Dicht an dicht in Kindergärten und Schulmensen sitzen geht während der Corona-Pandemie nicht mehr. Geringe Essensbestellungen bringen Caterer in Bedrängnis. Foto: dpa/Georg Wendt

Auch nach dem Lockdown kommt die Gastronomie nur in kleinen Schritten voran. Caterern, die sich auf Kitas und Schulen spezialisiert haben, drohen weitere Einbußen, denn die langen Sommerferien nahen.

Möhringen - Der Schul- und Kitabetrieb im Land kommt erst langsam in die Gänge. Nicht nur Schüler und Lehrer stehen durch den Lockdown und die Einhaltung von Abstands- und Hygienevorschriften vor großen Herausforderungen. Auch die Caterer, die in normalen Zeiten viele Schulmensen und Kitas mit Mahlzeiten versorgen, haben existenzielle Probleme. „Wir haben seit 18. Mai geöffnet, weil es hieß, 50 Prozent der Schüler würden wieder die Einrichtungen besuchen, aber dem war nicht so. Wir hatten deshalb nur drei Prozent des normalen Umsatzes“, erzählt Axel von Rolbeck, der Inhaber des Möhringer Catering-Unternehmens Fritsche-Blizz. Seit etwa einer Woche sei der Umsatz auf neun Prozent gestiegen, aber dies sei bei Weitem nicht genug: „Auch 50 Prozent wären nicht kostendeckend.“

Von den Handgriffen her ist es egal, ob 2000 oder 4000 Mahlzeiten zubereitet werden

Um den Spagat zu schaffen, Essen für die wenigen Schüler zu liefern und Kosten zu sparen, hat Axel von Rolbeck für seinen Betrieb Kurzarbeit angemeldet. „Wenn ich meine 15 Mitarbeiter komplett in Kurzarbeit ließe, dann würde dies zunächst einmal nichts kosten. Wenn ich sie zurückhole, dann kostet jeder einzelne Mitarbeiter Geld“, sagt er. Fünf seiner Mitarbeiter hat von Rolbeck zurückgeholt, damit sein Betrieb auf Sparflamme weiterlaufen kann. Von den Handgriffen her betrachtet, sagt er, mache es keinen Unterschied, ob sein Betrieb 2000 oder 4000 Mahlzeiten produziere. „Man kann die Mitarbeiter natürlich früher nach Hause schicken, aber auch das lohnt sich nicht“, sagt der Firmeninhaber.

Im Kindergarten- und Schulbereich, auf den sich sein Betrieb spezialisiert habe, erläutert von Rolbeck, liege die Gewinnmarsche pro Portion „im Centbereich“. Vor der Corona-Krise habe seine Firma täglich 4000 Speisen produziert, im Mai seien es pro Tag 120 gewesen, gegenwärtig sind es 360 Mahlzeiten am Tag. Die Hilfen, welche die Regierung den Unternehmen zugesagt habe, seien begrüßenswert und löblich, hülfen letztlich aber wenig: „Ich komme nur mit Krediten, die ich innerhalb von zehn Jahren zurückzahlen muss, über die Runden.“

Die Versicherung zahlt nicht

Eben weil sich Axel von Rolbecks Betrieb auf Kindergärten und Schulen spezialisiert hat, kommt nun auch noch ein schulspezifisches Problem auf ihn zu: „Bald kommen die Sommerferien, während denen wir sechs Wochen lang sowieso nichts verdienen.“ Als weitsichtiger Unternehmer hat Axel von Rolbeck natürlich versucht, sich gegen Schicksalsschläge abzusichern: „Ich habe eine Betriebsschließungsversicherung abgeschlossen, die meine Umsatzeinbußen deckt. Sie zahlt aber nicht, weil mein Betrieb ja nicht geschlossen ist und nur die Kunden weggebrochen sind.“ Gegen den Zahlungsunwillen der Versicherung, sagt der Unternehmer, liefen schon in anderen Fällen Klagen: „Bis da aber eine Entscheidung gefallen sein wird, werden noch Jahre vergehen.“

Der Wunsch: mehr Planungssicherheit

Bis zum fernen Urteil der Justiz kann der Firmeninhaber aber nicht warten: „Ich muss meine Kunden jetzt bedienen. Gegenwärtig muss ich beispielsweise für 80 Essen 20 Kilometer weit fahren“, sagt er, „ aber die Lieferkosten sind dieselben wie für die 500 Essen, die ich normalerweise dorthin bringe“.

Wie es in der nahen Zukunft weitergehen wird, kann Axel von Rolbeck nicht einschätzen. „Ein neues Statement ist, dass die Abstandsregeln im Juli aufgehoben werden sollen, aber die Schüler sollen nicht alle gemeinsam in die Pause gehen. Dürfen sie dann auch nicht gemeinsam essen? Wahrscheinlich auch nicht.“ Der Vagheit der Aussagen wegen sei für ihn nichts planbar.

Außer all diesen Schwierigkeiten machen dem Möhringer Catering-Betrieb nun auch noch äußere Rahmenbedingungen das Leben schwer. „Jetzt sind auch noch die Lebensmittelpreise gestiegen. Obst und Gemüse sind rund 30 Prozent teuerer geworden. Wir müssen aber unsere Preise der Verträge wegen beibehalten“, sagt Axel von Rolbeck. Allen Problemen zum Trotz will der Firmeninhaber die Flinte nicht ins Korn werfen: „Ich mache diese Arbeit schon seit elf Jahren, und diese Krise überlebe ich auch noch.“ Eines wünscht er sich von Politikern und Behörden aber dringend: „Etwas mehr Planungssicherheit wäre für die Eltern und mich sehr hilfreich.“

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