Christian Dörmann Foto: Bulgrin

Der langjährige Lokalchef und Vize-Chefredakteur der Eßlinger Zeitung, Christian Dörmann, ist tot. Sein journalistisches Vermächtnis bleibt.

32 Jahre lang war er eine der prägenden Persönlichkeiten in der Redaktion der Eßlinger Zeitung: Christian Dörmann war Leiter des Lokalressorts, stellvertretender Chefredakteur, und vor allem war er ein vorzüglicher Journalist mit feiner Feder, klarem Kompass und einem großen Herzen. Die Nachricht von seinem Tod hat die Menschen, die ihm nahe standen, tief berührt. Vielen wird er fehlen, doch sein journalistisches Vermächtnis bleibt.

 

Christian Dörmann hat sein Handwerk bei der Cannstatter Zeitung gelernt. Von dort ist er zu den Stuttgarter Nachrichten gewechselt, für die er jahrelang die Kommunalpolitik der Landeshauptstadt begleitet hat. Der Verleger Otto Wolfgang Bechtle holte den damals 32-Jährigen 1988 zur Eßlinger Zeitung, wo Dörmann die Leitung der Lokalredaktion zunächst gemeinsam mit dem unvergessenen „Zwieblinger“-Kolumnisten Werner Mey und nach dessen Abschied in den Ruhestand alleine übernahm. Dörmann hat stets ein modernes Verständnis von Journalismus gepflegt, das den veränderten Bedingungen der Mediennutzung Rechnung trug, ohne jedoch seinen hohen journalistischen Anspruch aus den Augen zu verlieren. Zutiefst war er überzeugt von der Bedeutung eines unabhängigen Journalismus für eine Stadt wie Esslingen und für die Demokratie im ganzen Land.

Ein Mann der klaren Worte

Persönlichkeiten wie Günther H. Oettinger (links) begegnete Christian Dörmann stets auf Augenhöhe. Foto: Roberto Bulgrin

Der langjährige Lokalchef ist nie stehen geblieben, hat Entwicklungen, die ihm im Sinne einer guten Zeitung sinnvoll und hilfreich erschienen sind, aufgegriffen und weiterentwickelt, und er hat sich nie gescheut, klare Worte zu finden, wenn er wohl begründete Zweifel hatte. Das hat ihm und seiner Zeitung Respekt und Anerkennung eingetragen. Bei alledem stand er immer fest hinter seinen Leuten. Bei seinem Abschied Ende 2019 betonte er, wie wichtig ihm „sein“ Team war: „Wenn es gelungen ist, dass mir als Leiter der Lokalredaktion gute Arbeit attestiert wurde, dann lag das vor allem an meinen Kolleginnen und Kollegen.“

Schreibend hat Christian Dörmann stets eine feine Feder geführt. Er verstand es, die Dinge auf den Punkt zu bringen, mal mit leichter Hand und mal mit klarer Kante zu kommentieren, auch wenn das nicht jedem gefallen hat. Doch es war nie sein Anspruch, es allen recht zu machen oder sich durch Anbiederung ein Schulterklopfen zu verdienen. So hat er seinen journalistischen Auftrag verstanden. Und wenn es ihm gelang, andere zum Nachdenken zu bewegen und manches damit zum Besseren zu wenden, gab ihm das allenfalls stille Genugtuung.

„cid“, wie er viele seiner Beiträge in der Eßlinger Zeitung signierte, war nicht nur ein Könner in allen Disziplinen des journalistischen Alltags, sondern auch ein Meister der augenzwinkernd formulierten Glosse. Mit knitzem Witz und wohl gesetzter Ironie gelang es ihm, manchem die Spitze zu nehmen und den Blick auf das Wesentliche zu richten. Damit hat er viele Debatten in Esslingen und weit darüber hinaus bereichert. Doch er war nicht nur ein profilierter Journalist – vor allem war er ein besonderer Mensch.

Wer das Glück hatte, den privaten und entspannten „cid“ kennenlernen zu dürfen, hat einen humorvollen, empathischen und lebensklugen Menschen erlebt. Abendelang konnte er die herrlichsten Geschichten erzählen, sein Anekdoten-Fundus war schier unerschöpflich, und wenn es die Situation hergab, war es ihm die größte Freude, mit wortwitzigen Kalauern für schallendes Lachen zu sorgen. Zu besonderen privaten Anlässen bekamen Auserwählte einen seiner unverwechselbar gereimten Mehrzeiler. Und für seine besten Freunde gab’s jedes Jahr ein Weihnachtsgedicht, das so manchem großen Autor Ehre gemacht hätte.

„Cid“ hat viele positive Spuren hinterlassen

Bei der Lesart hat Christian Dörmann (rechts) spannende Abende moderiert. Foto: Robin Rudel

Mit Christian Dörmann ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit gegangen. Nur wenige wussten, dass er schwer erkrankt war. Viele hätten ihm gewünscht, dass er nach einem arbeitsreichen Leben den Ruhestand noch lang genießen, sein Motorrad satteln oder mit seinem Camper die Welt erkunden könnte, wie er es geliebt hat. Das Schicksal hat es anders bestimmt. Dennoch hat sich „cid“ bis zuletzt seinen Humor bewahrt. Und wenn er sein Leben mit seinen 68 Jahren rückblickend betrachtet hat, durfte er sicher sein, dass er viele positive Spuren hinterlassen hat – journalistisch und privat. Auf eigenen Wunsch hin fand die Gedenkfeier für Christian Dörmann im kleinsten Kreis statt.