Lebt den Traum von einer Burger-Kette: Joshi Haas testet in der Waiblinger Innenstadt, wie seine Kreationen ankommen. Foto: Sascha Schmierer

Joshi Haas lief für renommierte Designer über den Laufsteg und wurde in Fernost zum Topmodel. Mit Jean-Claude Van Damme war er im Kino zu sehen – jetzt brät er Burger in Waiblingen.

Es gab Zeiten, da war sein Konterfei von Hongkong bis Singapur auf jeder zweiten Plakatwand zu sehen. Werbung für exklusive Designerklamotten und zuckerfreie Erfrischungslimonade, für seidig-weiche Haarpflegeprodukte und mobile Surfsticks. „Es ist schon krass, wenn man durch Bangkok läuft und überall ist die eigene Visage drauf“, erinnert sich Joshi Haas an die Jahre, in denen er als Model auf der Erfolgswelle ritt, im Nachtleben die Korken knallen ließ und Pool-Partys für bis zu 300 Gäste schmiss.

 

Die glamouröse Welt des Glitzers allerdings liegt lange hinter Joshi Haas. Jetzt steht er bei sechs Grad über Null in einem Imbisswagen in der Waiblinger Innenstadt, bastelt Burger-Bratlinge auf Brioche-Brötchen und plauscht zwischen Rotkraut und Röstzwiebeln mit seinen Gästen. „Der Red-Velvet-Burger ist wirklich gut. Aber empfehlen würde ich Ihnen den Mississippi Onion Crisp. Das haben Sie so noch nie gegessen“, schwärmt er von seiner Kreation.

Nach Glamour und Glitzer träumt Joshi Haas von einer eigenen Burger-Kette

Seit gut zehn Monaten hat der Mann mit den munteren braunen Augen den Wagen am Rand des kleinen Parkplatzes an der Fronackerstraße stehen. Der Standort im Zentrum ist gut, an Laufkundschaft mangelt es in Sichtweite zu den Einkaufswelten, Ärztehäusern, Banken und Behörden rund um den Waiblinger Postplatz nicht. Für gut gemachtes Fastfood könnte der Ort nicht passender sein – trotz aller Konkurrenz im Umfeld.

Wenn man so will, hat Joshi Haas den Platz geerbt, den Central-Apotheker Patrick Pfeifer früher an Dr. Food und seine Falafel-Bowls verpachtet hatte. Statt vegetarischer Kichererbsen-Paste und Süßkartoffel-Stäbchen gibt es jetzt allerdings Rinder-Hack und Pommes, wahlweise mit Chilli oder Cheese. Geöffnet ist unter der Woche stets von 12 bis 20 Uhr, am Samstag steht Haas von 11 bis 14 Uhr am Grill. „Whoohoo’s“ hat der mit Frau und drei Kindern in Korb lebende Weltenbummler sein gastronomisches Eigenprojekt betitelt.

Das klingt wie eine Fastfood-Kette, ist aber – zumindest bisher – noch keine. Der Imbisswagen ist ein Testlauf für ein kulinarisches Angebot, das viele Ableger bekommen soll. „Mein Plan ist, ein Franchise-Konzept draus zu machen – ähnlich wie McDonald’s, aber eben frisch“, sagt Joshi Haas, der 47 Jahre alt ist, mit seinem Lausbuben-Charme aber auch für Mitte 30 durchgehen könnte.

Der Unternehmergeist des Burger-Braters passt zum Auf und Ab einer bewegten Karriere – und zum Wagemut, sich auch auf fremdem Terrain zu behaupten. Als Model spielte Joshi Haas, der Halb-Japaner aus der schwäbischen Provinz, zumindest in Fernost in der Top-Liga mit. Die Werbeagenturen rissen sich um den smarten jungen Mann mit dem athletischen Body, ein Fotoshooting jagte das nächste.

Für Jean Paul Gaultier stolzierte er über die Laufstege von Mailand und Paris, für Levis-Jeans hielt er seine Bilderbuch-Bauchmuskeln für eine Plakatkampagne in die Kamera. Doch so richtig ins Rollen kam die Model-Karriere in Thailand. Der Sohn eines deutschen Kaufmanns und einer japanischen Primaballerina war als Beauty-Darsteller so gefragt, dass sogar die Filmbranche auf ihn aufmerksam wurde.

In dem 2008 auf die Leinwand gekommenen Streifen „The Eagle Path“ ist Kampfsport-Kraftprotz Jean-Claude Van Damme als Haudrauf in der Hauptrolle zu sehen. Der schöne Joshi durfte die rechte Hand des Film-Bösewichts mimen – und schwebte über die roten Teppiche wie zuvor über die Catwalks der Modewelt.

Partys, Pillen, Pulver und schlechte Freunde

Vielleicht aber war der Aufstieg zum Filmstar auch der Knacks, der die Glitzerwelt endgültig ins Wanken brachte. Mit den Partys kamen Pulver und Pillen, mit dem Erfolg schlechte Freunde und halbseidene Bekanntschaften. Der Absturz war jäh: 2011 kam Joshi Haas nach acht Jahren Thailand wieder nach Deutschland zurück – mit einer kleinen Tasche voll Klamotten und ohne einen Cent in der Designerhose.

„Ich hatte alles – und habe alles verloren“, sagt der Neu-Gastronom über das Ende seiner Model-Karriere. Als er seine Frau kennenlernte und die erste Tochter unterwegs war, schlug er sich als Hotdog-Verkäufer durch, nach der Geburt der Zwillinge musste die kleine Familie vor dem Waiblinger Tafelladen anstehen, um halbwegs über die Runden zu kommen. Es folgten Jobs in der Gastronomie. Bevor Joshi Haas zum Betriebsleiter einer Hans-im-Glück-Filiale aufstieg, stand er sieben Jahre lang am Grill des Stuttgarter Retro-Clubs Schankstelle.

Doch schon in der Corona-Pandemie zeigte sich, dass der schöne Joshi auch ein Händchen fürs Business hat. „Schatz, das können wir auch selbst machen“, sagte er nach einem Tag als Wattestäbchen-Helfer zu seiner Frau Nawel – und hatte wenig später fast ein Dutzend Schnelltest-Zelte am Start, unter anderem beim Stuttgarter Perkins Park.

Ehefrau Nawel Haas ist aus der Schräglage und dem Oscho bekannt

Übrigens ist Ehefrau Nawel Haas in der Stuttgarter Gastro-Szene ohnehin ein Begriff: Gemeinsam mit Geschäftspartner Armen Shala hat sie sich nicht nur im Club Schräglage einen Namen gemacht, sondern auch das im Frühjahr 2024 am Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz eröffnete Café Oscho aufgebaut – für die Landeshauptstadt so etwas wie ein kleiner Place-to-be.

Doch zurück zum Burger in der Waiblinger Stadtmitte: Ich folge der Empfehlung des Patty-Fachmanns und teste den Mississipi Onion Crisp, der mit einer cremig-süßlichen Barbecue-Sauce und frittierten Zwiebelringen im Papiertütchen über den Tresen wandert und mit 7,90 Euro seinen Preis auch durchaus wert ist.

Mit einem vergleichsweise kleinen Brioche-Brötchen und 100 Gramm Rinderhack spielt der „Whoohoo’s-Burger“ größentechnisch allerdings klar in einer anderen Liga als die Doppel-Whoppers dieser Welt – für drei Euro Aufpreis legt Joshi Haas aber gern ein zweites Patty mit auf den Grill.

Auffällig auch, dass der Burgerketten-Gründer in spe auf Schnickschnack wie Gurke, Tomate oder ein Salatblatt konsequent verzichtet. Fleisch, Brötchen und Sauce reichen ihm, die Onion Rings für den Crush wirken fast schon als Extravaganz.

Dieses „Keep it simple“-Prinzip führt nicht nur dazu, dass man die Burger in der Waiblinger Stadtmitte auch wirklich ohne komplett ausgehängten Kiefer aus der Hand essen kann. Der Mut zum Verzicht wirkt auch wie ein Vorgriff aufs geplante Franchise-Konzept. „Meine Kombis sollen kompakt sein, einfach – und total anders“, sagt Joshi Haas über seine Grundidee.

Geschmacklich jedenfalls kann sich der „Whoohoo’s“-Burger als kleiner Happen zwischendurch sehen lassen. Er schmeckt – einfach, aber gut. Weil ich schon mal da bin und das Ärztehaus ja nur um die Ecke liegt, schiebe ich deshalb noch einen klassischen Hamburger nach, ohne Käse, dafür in der Red-Velvet-Version (6,90 Euro).

Auf der Speisekarte sollen bald „Bacon King“ und „Trüffel Royal“ stehen

Dahinter verbirgt sich ein Burger mit einer Handvoll Rotkraut auf einem Sour-Creme-Dip. Und das entpuppt sich wegen weniger Süße und mehr zwiebliger Frische als mein persönlicher Test-Favorit. Vegetarische und vegane Alternativen sind übrigens vorhanden. Und althergebrachte Hotdogs mit lecker Röstzwiebeln gibt es auch.

Burger-Brater Haas übrigens will mit einem „Bacon King“ und einem „Trüffel Royal“ auf der Speisekarte demnächst nachlegen – und lässt sich nicht entlocken, wie schnell er sein Franchise-Konzept breit ausrollen will. „Ich lasse mich nicht mehr von Erwartungen ruinieren“, sagt das Ex-Model mit dem bewegten Leben. Wer Joshi Haas und seine Geschichte kennt, kann den Satz vermutlich nachvollziehen.