des Gewässers angestrebt werden“, berichtet sie. Das Sediment werde dabei umgelagert. Konkret soll es vom nördlichen Teil mit der Vogelinsel in den südlichen Abschnitt des Sees gepumpt und dort konzentriert werden.
Der Preis, der dafür gezahlt werden muss, ist nicht ohne. Der bislang rund 43 500 Quadratmeter große See verliert laut RP ungefähr ein Drittel seines Umfangs, weil die Fläche im Süden komplett verlanden werde. Im Gegenzug werde „der verbleibende Wasserkörper jedoch gereinigt und die Wasserqualität verbessert“, betont Panitz. Zudem soll das Wasservolumen unterm Strich sogar steigen. Außerdem müsse für diese Variante im Vergleich zu einer Vollsanierung, also einem Ausbaggern oder Abpumpen des Sediments samt Abtransport und Entsorgung, deutlich weniger Geld in die Hand genommen werden. Überdies werde die logistische Umsetzung überhaupt erst möglich.
Vor Ort könne der Schlamm, der laut RP „mäßig“ mit Schadstoffen wie Cadmium und Zink belastet ist, nämlich nicht getrocknet werden, da die gesamte Aue als Schutzgebiet ausgewiesen sei. „Zudem handelt es sich um ein Überschwemmungsgebiet. Darüber hinaus müsste das entnommene Material über Lastwagen oder Schiffe abtransportiert werden. Für das Naturschutzgebiet und die dort vorkommenden Arten stellt dies eine erhebliche Belastung dar“, stellt Panitz klar.
Arbeiten beginnen im nächsten Jahr
Der Startschuss für die Teilüberholung des Sees soll im nächsten Jahr starten. „Die Arbeiten werden voraussichtlich jeweils in den Wintermonaten von Oktober bis Februar durchgeführt, wenn weniger störungsempfindliche Arten im Gebiet sind“, erklärt die RP-Sprecherin. Die Umsetzung werde sich voraussichtlich über mehrere Jahre hinziehen. Im Sommer könne das Gewässer weiterhin als Bruthabitat genutzt werden.
Panitz streicht hervor, dass es sich grundsätzlich beim Wiesental mit seinem Baggersee um ein Kleinod handelt, das „eine besondere naturschutzfachliche Bedeutung innerhalb der Neckaraue besitzt“. Das Gewässer mit seinem umgebenden Gehölzbestand sowie den angrenzenden Acker- und Wiesenflächen biete zahlreichen Vogelarten, Amphibien und Insekten einen Rückzugsort, wie er in der Neckarlandschaft nur noch selten zu finden sei. Gleichwohl gibt es Naturfreunde, die nichts dagegen hätten, wenn die frühere Kiesgrube komplett verlanden würden, nach dem Motto: die Natur holt sich nur zurück, was ihr einst gehörte. Dem hält das RP entgegen, dass in unserer Kulturlandschaft kein Raum mehr zur Verfügung stehe, damit Flüsse aus eigener Gewalt neue, stehende Gewässer schaffen können. Folglich müssten künstlich angelegte Seen natürlich entstandene ersetzen – wenn man den davon abhängigen Arten ausreichend Lebensraum zuteilwerden lassen wolle.