Carlo Caliendo eröffnet am Solitudeplatz ein zweites Quindici. Foto: Simon Granville

Das Quindici bekommt eine zweite Filiale am Solitudeplatz in Ludwigsburg. Ein italienisches Restaurant mit festlicher Atmosphäre am Problemplatz der Stadt – funktioniert das?

Als Carlo Caliendo gefragt wurde, ob er am Solitudeplatz einen zweiten Standort seines Restaurants Quindici eröffnen möchte, war seine Antwort erst einmal zurückhaltend. Der Platz hat in der Stadt seinen Ruf. Anwohner hatten sich in den vergangenen Monaten zu Wort gemeldet und von Drogendeals, Vandalismus und Vermüllung berichtet. Die Stadt reagierte mit erhöhter Polizeipräsenz und einem Bespielungskonzept.

 

Carlo Caliendo habe dann noch einmal darüber nachgedacht. Es gab schon Restaurants, die gut liefen, am Solitudeplatz. Der Standort hat Potenzial – allein wegen des Mittagstischs, den man anbieten könnte. Die Entscheidung fiel: Voraussichtlich im Januar eröffnet das zweite Quindici in den ehemaligen Räumlichkeiten des Clubs Fips.

Im Januar haben er und Bülent Düzgün in Oßweil kurz vor dem Ortsausgangsschild das Quindici eröffnet. Ein bodenständiges Lokal mit karierten Tischdecken und Pizza aus einem neapolitanischen Kuppelofen, der bis zu 510 Grad heiß wird. In den ersten Wochen haben sie die Gäste überrannt. Die meisten kamen für die Pizza und frittierte Reisbällchen, manche für Partner und Ex-VfB-Spieler Arthur Boka. Heute hat sich das Besucheraufkommen eingependelt.

Mittagstisch am Solitudeplatz: Caliendo setzt auf Firmenkunden

Wie in Oßweil soll es am Solitudeplatz eine gläserne Pizzeria geben. Die Gäste sollen sehen, wie das zubereitet wird, was bei ihnen auf dem Teller landet. Gleichzeitig denken Carlo Caliendo und Bülent Düzgün bei ihrer zweiten Eröffnung etwas größer. Stichwort generationsübergreifend. Mittags soll es Schülerangebote geben, einmal im Monat wird ein DJ auflegen und gleichzeitig sollen es sich Senioren bei einem Espresso und Tiramisu gut gehen lassen. „Von klassischen italienischen Konzepten gibt es in Ludwigsburg viele“, sagt Caliendo. „Wenn wir uns nicht verändern und nicht flexibel auf die Wünsche unserer Gäste reagieren, verlieren wir den Anschluss.“ Die Atmosphäre soll etwas festlicher sein als in Oßweil.  

80 bis 100 Sitzplätze hat die zweite Filiale drinnen, 100 bis 150 draußen. Caliendo hat aus dem Standort in Oßweil gelernt: etwas mehr Platz, keine Doppelbelegungen mehr. „Heute weiß ich: Essen gehen muss ein Erlebnis bleiben. Du kannst die Gäste nicht um 20 Uhr bitten, zu gehen“, sagt er. „Wir wollen, dass Menschen Zeit haben, sich wohlfühlen und gern länger bleiben.“ Fördern will er das auch mit einer größeren Speise- und Getränkekarte. Zusätzlich zum klassischen Restaurantbetrieb sollen Hochzeiten und Feste möglich sein. Die erste Stunde Parken im Parkhaus übernimmt das Quindici.

Quindici in Oßweil bekommt Lieferdienst

Der große Vorteil am Solitudeplatz ist für Caliendo der Mittagstisch, von dem er sich viel verspricht. In der näheren Umgebung sind einige Unternehmen und Praxen ansässig, deren Mitarbeiter er mit einer Auswahl preiswerter, schneller, aber trotzdem frischer Gerichte versorgen will.

Carlo Caliendo im Quindici in Oßweil – auch für das Restaurant hat er neue Ideen. Foto: Simon Granville

Während die Bauarbeiten laufen, können sich die Betreiber einen ersten Eindruck vom Solitudeplatz machen. „Wir nehmen das gelassen. Aktuell erleben wir hier keine größeren Schwierigkeiten als an anderen Standorten“, so Düzgün. Wenn man konstant gute Qualität liefere und verlässlich sei, entwickle sich ein Standort ganz von allein positiv.

Doch auch in Oßweil soll sich etwas tun. Im Januar wollen die Betreiber einen Lieferdienst einrichten und eine Location für Geburtstage werden. Welche Rolle Arthur Boka im Restaurant am Solitudeplatz spielen soll, wird sich zeigen, wenn er zurück in Deutschland ist. Derzeit hält er sich in Spanien auf. Klar sei aber, der Erfolg eines Restaurants dürfe nicht an Prominenz hängen – sondern an gutem Essen und Gastfreundschaft, so die Betreiber.