Es muss ja nicht gleich ein Corona-Burger sein. Foto: afp/Manan Vatsyayana

In der Corona-Krise zeigen viele Wirte in Stuttgart trotz der für sie schmerzhaften Einschränkungen Präsenz und versorgen ihre Gäste mit Spezialitäten. Wir liefern einen Überblick über einige der Angebote.

Filder/Stuttgart - Seit sechs Wochen schon müssen die Restaurants geschlossen bleiben. Eine Perspektive für die Wiedereröffnung gibt es seitens der Politik noch nicht. Auch wenn Daniel Ohl, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, gegenüber unserer Zeitung sagte, dass sich mit einem Abhol- und Lieferservice vielleicht fünf bis zehn Prozent des normalen Umsatzes erreichen ließen – viele Gastronomen versuchen sich mit einem Notbetrieb über Wasser zu halten. Um nicht völlig von der Bildfläche zu verschwinden und letztlich auch, um ihre Gäste im Rahmen der Möglichkeiten glücklich zu machen.

Die Maischolle ist ein begehrtes Highlight in Stuttgart-Degerloch

Die Vielfalt ist enorm und geht weit über einen in normalen Zeiten gewohnten Pizzaservice hinaus. Im Kickers-Clubrestaurant auf der Waldau zum Beispiel wird eine umfangreiche Karte für Gerichte zur Abholung oder Lieferung angeboten: von Bärlauchspaghetti über Zwiebelrostbraten bis hin zu Spargel in allen Variationen. Auch vakuumierte Maultaschen, Kutteln und portionsweise Kartoffelsalat gibt es to go, wie Frank Rörich sagt. Begehrtes Highlight derzeit sei die panierte Maischolle. Viele Gäste würden nach einer Laufrunde vorbeischauen und sich etwas für zu Hause mitzunehmen. Dennoch: „Von meinen 20 Mitarbeitern sind nur fünf im Einsatz“, sagt der Chef. Die Umsatzeinbußen seien dramatisch, lebt das Clubrestaurant doch auch von Familien- und Firmenfeiern.

Auf unserem Portal „Stuttgart gemeinsam stark“ informieren wir über Lieferdienste und Hilfsangebote in der Corona-Krise.

Die Hauptattraktion auf der Waldau, der Fernsehturm, ist zwar geschlossen und mit ihm die Gastronomie oben wie unten. Aber ein paar Meter weiter hält Sir Waldo Weathers, einst Saxofonist bei James Brown, mit seinem Imbiss täglich von 12 bis 18 Uhr die Stellung. Überhaupt lohnt sich ein Rundgang über das Freizeitgelände, offerieren doch einige Wirte der Sportvereine wie etwa Masaniello und Da Fernando ihre Gerichte zum Abholen.

Gäste unterstützen das Fässle mit Gutscheinen

Im Zentrum von Degerloch ist ebenso kulinarische Vielfalt geboten, darunter an einer der besten Adressen der Stadt, dem Fässle. Der Patron Patrick Giboin sagt, „unsere Stammgäste lassen uns nicht im Stich und unterstützen uns auch mit dem Kauf von Gutscheinen“. Unter der Woche gibt es ein wechselndes Mittagsgericht zum Mitnehmen, samstags ein kleines Menü in drei Gängen zum Preis von 26 Euro. Giboin steht mehr oder weniger allein in seiner Küche, gelegentlich gehe ihm sein 14-jähriger Sohn zur Hand. Lieferung lohne sich für ihn nicht.

Im Hirsch an der Epplestraße hat man die ersten drei Wochen der Schließung für Renovierungsarbeiten genutzt, inzwischen bietet Ralf Kuhn eine kleine Karte an, mittags zur Selbstabholung, abends wird auch geliefert. Der Chef fährt selbst aus und stellt dabei fest: „Die Leute sind verängstigt, freuen sich aber über ein bisschen Abwechslung.“ Mit Blick auf die allgemeine Perspektivlosigkeit der Gastronomie sagt er: „Wenn wir wenigstens die Terrasse wieder öffnen könnten!“

Speisen werden durchs Fenster gereicht

Wer mehr Internationales to go in Degerloch haben möchte: vom Golden Kebap über Thai-Küche von Lilavadee bis zu La Taverna da Pagano oder Da Peppone in Hoffeld stehen die Gastronomen bereit. Mit Italienern ist auch der Stadtbezirk Sillenbuch gut versorgt: das Bianco & Nero, die Pinseria oder das Restaurant Hasenstall – Pizzeria da Mariusz verwöhnen ihre Gäste während der Krise.

Pro Arte Mediterraneo klingt ebenso italienisch, viele der Speisen zum Mitnehmen haben auch einen italophilen Touch, Risotto Primavera oder Pasta Arrabiata etwa. Die Betreiber, zwei Schwestern und deren Männer, kommen aber aus dem ehemaligen Jugoslawien. Nach einem schweren Start kann die Geschäftsführerin Danijela Cristiani im elften Jahr ihres Lokals berichten, dass es bis zur Corona-Schließung sehr gut gelaufen sei. Sie sagt: „Jetzt arbeiten wir ohne Geld, nur um den Betrieb zu retten. Aber in der Krise unterstützen uns die Stammgäste“ – und kauften zu den Gerichten auch mal eine Flasche Wein oder Olivenöl dazu.

Die Speisen werden durchs Fenster des schicken Restaurants gereicht. Weniger mobilen Gästen würden die bestellten Gerichte auch mal nach Hause gebracht – übrigens nicht nur mediterrane Spezialitäten, zählt doch zu den Rennern Kabeljaufilet mit schwäbischem Kartoffelsalat.

Eingelegte Hühnerfüße oder Salat aus Schweineohren

Deutlich exotischer ist das Angebot bei CQ Flavour, denn neben der „eingedeutschten Speisekarte“ hat das chinesische Restaurant am Sillenbucher Markt auch eine Karte mit original Szechuan-Küche. Diese Gerichte sind teils nicht nur deutlich schärfer, sondern bieten auch Spezialitäten wie eingelegte Hühnerfüße oder Salat aus Schweineohren. Kein Wunder, dass viele Landsleute zu den Stammkunden zählen, wie der Chef Pei Wu erzählt. 95 Prozent der Karte werden in der Krise zur Abholung angeboten, mittags und abends.

Das volle Programm gibt es bei den Deux Greks, unter der Woche allerdings nur abends zum Abholen. Der Inhaber des Sportrestaurants vom TSV Heumaden 1893, Konstantinos Kyritsis, sagt. „Der Verein hat uns immer unterstützt.“ Eine Unterstützung, die er gerade jetzt braucht, denn der Grieche hat 180 Plätze drinnen und auf der Terrasse noch einmal 100.

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