Auch Marco Goecke, eben zum Choreografen des Jahres gekürt, ist bei „Swan Lakes“ dabei. Sein Tanzstück „Shara Nur“ ist Teil der Aufzeichnung aus dem Theaterhaus, die nun bei 3sat zu sehen ist. Foto: Jeanette Bak/JB

Eric Gauthier und seine Tänzer haben eine arbeitsintensive Saison hinter sich – und auch in der neuen viel vor. Das Warten auf die ersten Auftritte verkürzt nun ein Live-Mitschnitt.

Stuttgart - Eric Gauthier und seine Tänzer haben eine besondere Saison hinter sich. Statt sich von der Coronapandemie ausbremsen zu lassen, gab Gauthier Dance Gas und stemmte mit sechs Neuproduktionen mehr Premieren denn je. Mit ähnlichem Tempo starten Gauthier und seine Tänzer in die neue Spielzeit, der Probenbetrieb beginnt am 13. September. Bereits eine Woche später gibt der Kompaniechef sein Debüt am Berliner Friedrich-Stadt-Palast, wo er als einer von sieben Choreografen (unter ihnen auch Douglas Lee und Ohad Naharin) die neue Show „Arise“ bewegt.

 

Für Gauthiers Ensemble beginnt die aktuelle, hoffentlich wieder normalere Saison 2021/22 im Ausland – und zwar mit Auftritten am 2. und 3. Oktober beim Festival Dance Inversion in Moskau. Eric Gauthier wird einige Zeit vor seinen Tänzern vor Ort sein: Mit dem SWR will er endlich die Arbeit an der durch die Coronapandemie unterbrochenen Doku-Serie „Dance Around the World“ fortsetzen; bislang konnte er nur die erste Folge drehen, für die er unter Begleitung von Nadav Zelner Tel Aviv erkundete. Gauthiers Guides durch die Tanzszene von St. Petersburg und Moskau werden die Ballettstars Diana Vishneva und Sergei Polunin sein.

Volle Aufmerksamkeit für Marco Goecke

Daheim startet Gauthier Dance live erst am 7. Oktober in die neue Saison – bis zum 10. Oktober stehen dann vier Vorstellungen von „The Dying Swans Live Experience“ auf dem Programm, einem Mix aus Tanz und Film. Wer sich die Wartezeit verkürzen will, kann das mit einer Aufzeichnung der jüngsten Gauthier-Premiere „Swan Lakes“ tun, die 3sat an diesem Samstag erstmals ausstrahlt.

Mit dabei unter den Choreografen, die Eric Gauthier um eine Neuinterpretation des Ballettklassikers gebeten hatte, ist Marco Goecke. Die enge Zusammenarbeit mit ihm hat sich gerade auch in der Krise bewährt. Der Haus-Choreograf von Gauthier Dance, Artist-in-Residence heißt das auf dem Pragsattel, konnte so flexibel auf die strengen Abstandsregeln reagieren, dass Gauthier Dance bei der kurzzeitigen Rückkehr der Live-Kultur im Oktober mit einer veritablen Uraufführung punkten konnte. „Lieben Sie Gershwin?“ hatte damals die volle Aufmerksamkeit – und war mit ein Grund dafür, dass die von der Fachzeitschrift „tanz“ befragten Kritiker Goecke zum Choreografen des Jahres kürten.

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Vom Glanz fällt nun auch etwas auf Gauthier Dance zurück, wie die „Swan Lakes“ zeigen: „Shara Nur“ heißt Goeckes sehenswerter Beitrag, den die 3sat-Aufzeichnung neben Cayetano Sotos „Untiteld for 7 Dancers“ und Hofesh Shechters „Swan Cake“ bietet. Das Tanzstück von Marie Chouinard, bei der Premiere im Juni die einzige Frau im Choreografen-Quartett, ist leider nicht dabei: Nach einer Zeit mit vielen Live-Streams und digitalen Formaten will die Kanadierin ihr Stück „Le chant du cygne: le lac“ zunächst ausschließlich auf der Bühne sehen.

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Wem es genauso geht, der kann Eric Gauthiers Tänzer in „Swan Lakes“ vom 21. Oktober an live im Theaterhaus erleben. Bis zum 24. Oktober sind insgesamt vier Vorstellungen geplant. Auf Tour zeigt die Theaterhaus-Kompanie die Produktion Ende Oktober in Luxemburg.

Info

TV
„Swan Lakes“ an diesem Samstag, 28. August, 21 Uhr auf 3sat; in der Mediathek verfügbar bis zum 26. November

Bühne
21. bis 24. Oktober im Theaterhaus

Ensemble
Neu bei Gauthier Dance sind Joaquin Angelucci, Jonathan Reimann und Gaetano Signorelli. Die drei kommen für Alessio Marchini, Jonathan dos Santos und Theophilus Veselý.