Auf einem steinernen Tisch in Höhenlage kredenzt Gerlinde Hönes den Wein. Foto: Simon Granville

Die ehemalige Erzieherin Gerlinde Hönes wird bei der CMT in Stuttgart zur Tourismusheldin 2024 ausgezeichnet. Die Gebersheimerin bringt ihren Gästen bei vielfältigen Touren durch spektakuläre Steilhänge in Rosswag den Weinbau nahe.

Gerlinde Hönes gerät bereits ins Schwärmen, wenn sie auf der Fahrt Richtung Rosswag von weitem die Weinbergterrassen erblickt. „Für mich ist das jedes Mal ein Gefühl von ankommen“, sagt die Gebersheimerin, die in diesen spektakulären Steillagen, die sich über dem etwa 1300 Einwohner zählenden Stadtteil der großen Kreisstadt Vaihingen/Enz erheben, freiberuflich als Weinerlebnisführerin arbeitet. Und das macht sie mit so großer Leidenschaft und Herzblut, dass sie auf der Tourismusmesse in Stuttgart an diesem Mittwoch zusammen mit anderen Kandidatinnen und Kandidaten zur Tourismusheldin 2024 ausgezeichnet wird. „Das ist für mich eine große Ehre und eine Bestätigung meiner Arbeit.“

 

Ein kleiner Ausflug in die steilen terrassierten Hänge bei kaltem winterlichen Schneetreiben machen deutlich, dass diese Arbeit ein Knochenjob ist. Einige Weinbauern sind bereits zwischen den Rebstöcken unterwegs. Im abschüssigen Gelände ist nicht nur Schwindelfreiheit von Vorteil, sondern auch körperliche Fitness. Der Zugang zu den Weinbergen erfolgt über kleine steinerne Treppen, die durch geschmiedete Geländer gesichert sind. „Vor einigen Jahren gab es diese noch gar nicht, da war richtig Vorsicht geboten“, sagt Hönes. Vor allem, wenn die Weinbauern und deren Helfer bei der Lese mit den gefüllten Trage-Bütten unterwegs waren. Von hier oben ist die Aussicht bei klarer Sicht herrlich. Das Lembergerland zieht sich an der Enz entlang von Mühlacker bis Markgröningen. Und selbst bei eisigem Wind, der einem um die Ohren pfeift, und Nebel sind einige Spaziergänger unterwegs und genießen die besondere Stimmung hier oben.

Mehrmals im Jahr bietet Gerlinde Hönes Touren an. Sie zeigt nicht nur die touristischen Möglichkeiten in der nahen Umgebung auf, sondern nimmt auch gerne regionale Künstler mit ins Boot oder stellt heimische kulinarische Spezialitäten vor. Der Tour-Start am vergangenen Wochenende stand unter dem Motto „Welcome 2024“. Mit einem Sektempfang startete sie vor dem Kellerei-Gebäude. Auf dem Weg durch den Weinberg – dort hatte Hönes eine Glühweinstation vorbereitet - erfuhren die Gäste Wissenswertes über das Lembergerland und die Arbeit der Weingärtner. „Auch im Winter gibt es viel in den Weinbergen zu sehen.“ Eine Weinprobe in der Vinothek inklusive netter Gespräche rundeten den Tag ab. Im April führt eine Entdeckungsreise „Wein & Stein“ zunächst in den benachbarten Steinbruch durch imposante Muschelkalkfelsen. Dieser wird im Lembergerland „Blauer Stein“ genannt und ist Namensgeber eines ganz besonderen Weines. Auf einer weiteren Tour im Mai, die unter dem Motto „Vom Pfahleisen zur Drohne“ steht, geht Gerlinde Hönes auf eine Zeitreise im Weinbau. Ein anderes Mal dreht sich alles um die Farbe Weiß – probiert wird da natürlich auch ein Weißwein.

Projektarbeit „Wengerter für ein Jahr“

Wein – und vor allem die Arbeit im Weinberg - war schon immer ein Thema, das die ehemalige Erzieherin interessierte. Und so nahm sie vor etwa zehn Jahren an dem Projekt „Wengerter für ein Jahr“ der Lembergerland-Kellerei in Rosswag teil. Hier bekam sie die Entstehung einer Flasche Wein von Anfang bis Ende hautnah mit. „Viele haben ja die Vorstellung, dass es mit der Weinlese getan ist und können sich nicht vorstellen, welche Arbeit das ganze Jahr über dahinter steckt – vor allem an den Steilhängen“, sagt Gerlinde Hönes. Die Enz, die sich an Rosswag vorbei schlängelt, hat in mehr als zwei Millionen Jahren knapp 100 Höhenmeter geschaffen.

Die Gebersheimerin war von Beginn an so begeistert bei der Sache, dass sie noch vier weitere Jahre an diesem Projekt teilnahm. Bei der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg machte sie die Ausbildung zur Weinerlebnisführerin. Sie lernte viel über Rebsorten, Flora und Fauna, die Kunst des Führens von Gruppen, Geologie und auch über Kalkulation. Sie nahm an Kellerführungen und Exkursionen teil. „Diese Ausbildung ist breit angelegt, das Thema Wein und Weinverkostung ist nur ein Baustein“, sagt Hönes. Bei Weinproben hält sie sich gern bedeckt, wenn es um die Beschreibung von Aromen geht, sie orientiert sich eher an der Farbe des Weins, an dessen Geruch und Geschmack. „Ich bin schließlich keine Sommelière.“

Weinbäuerin und Streuobstpädagogin

Nach fünf Jahren Wengerter-Projektarbeit wagte Gerlinde Hönes den nächsten Schritt und pachtete mit einer Kollegin zusammen von einem älteren Ehepaar, dem die Arbeit in diesem abschüssigen Gelände zu mühsam geworden war, einen Weinberg, den die beiden Frauen bis Ende 2023 insgesamt sieben Jahre bewirtschafteten. Bodenbearbeitung, Rebschnitt, Binden, Düngen, Laubarbeiten, Reberziehung, Schädlings- und Pilzbekämpfung bis hin zur Weinlese erledigten sie ab sofort eigenverantwortlich – natürlich bekamen sie immer wieder Unterstützung von fleißigen Helfern.

In einem Jahr waren die Trauben so gut, dass sie ihren eigenen Wein produzieren konnten. Im vergangenen Jahr gaben sie den Weinberg wieder ab. „Es hat nicht mehr gepasst“, sagt Gerlinde Hönes, die vor zwei Jahren zudem eine Ausbildung zur Streuobstpädagogin absolviert hat. Jetzt ist sie auf der Suche nach einem kleineren Weinberg, den sie allein bewirtschaften kann. Die Gebersheimerin ist nicht nur Weinerlebnisführerin aus Leidenschaft, sondern auch Weinbäuerin.

Tourismushelden 2024

Würdigung
Der Tourismus ist einer der bedeutendsten Wirtschaftsbereiche für Baden-Württemberg, hinter dem viele Menschen stecken. Um deren Arbeit und Engagement zu würdigen, werden einige stellvertretend für die anderen Kolleginnen und Kollegen bei der CMT Urlaubsmesse in Stuttgart zu „Tourismushelden Baden-Württemberg 2024“ ausgezeichnet.

Initiatoren
Dahinter stecken das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, die Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg, die Industrie- und Handelskammern Baden-Württemberg sowie die Messe Stuttgart als Veranstalterin der CMT.