Nach den heftigen Abbau-Diskussionen des vergangenen Jahres blicken in der Leonberger Frauenklinik die Chefärztin Monica Diac und ihr Team optimistisch nach vorne.
In der dritten Etage des Leonberger Krankenhauses herrscht eine entspannte Atmosphäre. Zwei Schwestern grüßen eine Frau, die im Aufenthaltsbereich aus dem Fenster schaut. Die Aussicht lohnt sich. Das Klinikum ist am Stadtrand, von der einen Seite blickt man zum Engelberg, von der anderen auf die Felder.
Hier ist die Gynäkologie mit der Geburtshilfe untergebracht. Dass es so entspannt zugeht, hätte ein Jahr zuvor kaum jemand gedacht. Im Sommer 2023 kochten die Emotionen hoch. Damals hatten Landrat Roland Bernhard als Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbundes Südwest und dessen Geschäftsführer Alexander Schmidtke die Eckdaten eines neuen Medizinkonzeptes verkündet, um das 70 Millionen Euro hohe Defizit des Krankenhaus-Verbundes in den Griff zu bekommen. Zu den geplanten Einschnitten gehörten das faktische Aus des Krankenhauses in Herrenberg und das Ende der Gynäkologie in Leonberg. Dabei hatte dort die hebammengeführte Geburtshilfe erst ein knappes Jahr zuvor als hoffnungsvolles Projekt begonnen.
Der Aufschrei war groß. In beiden betroffenen Städten gingen die Hebammen und viele Mütter auf die Straße: Die Geburtsstationen seien schon jetzt hoffnungslos überlastet, die anvisierte Großgynäkologie in der künftigen Zentralklinik am Böblinger Flugfeld geriete zur „Gebärmaschine.“
Die Proteste erzielten eine gewisse Wirkung: In Herrenberg soll es künftig ein medizinisches Zentrum mit OP-Möglichkeiten geben. Das Krankenhaus Leonberg behält als Basisversorger zumindest die kommenden fünf Jahre die Gynäkologie.
Quälende Monate der Unsicherheit
Ein Kompromiss, auf dem man aufbauen kann, findet die Chefin. Monica Diac hat während der quälenden Monate der Unsicherheit und der Existenzangst ihrem Team immer Zuversicht vermittelt. „Natürlich ist man enttäuscht“, sagt die Chefärztin heute. „Aber ich habe unseren Leuten immer gesagt, dass wir das Beste draus machen. Selbst in jenen Phasen, in denen wir nicht wussten, wie lange wir noch bleiben.“
Diese Angst haben die Schwestern, Pfleger und Ärztinnen erst einmal nicht mehr. Im Gegenteil: Sie blicken mit sehr viel Elan und Zuversicht nach vorne. Erst im März ist die Leonberger Klinik nach der ersten Zertifizierung vor sieben Jahren erneut als „babyfreundliches Krankenhaus“ ausgezeichnet worden. Lediglich 100 der gut 680 Geburtskliniken in ganz Deutschland haben das Prädikat von der Weltgesundheitsorganisation WHO und Unicef. „Das Wertvolle daran ist die Methodik“, erklärt Diac. „Nicht etwa wir werden befragt, sondern die Mütter.“
Mutter und Kind bleiben zusammen
Die Kriterien, die die leitende Hebamme Cornelia Kraus nennt, sind anspruchsvoll: Das Personal bis hin zu den Anästhesisten muss komplett geschult sein. Der Hautkontakt zwischen Mutter und Kind steht nach der Geburt an vorderster Stelle. Selbst während der Untersuchungen wird er nicht unterbrochen. Die Mutter und ihr gesundes Kind bleiben Tag und Nacht zusammen und können so eine gegenseitige Beziehung aufbauen. Vom Personal gibt es bewährte Hinweise zum „entspannten Stillen“.
Es gibt Ernährungstipps. Den Eltern wird geholfen, die Signale ihrer Kinder richtig zu deuten. Auch nach dem Klinikaufenthalt, der in der Regel zwei bis drei Tage nach der Geburt endet, gibt es das Angebot der Stillcafés und Eltern-Kind-Gruppen. Der hebammengeführte Kreißsaal, so sagt Chef-Hebamme Krauß, ist ein großer Pluspunkt der Leonberger Geburtshilfe und spricht Mütter aus der ganzen Region an.
Die Geburtenzahl bewegt sich in Richtung 700, kann aber noch ansteigen. „Wir haben Kapazitäten für bis zu 900 im Jahr.“ Denn Personalprobleme gibt es in der Geburtshilfe nicht. 16 Hebammen, acht Stationsärzte, vier Oberärztinnen und die Chefärztin sind im Einsatz. „Wir sind voll besetzt“, sagt Monica Diac. „Dass wieder Ruhe eingekehrt ist, hat auch unserer Personalsituation gut getan. Dadurch haben wir bei den Hebammen eine Eins-zu-Eins-Betreuung. Das ist in Großkliniken gar nicht möglich.“
Auch mit der technischen Ausstattung ist die Chefärztin zufrieden: „Wir haben jetzt einen Laser – das ist ein enormer Fortschritt. Auch die Kreißsäle werden demnächst optimiert. Man sieht also: Wir werden nicht langsam heruntergefahren, das Gegenteil ist der Fall.“ So wird künftig auch dauerhaft ein Kinderarzt im Haus sein.
Zum Verantwortungsbereich von Monica Diac gehört nicht nur die Geburtshilfe: Stark frequentiert ist das Becken-Boden-Zentrum in Leonberg, in dem Harninkontinenz und Blasenbeschwerden behandelt werden. Hier engagiert sich auch Wolfgang Steurer, der Chefarzt der Allgemein- und Bauchchirurgie in Leonberg. Gutartige Brusterkrankungen und Myome werden ebenfalls von Diac und ihrem Team therapiert.
Sprechstunden für Erkrankungen und die Geburtshilfe: 0 71 52 / 20 26 64 01. E-Mail-Kontakt: m.knotek@klinikverbund-suedwest.de