Im früheren Hotel am Schlossgarten trifft sich seit einem Jahr die Partyszene. Foto: Lg/Iannone

Die meisten dachten, mit dem Studio Amore wird’s nur ein kurzes Vergnügen. Zum ersten Geburtstag dreht die Pop-up-Bar so richtig auf. Noch immer ist unklar, wann der Umbau im Hotel am Schlossgarten in Stuttgart startet und damit das Partyleben stoppt.

Für Max Benzing war’s, als käme er nach Hause. In den Zirbelstuben, die dank ihrer mit Zirbelholz vertäfelten Wände zu den schönsten Restaurants der Stadt zählten, ausgezeichnet mit einem Stern über viele Jahre, hat er den Beruf des Kochs gelernt. Als die Herde und Öfen dort längst ruhten, kam Benzing zurück. Was für ein Déjà-vu! Mit Janusch Munkwitz hat er das leer stehende Hotel am Schlossgarten mit großer Leidenschaft wachgeküsst.

Eines der spannendsten Gastroprojekte von Stuttgart mit dem Charme der 60er Jahre ist entstanden – das Studio Amore, das mit dem queeren Studio Gaga kurz vor Weihnachten sogar noch Nachwuchs bekommen hat. Die beiden Gründer dachten, ein halbes Jahr werden sie schon haben, bis der geplante Umbau der einstigen Luxusherberge unweit des Hauptbahnhofs beginnt. Werden es am Ende gar zwei Jahre?

Eigentlich ist ein erster Geburtstag kein Grund für eine Riesenparty. In diesem Fall aber schon, weil Bars oder Clubs in der Zwischennutzung normalweise schnell und intensiv leben, hell erleuchten, ehe sie ruckzuck verschwinden und verglühen. Schon jetzt haben die Studio-Macher kreative Spuren hinterlassen. Das wird am frühen Abend erst mit geladenen Gästen (bei Geschäftspartnern, Lieferanten und Freunden will sich das Team bedanken), und dann für alle (es ist proppenvoll) mit DJs und Live-Jazz bis in die Morgenstunden gefeiert – sogar in den sonst verschlossenen Zirbelstuben, im einstigen Heiligtum der Stuttgarter Spitzengastronomie. In dem rundum verholzten Gastraum sorgte das Team von Paul & George aus dem Leonhardsviertel für die Drinks.

Die Barkeeper haben sich nicht nur ums Füllen von Gläsern gekümmert, sondern auch aufgepasst, dass den Zirbelstuben nichts passiert. Die Eigentümer der LBBW Immobilien, die den Amore-Leuten das Hotel anvertrauen, wollen diese besondere Einrichtung irgendwann verkaufen.

In den Zirbelstuben träumte der einstige Hotelchef Thomas Althoff von zwei Sternen für Stuttgart. Es blieb immer bei einem Stern bis zur Schließung des Hotels im Sommer 2022. Manch einer dachte, beim erneuten Anlauf nach dem Umbau des markanten Gebäudes wolle er das Zwei-Sterne-Projekt noch mal angehen. Doch inzwischen steht fest: Sein Unternehmen wird nicht zurückkehren. Die künftigen Betreiber sind die Munich Hotel Partners (MHP), hinter denen die internationale Marriott-Gruppe steht. Die Verträge sind zwar noch nicht unterschrieben, aber die Eigentümer von der LBBW signalisieren, dass nichts mehr dazwischen kommen wird. Dann können die neuen Betreiber sagen, was genau sie vorhaben mit der 1962 erbauten Luxusherberge, die 2027 neu eröffnet werden soll. Und sie können nun im Rathaus den Bauantrag stellen. Da die Bearbeitungen dort immer sehr lange dauern, ist es gut möglich, dass noch mal ein Jahr ins Land streicht – noch mal ein Jahr, in dem das Studio Amore weitermachen kann.

2027 soll das Hotel neu eröffnet werden

Die oberen Räume werden für geschlossene Gesellschaften vermietet

Weiter geht es also mit dem Barbetrieb im Amore, aber auch mit der Vermietung der oberen Räume für geschlossene Gesellschaften, für Kostümbälle der Staatsoper, für Dreharbeiten und vieles mehr.

Das Studio Gaga, das sich unter den Zirbelstuben im früheren Café befindet, läuft momentan sogar noch besser als das Studio Amore. Und wann kommt das dritte Studio, das Studio Rooftop? Auch die künftigen Betreiber planen eine Panorama-Bar. „Der Aufzug funktioniert nicht“, sagt Janusch Munkwitz, „man müsste zu Fuß die vielen Stufen nehmen.“ Dies traut er selbst der fitten Partyszene von Stuttgart nicht zu.

Munkwitz und Benzing haben sich mit ihren temporärer Bars im Hotel für weitere Projekte empfohlen. Bestimmt werden noch mehr Räume der Bank irgendwo mal leer stehen. Und dann zieht die Karawane weiter.