Milan Maletic ist nicht nur Friseur, sondern auch Koch. Weil er wieder Gäste bewirten will, lässt er jeden Freitag seinen Salon grundreinigen – und macht ein Lokal daraus.
Unter der Woche deutet nichts auf das Lokal hin – nur die Tische auf der Terrasse lassen erahnen, dass hier getafelt werden könnte. Drei in der Höhe verstellbare Stühle stehen in dem Geschäft, daneben die Rollwagen mit Bürsten, Föhn, Kamm und Schere, große Spiegel hängen an der Wand. Seit fast zehn Jahren schneidet und färbt Milan Maletic in Ostfildern die Haare seiner Kunden. Dass der Friseur noch einen zweiten Beruf hat, zeigt er seit Anfang Mai: Jedes Wochenende verwandelt sich der Salon in ein Lokal. Freitagabends werden die Friseurstühle weggeräumt, ein Putztrupp reinigt die Fläche, danach schleppt Milan Maletic die Stühle aus dem Keller. „Ich liebe es, Menschen zu bewirten“, sagt er. Als 16-Jähriger ging er auf die Burg Ravensburg bei Sulzfeld, um Koch zu lernen, nun setzt er sein Wissen wieder ein – im eigenen Lokal.
Ostfildern genehmigt die Gastronomie im Salon
„Jetzt habe ich mich getraut“, sagt Milan Maletic. Terravacchia heißt sein Brunchcafé, in dem er am Wochenende und an Feiertagen kalte Platten mit Antipasti, Wurst und Käse aus Italien sowie ein wechselndes Tagesgericht serviert. Eine Nutzungsänderung machte die Verwandlung seines Salons in ein Lokal möglich. Einen Architekten engagierte Milan Maletic dafür, beim Gesundheitsamt informierte er sich ausführlich. Ein Jahr und sieben Monate dauerte die Bearbeitung bei der Stadt Ostfildern. Im Keller befindet sich die Vorbereitungsküche, abgetrennt vom Friseurgeschäft, nur deshalb sei die Kombination möglich, erklärt der Friseur. Die Waschbecken zum Haarewaschen stehen außerdem in einem separaten Zimmer. Eine Auflage ist, dass er nicht frittieren darf.
Da „Prosecco für die Damen“ beim Friseurbesuch zum Standard gehört, ist der Schritt in die Gastronomie nicht so groß, wie er scheint. Seinen Empfangstresen hat Milan Maletic jedenfalls längst zur Bar mit Kühlfächern umgebaut, eine große Siebträgermaschine gehörte auch von Anfang an zur Einrichtung des Salons. Schon als er nach Kemnat zog, wollte er ein Café eröffnen. Doch Freunde und Familie rieten ab, „bleib bei dem, was du hast und kannst“, sagten sie. Nach der Kochlehre hatte Milan Maletic noch in Brenners Parkhotel und anderen Restaurants gearbeitet, weil er aber die Freude an der gehobenen Gastronomie verlor, sattelte er um: Kreativ sollte auch der neue Beruf sein, weshalb er sich für Friseur entschied. Im Alter von 24 Jahren machte sich Milan Maletic gleich selbstständig, zunächst bei Heilbronn, dann verschlug es ihn der Liebe wegen nach Stuttgart.
„Ich liebe meinen Beruf“, stellt der 40-Jährige klar, aber zum kompletten Glück fehlte ihm eben die Gastronomie – und in Ostfildern seiner Meinung nach ein Treffpunkt. Italienisches Flair will er in seinem Lokal bieten, seine „bessere Hälfte“ stammt aus Kalabrien. Von dessen Familie würden rund um Stuttgart mehrere Lokale betrieben, bei der Cousine in Echterdingen hat er ausgeholfen. Mortadella, Salami und Trüffel erhält er direkt vom Stiefel. Montags bis freitags werden bei Milan Hairstyle Haare geschnitten, samstags, sonntags und an Feiertagen Brunch serviert. Von 9 bis 17 Uhr ist sein Café geöffnet. Etwa 25 Personen passen an die sieben Tische in seinem Salon, vor dem Geschäft stehen ebenfalls ein halbes Dutzend Tische. Der Chef macht künftig montags Pause und arbeitet die restlichen Tage durch: „Von nichts kommt nichts“, sagt er.