Der Pavillon des Restaurants ist baurechtlich nicht zulässig, sagt die Stadt. Bisher ist er lediglich geduldet worden. Foto: Lg/Max Kovalenko

Das griechische Restaurant ist eine Institution in Stuttgart-Vaihingen. Doch immer wieder gibt es Ärger wegen des Außenbereichs. Zuletzt hieß es, dass der Pavillon nur noch bis Ende August genutzt werden darf. Nun melden sich Lokalpolitiker zu Wort.

Vaihingen - Es muss Klarheit her, fordern die Vaihinger Bezirksbeiräte. Denn was genau der Bebauungsplan für das Gebiet am Wallgraben erlaube und warum der Pavillon des griechischen Restaurants Ilysia so lange geduldet worden sei, nun aber doch weg soll, leuchte nicht so ganz ein. Auch und gerade jetzt in der Corona-Krise, in der sich Gastronomen ohnehin schwertun.

Es sei nicht klar, was im Bebauungsplan stehe und weshalb das Restaurant die Vorschriften mit dem Pavillon nicht erfüllen könne. „Wir wollen eine ausführliche Erläuterung“, sagt Christian Spindler, der für die Stadtisten in der Fraktionsgemeinschaft Puls im Bezirksbeirat sitzt. Puls, Freie Wähler und FDP waren einem Aufruf von Matthias Filbinger, dem Vorsitzenden des Bunds der Selbständigen (BDS) gefolgt und haben einen Antrag zum Ilysia am Wallgraben eingebracht. Sie wollen einen zeitnahen Bericht des Baurechtsamts und des Stadtplanungsamts. Die Antragsteller wollen wissen, wie der Stand der Dinge ist und „welche genehmigungsfähigen Lösungen“ die Verwaltung für den Außenbereich vorschlägt. Auch die Frage, ob Bebauungsplanänderungen für das Gebiet rund um den Wallgraben geplant sind, wollen die Politiker beantwortet haben. Zudem fordern sie Informationen darüber, warum die Nutzung des Außenbereichs untersagt werde, ob etwa Bedenken zum Thema Brandschutz oder der Sicherheit der Anwohner vorliegen.

Den Wirten droht der Entzug der Konzession

Die Stadt kritisiert seit einiger Zeit, dass der Pavillon nicht zulässig sei. Bisher wurde er lediglich geduldet. Im Mai nun forderte das Baurechtsamt die Betreiber auf, den Pavillon nicht weiter zu nutzen. Bei Missachtung der Anordnung drohe der Entzug der Konzession. Baubürgermeister Peter Pätzold brachte sich in die Diskussion ein und sicherte zu, dass die Wirtsfamilie den Außenbereich bis Ende August bewirten dürfe. Der Pavillon sei aber baurechtlich nicht zulässig, seit 2015 gebe es eine Rückbauanordnung.

Christian Spindler hat Verständnis für die Vorschriften der Stadt und sagt: „Wir wollen uns nicht auf eine Seite schlagen.“ Michael Mehling (FDP) sieht das ähnlich. Das Vorgehen der Stadt, warum der Pavillon aber gerade jetzt geschlossen und abgebaut werden soll, sei aber „schwer zu verstehen“.

Solange dem Bezirksbeirat kaum Informationen zu den Rahmenbedingungen vorliegen, sei die Abrissverfügung auszusetzen. „Wir fordern, dass der Pavillon so lange genutzt werden darf, bis wir Infos zum Stand der Dinge haben“, sagt Spindler. Es gelte, eine „saubere und einvernehmliche Lösung“ für alle Parteien zu finden, ergänzt Mehling.

Schließung wäre ein „Schritt in die falsche Richtung“

Das Ilysia gehöre seit vielen Jahren zu Vaihingen und werde sowohl in den Abendstunden als auch für den Mittagstisch stark genutzt, schreiben die Antragsteller. Nicht nur Anwohner, sondern auch Bürger aus den umliegenden Stadtteilen zählten zu den Gästen. Spindler wohnt selbst nahe des Restaurants, Beschwerden seitens der Anwohner – beispielsweise über den Lärm der Gäste im Außenbereich – seien ihm keine bekannt. In den Stadtteilen Höhenrand und Wallgraben-West sowie dem angrenzenden Synergiepark seien Nahversorgungsmöglichkeiten rar, heißt es im Antrag.

Und gerade jetzt in der Corona-Krise sei der Abhol- und Lieferservice des Ilysia sehr beliebt. Es gelte daher, „kurzfristig eine vertragliche Lösung für dieses Vaihinger Restaurant“ zu finden. „Die Schließung der Außengastronomie wäre ein Schritt in die falsche Richtung“, sagt Spindler. Für viele Betriebe würden Ausnahmen gefunden, damit sie einen Außenbereich bewirten könnten. Deswegen sei es unverständlich, dass das Ilysia gerade jetzt seinen Pavillon schließen soll. „Die Gastronomie hat es in Corona-Zeiten schwer genug“, sagt Mehling. Er hofft auf ein Entgegenkommen der Stadt und auf einen Aufschub für das Ilysia.

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