Wenn schon die Kita nicht für alle auf hat, sollten zumindest die Gebühren erlassen werden, fordern Elternvertreter. Foto: dpa/Daniel Naupold

Mit seiner rückhaltlosen Unterstützung der Kitaschließungen hat sich der Gesamtelternbeirat der städtischen Betreuungseinrichtungen bei Eltern unbeliebt gemacht.

Stuttgart - „Entsetzen“ sei ihre erste Reaktion gewesen, als sie das Statement ihres Gesamtelternbeirates (GEB) gelesen habe, sagt eine Elternbeirätin einer städtischen Kita in Stuttgart. In dem Schreiben, das der GEB der städtischen Kindertageseinrichtungen, Horte und Schülerhäuser auf seiner Homepage veröffentlicht hatte, werden die weiter gehenden Kitaschließungen begrüßt. Natürlich gehe der Schutz der Gesundheit von Kindern, Eltern und Erziehern vor. Dennoch finde sie das Schreiben „undifferenziert“, sagt die verärgerte Elternbeirätin. Der Text gehe an der Lebensrealität vieler Kinder und Eltern vorbei. Das seelische Wohl der isolierten Kinder werde ebenso wenig thematisiert wie die Probleme von Familien mit finanziellen Einbußen oder in beengten Wohnungen.

Das Schreiben, das unter Eltern zirkuliert und diskutiert wird, war eine Reaktion auf die weitergehenden Kitaschließungen. „Diese Entscheidung begrüßt der GEB, da die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen im Kita-Alltag nicht ohne weiteres umzusetzen sind“, heißt es darin. Und weiter: „Unsere Kinder sind in dieser herausfordernden Zeit am besten in der eigenen Familie aufgehoben. Gleichzeitig ist es auch Pflicht von uns Eltern, unseren Beitrag dazu beizutragen, dass diese Pandemie abgeflacht werden kann. Da kommt das schöne Wetter sehr gelegen und . . . wir können den Frühling unter freiem Himmel genießen.“

Das klinge wie „Hohn“, findet eine Mutter

In dieser Passage finden sich viele nicht wieder. „Das klingt in Teilen wie Hohn“, schreibt eine Mutter in einem Elternchat. Mit Genuss sei nicht viel, wenn man versuche, Arbeit und Kinderbetreuung zu verbinden. Mindestens ein Kita-Elternbeirat hat eine schriftliche Reaktion an den GEB geschickt. In dem Schreiben der Einrichtung aus Heumaden wird aufgelistet, was sich die Eltern vom GEB erwarten. Unter anderem den Einsatz für finanziellen Ausgleich bei Gehaltseinbußen und „dass Kinderspielplätze unter Berücksichtigung des Abstandsgebots unter Aufsicht eines Erwachsenen wieder genutzt werden dürfen“.

Im GEB der städtischen Einrichtungen nimmt man die Kritik ernst. Die Vorsitzende Susanne Pfander betont, dass man sich mit Träger und Politik in Diskussionen befinde, um Elterninteressen zu vertreten. Das betont auch Oliver Ruhmann, Sprecher der Konferenz der Gesamtelternbeiräte (KdGEB) in Stuttgart, die alle Eltern mit Kindern in Betreuung vertritt. „Wir stehen dahinter, dass die Öffnung Schritt für Schritt erfolgen muss“, sagt Ruhmann. Zuerst müsse man Erfahrungen aus der Notfallbetreuung ab Montag sammeln. Erst dann könne man über weitere Öffnungen entscheiden.

Elternvertreter hoffen, dass das Thema in den Gemeinderat kommt

Die KdGEB setzt sich dafür ein, die Gebühren für Eltern solange zu erlassen, bis eine Regelbetreuung wieder möglich ist. Dazu hat Ruhmann am Donnerstag einen Brief an Bürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) sowie die Gemeinderatsfraktionen geschickt, in dem genau das gefordert wird. In dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es: Die Politik setze auf „das Verständnis der Eltern, ihre Kinder zu Hause zu betreuen um die Infektionsketten zu minimieren.“ Trotzdem planten Träger, die Gebühren für den Monat Mai einzuziehen. Das stoße bei Eltern auf Unverständnis. Die KdGEB befinde sich in Gesprächen mit Gemeinderatsmitgliedern, sagt Oliver Ruhmann. Er hoffe, dass das Thema möglichst bald auf die Tagesordnung des Gemeinderates kommt.

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