Schweigeminute im niederländischen Parlament für die Opfer des Fluges MH 17 Foto: dpa

Das niederländische Parlament hat mit einer Schweigeminute den Opfern von Flug MH17 seinen Respekt bezeugt. Unterdessen wachsen die Zweifel an der Unabhängigkeit der Ermittler.

Das niederländische Parlament hat mit einer Schweigeminute den Opfern von Flug MH17 seinen Respekt bezeugt. Unterdessen wachsen die Zweifel an der Unabhängigkeit der Ermittler.

Den Haag/Brüssel - Draußen vor dem Parlamentsgebäude in Den Haag liegen Blumen. In einem Gebinde steckt ein kleiner Zettel „Die Niederlande ist in tiefer Trauer. Die Welt ist geschockt. Das hätte nie passieren dürfen. Ruhet in Frieden.“ Drinnen spricht Ministerpräsident Mark Rutte vor den Abgeordneten von einem „unvorstellbar grausamen Akt gegen unschuldige Männer, Frauen, Kinder.“ Rutte: „Gemeinsam sind wir wütend, gemeinsam sind wir traurig, gemeinsam gedenken wir.“ Dann ein langes, schweres Schweigen. Einige der Politiker haben Tränen in den Augen.

Es ist der erste Tagesordnungspunkt dieser Sitzung: Gedenken an Malaysia Airlines, Flug MH 17. Die Flugzeugkatastrophe über der ukrainischen Stadt Donezk vor gut eineinhalb Monaten ist für unsere Nachbarn noch längst nicht vergessen. 298 Menschen kamen ums Leben, 198 hatten einen niederländischen Pass. 173 Opfer wurden inzwischen identifiziert, erst Ende August konnten die sterblichen Überreste von 73 malaysischen Opfern nach Kuala Lumpur überführt werden. In der malaysischen Hauptstadt prangen noch immer großflächige Gedenktafeln, die an die „grausame Katastrophe“ erinnern, wie die inzwischen verstaatlichte Fluggesellschaft selbst den Vorfall bezeichnet.

Doch in die Trauer mischt sich zunehmend auch Wut. Noch Anfang August hatten der niederländische und der australische Regierungschef (an Bord waren auch 38 Passagieren vom fünften Kontinent) versprochen, eine erste Bilanz der amtlichen Unter­suchungskommission werde „in zwei bis drei Wochen“ veröffentlicht. Seither geschah nichts.

Inzwischen diskutiert die niederländische Öffentlichkeit heftig über eine kleine Nachricht der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, die zunächst lange unbeachtet geblieben war. Schon im August hatte deren Sprecher nämlich betont, „die Ergebnisse der Ermittlungen werden nach Abschluss sowie nach Zustimmung aller Parteien, die an der Untersuchung beteiligt sind, bekanntgegeben.“ Dies sind neben den Niederländern auch Belgier, Australier und die Ukraine – erstaunlicherweise nicht die malaysische Seite. Die Vorstellung, dass man sich nicht auf die Preisgabe aller Details verständigen könnte, „macht mich rasend und wütend“, sagte am Dienstag ein Angehöriger der Opfer in Den Haag unserer Zeitung.

Die bisherige Theorie vom versehentlichen Abschuss durch pro-russische Rebellen hat nämlich Löcher bekommen. Internationale Experten und sogar Fachleute der Lufthansa halten angesichts der Form der Durchlöcherung des Rumpfes auch einen Abschuss durch Bordwaffen eines Jagdbombers für denkbar. „Dafür sprechen die Durchschüsse an beiden Seiten des Rumpfes, die für eine Boden-Luft-Rakete nicht typisch sind“, betonte einer der Ermittler.

Dass angesichts solcher Spekulationen schon darüber gestritten wird, ob der Untersuchungsbericht vielleicht nur deshalb in der Schublade liegt, damit man nicht in den Ukraine-Krieg eingreift und eine Seite an den Pranger stellt, ist verständlich. Der frühere republikanische US-Senator Ron Paul wunderte sich sogar öffentlich darüber, das die US-Regierung „so erstaunlich schweigsam und still“ die Darstellung der eigenen Geheimdienste hinnehme, denen zufolge entweder pro-russische Rebellen oder Russland selbst den Passagier-Jet abgeschossen hätten. „Wir kommen mit Spekulationen nicht weiter“, hieß es gestern dazu aus Ermittlerkreisen in Den Haag. „Bitte warten Sie ab, bis wir alles gründlich geprüft haben.“

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