Loai Taooz, hier noch in den derzeitigen Räumen des Cafés Zeitgeist in der August-Brändle-Straße, kocht künftig im Restaurant im Fellbacher Rathaus. Foto: Gottfried Stoppel

Loai Taooz und Agnes Fuhrmanneck pachten die Räume des ehemaligen „Zum Roten Hirsch“ und schaffen deutlich mehr Platz für Gäste. Die Eröffnung ist für Mitte Juni geplant.

Der jahrelange Leerstand im südöstlichen Bereich des Fellbacher Rathauskomplexes hat manche Beobachter wie auch Lokalpolitiker schon zur Vermutung verleitet, dort werde „auf ewig“ keiner mehr das offenkundig allzu große Risiko eingehen und versuchen, die mehrfach gescheiterte Gastronomie wiederzubeleben.

 

Schon an diverse Interessenten hatte die Stadt diese Räumlichkeiten verpachtet, doch immer wieder war irgendwann aus diversen Gründen erneut Schluss mit lustig in Sachen Restaurant oder Bar – diese hießen anfangs mal „Weinstube zum alten Wetzstein“, es folgte das „Esszimmer im Rathaus“. Zuletzt gab im Sommer 2022 der Gastronom Christian List auf, nun war auch das Restaurant „Zum Roten Hirsch“ in Fellbach Geschichte.

Das kleine Zeitgeist bringt eine große Stammkundschaft mit

Doch ganz aktuell, vier Jahre später, ist endlich wieder Licht am Ende des Tunnels erkennbar und wird die Beleuchtung in einigen Wochen hoffentlich dauerhaft eingeschaltet sein. Den Zuschlag erhält das in Fellbach schon seit Längerem an einem anderen Standort gelegene, sehr beliebte und erfolgreiche „Café Zeitgeist“. Über diese positive Entwicklung informiert das städtische Pressereferat in einer aktuellen Mitteilung.

Bisher in vergleichsweise beengten Verhältnissen an der August Brändle-Straße untergebracht, hat das Duo Loai Taooz und Agnes Fuhrmanneck die Rathaus-Räume gepachtet. Das „Zeitgeist“ zieht vermutlich Mitte Juni in den früheren „Roten Hirsch“ im Rathaus – wo dann doppelt so viele Sitzplätze für die Kunden sowie eine größere Fläche im Außenbereich zur Verfügung stehen.

Die Räume des ehemaligen „Roten Hirsch“ bieten demnach die von Fuhrmanneck und Taooz ersehnte Expansionsfläche. Bisher musste das rührige Gastroteam die Anfragen von größeren Gruppen aus Platzgründen oft absagen; auch Plätze für den beliebten Mittagstisch sind im derzeitigen Domizil an der August-Brändle-Straße längst nicht immer zu bekommen.

Dabei zieht das kleine Café mit seinen 40 Sitzplätzen Gäste aus Fellbach und der gesamten Region Stuttgart an. Das sympathische Auftreten, mit klarer gastronomischer Ausrichtung, familiär und erfolgreich – das hat zu einer treuen Stammkundschaft geführt, die vor allem auf die „Zeitgeist-Ofenkartoffeln“ schwört.

Besichtigungstermin vor dem Eingang des künftigen Cafés Zeitgeist: Fellbachs Baubürgermeisterin Beatrice Soltys, Agnes Fuhrmanneck (Zeitgeist), Valentin Gottwald (Hochbauamt), Loai Taooz (Koch im Zeitgeist) und Wirtschaftsförderin Anette Popp. Foto: Stadt Fellbach

„Wir wollen, dass die Menschen sich wohlfühlen“, sagt Agnes Fuhrmanneck. Die 50-Jährige wuselt durch das oft ausgebuchte, nur wenige hundert Meter östlich des Rathauses gelegene Bistro. Sie behält auch im größten Mittagsstress die Ruhe und organisiert jetzt zusammen mit Koch Loai Taooz den Umzug in das Rathaus-Areal.

Taooz kam im Jahr 2015 von Syrien, wo er eine Ausbildung zum Koch absolviert hatte, nach Fellbach. Seit September 2018 betreibt er gemeinsam mit Fuhrmanneck das kleine Café neben dem Paul-Gerhardt-Haus. „Der Erfolg des Cafés hat sich langsam entwickelt“, bilanziert Loai Taooz.

Das spezielle familiäre Konzept des Cafés Zeitgeist soll im Rathaus-Areal neu interpretiert und etwas erweitert werden. „Wir gehören zu Fellbach, und dies soll auch in unserem Café zum Ausdruck kommen“, formuliert Agnes Fuhrmanneck das Ziel. Konkret bedeutet dies, dass sie mit einer individuellen Gestaltung eine Wohlfühlatmosphäre schaffen werden, die das „Wohnzimmer“ des Cafés Zeitgeist ins Rathaus transferiert, damit auf diese Weise im Idealfall ein modernes, nachhaltiges und bürgernahes Gastronomiekonzept entsteht.

Die Speisekarte wird von Loai Taooz um internationale Tagesessen erweitert, bleibt aber in der Ausrichtung gleich. Ein deutlicher Schwerpunkt wird weiter auf vegetarischen und veganen Gerichten liegen. Der gelernte 31-jährige Koch und Zuckerbäcker kreiert auch glutenfreie Kuchen und Backwaren, die im Café eine große Fangemeinde haben.

Bei einem Vorort-Termin vor und im ehemaligen „Rote Hirsch“ erläuterte die Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys: „Wir freuen uns, einen Betreiber mit einer großen Stammkundschaft für die Räume begeistern zu können.“

Derzeit werden Wartungsarbeiten und Ausbesserungen, vor allem in den Gasträumen und in der Küche, durchgeführt, verwies Soltys auf die laufenden Baumaßnahmen in den südlichen Räumen des Rathauses. Diese Instandhaltungsmaßnahmen halten sich nach ihren Angaben in einem überschaubaren Rahmen, da einige Kellerräume von den neuen Pächtern nicht benötigt werden. Künftig sollen auch vermehrt kleinere Gesellschaften und Familienfeiern das Café genießen können, ergänzte die Fellbacher Wirtschaftsförderin Anette Popp.

Einen Vorgeschmack gibt’s beim Fellbacher Maikäferfest

Eine erste Vorstellung ihres Konzepts samt kleiner Bewirtung aus den neuen Räumen heraus planen Loai Taooz und Agnes Fuhrmanneck beim diesjährigen Fellbacher Maikäferfest, das am Sonntag, 3. Mai, von 12.30 bis 17.30 Uhr stattfindet und vom Verein Stadtmarketing organisiert wird. Dann sollen durch eine Fenstertür kleine Blätterteigtaschen und Kuchen verkauft werden.

Die eigentliche Eröffnung des neuen Zeitgeists in den Räumen des alten „Roten Hirschs“ ist dann für Mitte bis Ende Juni geplant. Die Öffnungszeiten des Cafés und Bistros werden erweitert: Montag bis Samstag von 10 bis 19 Uhr, samstags soll ein Frühstücksbrunch-Angebot dazukommen.