Bei einem Feuer in der Innenstadt von Backnang im Rems-Murr-Kreis sind in der Nacht zum Sonntag mehrere Menschen ums Leben gekommen. Foto: www.7aktuell.de | Oskar Eyb (103 Fotos)

Die Zahl der Toten nach einem Feuer in der Innenstadt von Backnang (Rems-Murr-Kreis) in der Nacht zum Sonntag ist auf acht gestiegen. Bei den Opfern handelt es sich um eine Frau und sieben ihrer zehn Kinder. Brandstiftung schließt die Polizei aus. Vermutlich hat ein Ofen das verheerende Feuer ausgelöst.  

Backnang - Die Zahl der Toten nach einem Feuer in der Innenstadt von Backnang (Rems-Murr-Kreis) in der Nacht zum Sonntag ist auf acht gestiegen. Unter den Opfern sind sieben Kinder. Das teilte die Waiblinger Polizei mit. Zunächst waren sieben Tote geborgen worden. Am Mittag fanden die Einsatzkräfte unter den Trümmern die Leiche eines weiteren Kindes.

Bei den Opfern handle es sich nach ersten Erkenntnissen um eine 40 Jahre alte türkische Frau und sieben ihrer zehn Kinder im Alter von sechs Monaten bis 16 Jahren.

Gegen 4.30 Uhr sei das Feuer in einer Wohnung im ersten Stock des Gebäudekomplexes in der Wilhelmstraße ausgebrochen. Die Flammen griffen schnell auf die darüberliegende Etage über. Als die Feuerwehr eintraf, schlugen die Flammen schon aus den Fenstern.

Drei Menschen können gerettet werden

Drei Menschen - vermutlich ein elf Jahre alter Junge, dessen Onkel und Großmutter - konnten die Einsatzkräfte von einer Art Balkon retten. Sie kamen in Krankenhäuser. Retter betreuten rund 50 Familienangehörige und Bekannte. „Ich hoffe nicht, dass wir weitere Personen finden“, sagte ein Polizeisprecher. Der Vater der Kinder war laut Polizei zum Zeitpunkt des Unglücks nicht zu Hause. 13 Menschen waren in den beiden hauptsächlich betroffenen Wohnungen gemeldet.

Wegen der komplizierten Bauweise und viel verarbeitetem Holz seien die Löscharbeiten kompliziert gewesen, erläuterte der Feuerwehrsprecher. Im Untergeschoss der Anlage mussten zwei Gaststätten evakuiert werden, die bei Ausbruch des Feuers noch gut besucht waren.

Die Feuerwehr hatte Unterstützung aus umliegenden Städten angefordert. Insgesamt waren mehr als 100 Einsatzkräfte vor Ort. Erst am Vormittag waren auch die letzten Glutnester gelöscht. Den Angaben nach liegt der Sachschaden mindestens im sechsstelligen Bereich.

Keine Hinweise auf Brandstiftung

Warum es zu dem verheerenden Feuer kam, sollen jetzt Sachverständige der Kriminalpolizei klären. Möglicherweise könnte ein defekter Holzofen den Brand verursacht haben. Im Erdgeschoss der ehemaligen Lederfabrik ist ein deutsch-türkischer Kulturverein untergebracht. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Anschlag oder Brandstiftung.

Der Oberbürgermeister der 36.000 Einwohner zählenden Großen Kreisstadt Backnang, Frank Nopper (CDU), sprach von einem „tragischen Brandereignis“. Er betonte: „Unsere tief empfundene Anteilnahme gilt allen Angehörigen.“

Der türkische Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslioglu, kam mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zum Unglücksort. Der Regierungschef sagte: "Wir sind sehr betroffen und erschüttert angesichts dieser Katastrophe, die diese große Familie und unser Land heimgesucht hat. Ich will allen Angehörigen und der ganzen türkischen Gemeinde mein herzliches Beilied auch im Namen der baden-württembergischen Landesregierung und des baden-württembergischen Volkes aussprechen". Die Tragödie erinnere ihn an den Brand in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt, bei dem Ende November 14 Menschen gestorben waren.

Ankara fordert Aufklärung

Die Regierung in Ankara forderte eine vollständige Untersuchung. Die Türkei sei in Trauer, schrieb der türkische Vizeregierungschef Bekir Bozdag über den Kurznachrichtendienst Twitter. "Von Deutschland erwarten wir, den wahren Grund des Brandes ohne Platz für Zweifel aufzuklären und der Öffentlichkeit mitzuteilen", twitterte Bozdag.

Es ist der zweite schwere Brand in der Region Stuttgart am Wochenende. In der Nacht zum Samstag brannte in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) eine Betriebshalle eines Dentalprodukte-Unternehmens komplett ab. Hier blieb es aber glücklicherweise bei Sachschaden, Menschen wurden nicht verletzt.

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