Dominik Sacher hatte mit mehr Laufkundschaft und einem besseren Grundumsatz im Leo-Center kalkuliert. Foto: Simon Granville

Vor etwa vier Jahren eröffnete Dominik Sacher das vegane Restaurant „King of Greens“ im Leo-Center. Viele verschiedene Faktoren führten dazu, dass er jetzt mitten im Insolvenzverfahren steckt.

Vielversprechend war vor vier Jahren das „King of Greens“ im Leo-Center gestartet. Dominik Sacher hatte sein gut florierendes uriges Brauhaus am Leonberger Bahnhof, welches er dort über 14 Jahre erfolgreich betrieben hatte, verkauft. Aus innerster Überzeugung heraus wollte er weder die Fleischindustrie noch die Milchindustrie weiter unterstützen. Deshalb schlug er im Januar 2020 mit der Eröffnung eines zu hundert Prozent veganen Restaurants einen komplett neuen Weg ein. Fast vier Jahre später steckt er mit seinem Unternehmen mitten im Insolvenzverfahren.

 

Er muss wohl – je nachdem wie der Prozess nun abgewickelt wird - in Kürze die Räumlichkeiten im ersten Obergeschoss des Centers schließen. „Darauf wird es herauslaufen“, sagt Dominik Sacher. Einen einzelnen Grund für die Insolvenz gäbe es nicht. „Es kamen viele Faktoren zusammen, weswegen ich letztendlich gescheitert bin“, sagt der Gastronom, „mir tut es natürlich auch um das Konzept leid, veganes Essen ist mir ein Anliegen. Ich bin weiter überzeugt, dass es sich im Aufwärtstrend befindet, leider konnte ich diesen Schwung nicht mitnehmen“, sagt der 48-Jährige, der sich hätte gut vorstellen können, mit „King of Greens“-Filialen in anderen Städten zu expandieren.

Morgens ist nur wenig los

Es ist kurz vor Mittag. Einige Gäste sitzen an den Tischen des Restaurants im Obergeschoss des Leo-Centers. Eine kleine Gruppe älterer Damen hat sich zum Frühstücken getroffen, ein junges Pärchen macht eine kleine Erfrischungspause, eine Familie ist mit ihren Kindern da, ein geschäftlich gekleideter Herr genießt seinen Kaffee, während er telefoniert. „Es ist eher selten, dass so viele Leute um diese Zeit hier sind, morgens ist normalerweise so gut wie gar nichts los“, sagt der Gastronom, der sein eigentliches Handwerk des Bier-Herstellens einst in der Rothaus-Brauerei im Schwarzwald erlernt und sich dann erst einmal im Leonberger Gewerbegebiet Hertich mit einer kleinen Brauerei selbstständig gemacht hatte.

Eine solch unberechenbare Kunden-Frequenz im Leo-Center habe ihn überrascht. „Das habe ich ein bisschen falsch eingeschätzt. Ich dachte, im Leo-Center ist es möglich, mit Laufkundschaft einen höheren regelmäßigen Grundumsatz zu generieren, zumal mein Standort direkt an einer Rolltreppe gar nicht mal so schlecht ist. Doch hier ist jeder Tag eine Überraschung.“

Leerstände im Leo-Center sind nicht gut für das Geschäft

Die Kundenfrequenz im Center sei das eine. Vor allem im Obergeschoss fehle letztendlich der Durchgangsverkehr. „Dann war nicht klar, ob Karstadt schließt und die Rollläden dicht gemacht werden. Auch die Leerstände wirken sich nicht positiv auf das Geschäft aus, früher hatte das Leo-Center einen guten Ruf“, sagt Sacher. Schon der Start mit dem „King of Greens“ war äußerst schwierig.

Zwei Monate nach der Eröffnung kam Corona und legte die Welt lahm. Nicht nur für einen Gastronomie-Betrieb, der viel Geld investiert hat und voller Tatendrang loslegen möchte – der blanke Horror. Ab dem Juni 2021 ging das öffentliche Leben wieder weiter – aber anders als noch vor der Pandemie.

„Seit 2022 und auch in diesem Jahr ist zwar wieder alles relativ normal, doch leider blieb bei mir der betriebswirtschaftliche Erfolg aus“, sagt Dominik Sacher. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine trieb die Preise nach oben, die Inflation hält die Menschen vor zusätzlichen Ausgaben eher zurück. Hinzu kommt der Personalmangel. „Am Ende stand ich selbst jeden Tag zwölf Stunden in der Küche, habe auch Kuchen und Torten gebacken, da kamen andere Aufgaben zu kurz.“ Die vertraglich festgelegte Mieterhöhung um 13 Prozent tut ihr übriges in dieser Situation. Unterm Strich sind das alles Gründe, weshalb das Unternehmen sukzessive in eine bilanzielle Überschuldung geschlittert ist.

Vielleicht findet sich ein Nachmieter?

Dominik Sacher arbeitet nun mit seinem Insolvenzverwalter zusammen, um alles abzuwickeln, und spielt mit ihm jede mögliche Variante durch. Vielleicht findet sich jemand, der das Restaurant inklusive des Konzeptes übernimmt? Vielleicht findet sich ein Nachmieter für die Fläche? Wie viel kann in nächster Zeit noch für die Gläubiger erwirtschaftet werden? Drei Monate bekommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „King of Greens“ Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit. So lange könnte das Restaurant noch geöffnet haben.

Wie es für Dominik Sacher weitergeht, wenn alles über die Bühne gebracht ist, weiß er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Die Insolvenz mit dem „King of Greens“ ist zwar ein heftiger Tiefschlag für ihn, doch ist er nach wie vor von seinem veganen Konzept überzeugt. „Vielleicht ist Leonberg der falsche Ort, wo so etwas nicht funktioniert.“

Der „König“ ist zwar in die Knie gegangen, doch er wird in irgendeiner Weise wieder auf die Beine kommen. Ganz nach dem Motto: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.