Einen amüsanten Abend legte Christiane Stenger beim 35. Druckforum hin. Foto: Natalie Kanter

Christiane Stenger ist Gedächtnisspezialistin und verrät beim 35. Druckforum in der Filharmonie ihre Merktechniken.

Bernhausen - Wie sieht wohl eine mehrfache Junior-Weltmeisterin im Gedächtnissport aus? Flache Schuhe, dicke Brille, keine Schminke? Weit gefehlt. Christiane Stenger stöckelt am Mittwoch auf High Heels durch den großen Saal der Filharmonie. Ihre Lippen hat sie rot bemalt, sie trägt einen kurzen Rock, die Haare sind zu einem frechen Pferdeschwanz hoch gebunden. Der Verband Druck und Medien hat die junge Frau nach Bernhausen geholt. Zum Abschluss des 35. Druckforums.

Die 25-Jährige läuft durch die Zuschauerreihen und hält Frauen und Männern ganz unverblümt ihr Mikrofon vor die Nase. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht ihnen Witziges und Skurriles aus derselben zu ziehen. Kurzum: Christiane Stenger zeigt was sie hat und was sie kann. Es ist ein höchst amüsanter Auftritt.

Sich 20 sperrige Begriffe, wie Schickeria, Dampfschifffahrtsgesellschaft oder Energieeffizienz ganz ohne Spickzettel merken: Diese Übung erledigt die Spezialistin in Windeseile. Für sie ist dies ein Klacks – nicht viel mehr als ein Kinderspiel. Das Publikum kann anfangs über so viel Gedächtnisleistung nur staunen. „Das gibt es doch gar nicht“, murmelt eine Zuschauerin in der zweiten Reihe. 40 Minuten später sind die Teilnehmer selbst zur gleichen Leistung fähig. Und Geschäftsführer Alexander Lägeler sagt: „Sie haben das Unmögliche möglich gemacht.“

Einst jüngste Abiturientin Deutschlands

Christiane Stenger hat nicht nur einen enorm hohen IQ. Nicht umsonst war sie einst die jüngste Abiturientin Deutschlands. Sie hat auch Tricks parat, die das Gedächtnis stärken. Sie setzt ihre Fantasie zum Lernen ein. Sie denkt sich Geschichten aus. Das sei des Rätsels Lösung. Schließlich gelte es die linke und rechte Gehirnhälfte und damit Logik und Kreativität optimal zu verknüpfen.

Die Geschichten sollten möglichst ungewöhnlich sein. Und wenn Bewegung dabei eine Rolle spielt, sei dies umso besser. Auf diese Weise ließen sich beispielsweise auch schwierige Formeln prima merken, ist Stenger überzeugt. Und in ihrer Eselsbrücke zur Realitätstheorie (E = m c²) taucht dann tatsächlich auch ein Esel auf. „Der Esel hat ganz viel Energie. Er fährt auf Skiern zur kleinen massigen Maus. Beide trinken in Lichtgeschwindigkeit Cognac und sehen dann alles doppelt“, erzählt sie.

Mit Zahlen verbindet die 25-Jährige ebenso bunte Bilder. Warum fällt also das Schaf vom Baum? Um sich die Zahl 41 zu merken. Das Schaf steht für die Vier, der Baum für die Eins. Auch der Körper und der Raum können beim Lernen helfen. Der Fuß, das Knie und der Kopf sowie die Tür, die Wand oder auch das Sprecherpult werden mit Begriffen belegt.

So liegt bald eine Zahnbürste auf der Schulter, ein Autozug rauscht um die Körpermitte und das Filderkraut rollt die Treppe hinab. Natürlich nur in der Fantasie des Publikums.

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