Die Stadtarchivarin Carola Eberhard hat viele Fischer-Gedichte gelesen, um zehn für den lyrischen Rundweg in Süßen zu finden. Foto: Horst Rudel

Er war stets Klassenbester und Schiller-Fan. Die Stadt Süßen erinnert an einen ihrer prominentesten Einwohner.

Süßen - Laut tost der Verkehr durch Süßen. Auf der Straße in Richtung Heidenheim stauen sich vor allem nach Feierabend die Autos, dagegen kommt die kräftig plätschernde Fils nicht an. Wie hat wohl der berühmte Sohn Süßens diesen Ort erlebt? Der Dichter, Lehrer und Schillerkenner Johann Georg Fischer besang die Natur, die ihn in seiner Kindheit prägte, in unzähligen Versen. Zehn dieser Gedichte säumen nun zu Fischers 200. Geburtstag einen lyrischen Rundweg in der Ortsmitte. Schade nur, dass die unscheinbaren Tafeln im Stadtbild untergehen.

Eine Gedichtauswahl zum Tagesverlauf

Der Rundweg, der auf einer Broschüre „200 Jahre Johann Georg Fischer. Veranstaltungen zum Jubiläum“ dargestellt ist, führt an vielen Orten vorbei, die eine Verbindung zu Johann Georg Fischer haben. Darauf hat Carola Eberhard Wert gelegt. Die Stadtarchivarin hat den Rundgang, den der Bürgermeister Marc Kersting angeregt hatte, konzipiert und die dazu passenden Gedichte ausgesucht. Außerdem zeichnet sie mit ihrer Gedichtauswahl den Tagesverlauf von der Morgenstunde bis zum Abend nach. So findet sich auf der ersten Tafel am Rathaus das Gedicht „In der Frühe“. Die Empfindsamkeit, mit der Fischer die Morgenstunde beschreibt, wirkt an diesem lauten Platz wie ein Klang aus einer fernen Zeit, fremd und doch vertraut.

„Mein Herz sucht die Heimat

Wer der Spur des Dichters folgt und sich auf seine Verse einlässt, entdeckt ein ganz anderes Süßen. Stationen sind der nach Liebstöckel und Thymian duftende Bauerngarten in der Nähe der Musikschule, wo für die „Gottesgabe“ gedankt wird, oder der wild rauschende Mühlkanal, der ein altes Wasserrad antreibt. Dort hat das Gedicht „Schicksal“ seinen Platz gefunden, das die Vergänglichkeit des Menschen zum Thema hat: „Und wenn die Woge dich erfasste/Und trug dem großen Meer dich zu,/Liegst du bei Tausenden zu Gaste,/Die auch vergessen sind wie du“, heißt es da melancholisch. Sehnsucht klingt an in „Alte Heimat“, das an dem Platz zu finden ist, an dem einst das Geburtshaus des Dichters stand. Heute ist dieser Ort, nach dem Fischer sich sehnt („Mein Herz sucht die Heimat, die Heimat so schön“) gesichtslos.

So idyllisch die Naturgedichte Fischers auch sind und so eingebunden der Mensch in diese Natur auch scheint, er selbst wurde als Sohn bitterarmer Leute in eine Zeit hineingeboren, die im Zeichen einer großen Naturkatastrophe stand. Im Jahr 1815 war in Indonesien der Vulkan Tambora ausgebrochen. In der Folge verdunkelten Staub- und Aschewolken die Atmosphäre, so dass im darauf folgenden Jahr in weiten Teilen Europas und Amerikas extrem kalte Temperaturen herrschten und es zu Missernten und Hungersnöten kam. Das Jahr 1816 ging deshalb auch als das Jahr „achtzehnhundertunderfroren“ in die Annalen ein, wie Carola Eberhard recherchiert hat.

Als Schüler stets Klassenbester

Doch auch persönliche Schicksalsschläge hat Johann Georg Fischer schon früh erfahren. Als er zehn Jahre alt war, starb sein Vater. Seine Mutter musste nun allein für ihn und seinen kleinen Bruder aufkommen. Trotzdem machte Johann Georg Fischer seinen Weg. Er war in der Schule stets Klassenbester. Zum Lohn für seinen Fleiß durfte er studieren. 50 Jahre lang war Johann Georg Fischer als Lehrer tätig, vor allem in Stuttgart, wo er auch in einem Ehrengrab auf dem Pragfriedhof seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Populär wurde er nicht nur durch seine Gedichte, sondern vor allem auch durch seine 24 Reden über Friedrich Schiller, die er an dessen Geburtstagen hielt. Sein Bemühen um die Errichtung des Schiller-Nationalmuseums und die Renovierung von Schillers Geburtshaus trugen ihm die Ehrenbürgerwürde von Marbach am Neckar ein. Auch Süßen hat ihn zum Ehrenbürger ernannt.

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