Die Friedhofsgebühren in Stuttgart steigen erneut. Kostendeckend sind sie aber nicht. Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski

Wasser und Abwasser, Müllabfuhr und diverse Verwaltungsgebühren: In der Landeshauptstadt dreht sich die Gebührenschraube. Aber es gibt eine überraschende Ausnahme.

Der Stuttgarter Gemeinderat hat zum Jahresende eine ganze Reihe von Gebührenerhöhungen genehmigt. Eine deutliche Steigerung ist für die Müllabfuhr vorgesehen. Beim Restmüll müssen die Stuttgarter Haushalte im Schnitt mit 6,46 Prozent höheren Kosten rechnen, beim Bioabfall mit 3,71 Prozent. Wer selbst direkt an die Abfallverbrennungsanlage in Münster anliefert, zahlt einen Aufschlag von 6,15 Prozent.

 

Tarifsteigerung treibt Kosten

Als Grund für die Steigerungen gelten vor allem die um rund vier Millionen Euro höheren Personalkosten, die auf eine Tarifsteigerung und die Einführung der Stuttgart-Zulage zurückgehen, aber auch die Verbrennungskosten bei der EnBW im Kraftwerk Münster. Diese steigen zwar nur von 158,31 auf 159,34 Euro pro Tonne, dazu kommt aber die 2024 neu eingeführte Kohlendioxid-Bepreisung, die nun 26,99 Euro pro Tonne erreicht. 2023 und 2024 lagen die Steigerungsraten beim Restmüll mit 9,5 und 12,4 Prozent noch deutlich höher. Der gängige 120-Liter-Restmüllbehälter mit Abholung alle zwei Wochen kostet künftig 291 Euro im Jahr, 240 Liter schlagen bei diesem Turnus mit 517,80 Euro zu Buche. Für den Biomüll sind 51,60 Euro (60 Liter), 100,80 Euro (120) oder 192 Euro (240 Liter, jeweils wöchentlich) im Jahr zu überweisen.

1,30 Euro pro Monat mehr für Wasser

Keinen Einfluss hat die Kommune auf den Trinkwasserpreis. Hier reicht die Energie Baden-Württemberg die Erhöhung der Vorversorger und den eigenen Aufwand nach einem bestimmten Erhöhungsschlüssel weiter. Der Kubikmeter Trinkwasser kostet vom 1. Januar an 3,522 Euro, das sind rund neun Cent mehr als bisher, der Bereitstellungspreis steigt entsprechend. Unter dem Stich ergibt sich laut EnBW für einen typischen Haushalt (150 Kubikmeter Verbrauch im Jahr) eine Mehrbelastung von 1,30 Euro pro Monat. Bei 35 Milliarden Litern, die in Stuttgart jährlich durch die Rohre fließen, ergeben sich Mehreinnahmen von rechnerisch 3,64 Millionen Euro.

Was durch die Wasserleitung ins Haus strömt, fließt über Abwasserrohre in die Kanalisation. Für das Abwasser berechnet die Stadt von 2025 an pro Kubikmeter Frischwasser 1,85 Euro (zuvor 1,79), für die Niederschlagswassergebühr sind es 73 statt 71 Cent pro Quadratmeter und Jahr.

Gebühren decken Kosten nicht

Alle zwei Jahre kalkuliert die Stadt die Bestattungsgebühren neu. Sie sind und bleiben nicht kostendeckend, lagen 2024 bei kalkulierten 66 Prozent, die Stadt zahlte damit 7,3 Millionen Euro aus Steuermitteln zu. 2025 steigen die Gebühren pauschal auf allen Friedhöfen um rund fünf Prozent. Die Gebühr für eine Erdbestattung erreicht dann 1248 (zuvor 1189) Euro. Die volle Kostendeckung wäre bei 1938 Euro erreicht. Die Gebühr für eine Urnenbeisetzung beträgt künftig 273 Euro. Die Grabnutzungsgebühr für ein Urnenreihen- und ein Urnenwahlgrab (20 Jahre Ruhezeit) erreicht 735 und 1890 Euro, die für ein Wahlgrab 2142 Euro. Ein Reihengrab kostet 987 Euro.

Es geht auch billiger

Auf 49 Seiten hat die Stadt Ende 2024 ihre Verwaltungsgebühren neu kalkuliert. Hunderte Positionen finden sich hier, von der Beglaubigung einer Unterschrift (für die von 2025 an sechs statt 2,05 Euro anfallen) über den Bescheid über die Haltung eines Kampfhundes (270 statt 242 Euro), die Gewerbeanmeldung (62 statt 59 Euro), den Kostenbescheid bei einer abgebrochenen Abschleppmaßnahme (150 statt 116 Euro) oder die Beurkundung eines Kirchenaustritts – diese wurde von 48 auf 42 Euro verbilligt. Deutlich teurer werden die von der Stadt veranschlagten Gebühren für die Gehwegreinigung in der City. Anlieger in den Fußgängerzonen zahlen pro Meter künftig 49,30 statt 39,90 Euro, im Hospital- und Leonhardsviertel 21,10 statt 17,10 und in der Klett und Rotebühlpassage 209,20 statt 192,40 Euro.