Ricarda Louk zeigt ein Foto ihrer durch die Hamas entführten Tochter Shani Louk. Foto: Christoph Soeder/dpa

Shani Louk wollte am 7. Oktober mit anderen jungen Menschen tanzen und feiern - dann kam der Terrorangriff der Hamas. Nun wurde ihre Leiche im Gazastreifen gefunden.

Tel Aviv - Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge im Gazastreifen die Leiche der Deutsch-Israelin Shani Louk gefunden. Das teilte Armeesprecher Daniel Hagari mit. Louk war am 7. Oktober beim Terrorangriff der Hamas in den Küstenstreifen verschleppt und später für tot erklärt worden. Zum Zeitpunkt des beispiellosen Angriffs war sie zusammen mit Hunderten anderen jungen Menschen auf dem Supernova-Festival in Südisrael gewesen.

Neben Louk wurden dem Armeesprecher zufolge zwei weitere Leichen von Festivalbesuchern gefunden. Alle drei seien auf dem Festival ermordet worden, teilte Hagari weiter mit. Ihre Leichen wurden demnach in der Nacht bei einem Sondereinsatz der Armee und des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet im Gazastreifen geborgen. Es habe sich um einen Einsatz auf Basis von Geheimdienstinformationen gehandelt. Nach der Identifizierung der Toten seien die Familien informiert worden. "Wir werden weiterkämpfen, um die Geiseln nach Hause zu holen", sagte Hagari. Nähere Angaben zum Fundort der Leichen machte er nicht.

Vater: "Es hat sich ein Kreis geschlossen"

Der Vater von Shani, Nissim Louk, sagte dem TV-Sender Channel 13, die Familie sei am Morgen informiert worden. Die Leiche sei in einem tiefen und kühlen Tunnel im Norden des Gazastreifens gefunden worden und sei in gutem Zustand gewesen. Es sei ein "Geschenk", dass sie nun Gewissheit hätten und dass ihre Tochter friedlich beigesetzt werden könne, sagte Louk. "Es wird einen Ort geben, wo man einen Kranz niederlegen kann, vielleicht etwas zu ihrer Erinnerung bauen kann", meinte er. Es hat sich ein Kreis geschlossen", meinte er. "In ihrem Leben hat Shani Licht ausgestrahlt", sagte er über seine Tochter, die nur 22 Jahre alt wurde.

Sie hätten schon vorher keine Hoffnung mehr gehabt, dass Shani noch am Leben sein könnte, sagte der Vater. Die israelische Armee hatte bereits Ende Oktober über den Tod Louks informiert, über das Schicksal der anderen zwei Geiseln hingegen hatte Ungewissheit geherrscht.

Ihre Mutter Ricarda Louk sagte damals, man habe einen Splitter eines Schädelknochens gefunden und damit eine DNA-Probe gemacht. Wenn man an diesem inneren Schädelknochen verletzt sei, könne man nicht mehr leben, sagte die Mutter damals. Das erforderliche DNA-Vergleichsmaterial hätten die Eltern den Behörden schon vor längerer Zeit zur Verfügung gestellt. Ein Teil der Familie lebt in Baden-Württemberg.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu schrieb auf der Plattform X: "Das Herz bricht wegen des großen Verlustes. Meine Frau Sara und ich trauern mit den Familien." Er versprach, alle Geiseln - tot oder lebendig - zurückzubringen.

Geiseln schnellstmöglich zurückbringen

In einer Stellungnahme des Forums der Angehörigen der nunmehr 129 Geiseln im Gazastreifen hieß es, die Familien hätten "in tiefer Trauer und mit gebrochenem Herzen" die Mitteilung des Armeesprechers gehört. Shani Louk, Amit Buskila und Itzik Gelernter seien "brutal getötet worden, als sie tanzten und das Leben feierten." Alle Geiseln müssten schnellstmöglich zurückgebracht werden - "die Lebenden zur Heilung, die Ermordeten zu einem würdigen Begräbnis."

Bilder und Videos, die nach dem Terrorangriff im Internet kursierten, zeigten den Körper der jungen Frau auf einem Pick-up der Angreifer. Ihre Familie hatte die junge Frau nach eigenen Angaben auf den Aufnahmen erkannt und sich schon kurz darauf mit der Bitte um Hilfe an die Öffentlichkeit gewandt. Zunächst ging Shani Louks Familie davon aus, dass die junge Frau bei dem Überfall schwer am Kopf verletzt worden, aber am Leben sei und sich im Gazastreifen befinde.

Das beispiellose Massaker der Hamas und anderer islamistischer Gruppen in Israel am 7. Oktober 2023 war der Auslöser des Gaza-Krieges. In mehreren Kibbuzim, auf zwei Festivals und bei Angriffen auf Armeeposten wurden rund 1200 Menschen grausam getötet und 250 weitere als Geiseln genommen. Unklar ist, wie viele der Geiseln noch leben. Erst am Donnerstag waren die Leichen von zwei ebenfalls am 7. Oktober ermordeten thailändischen Landarbeitern geborgen worden.