Bernd Klein (links) vom Verein Sympathie für Untermberg und der potentielle neue Pächter David Pinna auf der Terrasse des Lokals „Burgblick“ Foto: Simon Granville

Nach Jahren des Leerstands könnte der Gaststätte „Burgblick“ in Untermberg (Kreis Ludwigsburg) wieder Leben eingehaucht werden. Warum die Stadt bremst.

Untermberg ist ein kleiner Teilort der Großen Kreisstadt Bietigheim-Bissingen. Der Ort ist vielen vor allem wegen der Durchgangsstraße zwischen Bissingen und Sachsenheim bekannt. Keine 2000 Menschen leben dort, aber es fehlt an Begegnungsorten. Das soll sich ändern. Das ganze Dorf will eine altbekannte Gaststätte wiederbelebt sehen, ein Pächter steht bereit, aber die Stadtverwaltung drückt auf die Bremse.

 

Bernd Klein ist Vorsitzender des Vereins „Sympathie für Untermberg“, der sich für den Ort einsetzt. Klein hat die Online-Petition „Wiederbelebung der Gaststätte Burgblick Untermberg“ gestartet und innerhalb von zehn Tagen schon fast 600 Unterstützer.

Die Gaststätte ist direkt an der örtlichen Sporthalle untergebracht. Der kleine Gastraum mit vielleicht 60 Plätzen steht aber seit langem leer und wird nur noch von kleinen Vereinen gelegentlich genutzt. 2013 gab es zuletzt einen Pächter. Damals war der Verein TSV Untermberg noch Eigentümer, musste aber Insolvenz anmelden, weil der Pächter nicht zahlte.

Direkt am Enztalradweg liegt die Gaststätte „Burgblick“ in Untermberg. David Pinna (links) würde sie gerne übernehmen, Bernd Klein unterstützt ihn dabei. Foto: Simon Granville

Die Stadt wurde Eigentümer der Gaststätte. Seither steht sie leer. Nun ergibt sich laut Klein aber eine große Chance: David Pinna, seit mehr als 30 Jahren Gastronom und wohnhaft in Untermberg, möchte die Gaststätte übernehmen und ganz Untermberg steht dahinter, wie es scheint.

Untermberger bieten Mitarbeit an

Bei einem Bürgergespräch mit dem Ersten Bürgermeister Michael Hanus machten sich viele Untermberger stark für die Wiederbelebung des Lokals und boten sogar an, bei den notwendigen Sanierungsarbeiten mit Hand anzulegen. Auch der Verein „Sympathie für Untermberg“ hat 5000 Euro als Unterstützung angeboten.

Knackpunkt könnten die Kosten für die „Wiederbelebung“ sein. Es braucht wohl eine neue Küche. „Die Höhe der Investitionen, um die Küche und die Gaststättenräume wieder als solche nutzen zu können, wird derzeit ermittelt. Sie wird jedoch nach ersten Einschätzungen im sechsstelligen Bereich liegen“, erklärt Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadtverwaltung.

Kosten könnten „Burgblick“ stoppen

Das Geld müsste die Stadt aufbringen, hat aber selbst ein großes Defizit im Haushalt, deswegen ist nicht klar, ob es letztlich so kommt, wie die Untermberger es sich wünschen.

Für den Gastronom wäre es die ideale Möglichkeit sich zu verkleinern – aktuell betreibt er die Vereinsgaststätte des TSV Bietigheim – und gleichzeitig an die Familienhistorie anzuknüpfen. Pinnas Eltern betrieben einst an selber Stelle, vor dem Neubau, eine Gaststätte.

Er ist im Ort bekannt und hat durch seine Jahrzehnte als Gastronom in der Stadt viele Stammkunden, die auch nach Untermberg kommen würden. „Wenn wir es jetzt nicht mit David machen, wann dann“, gibt Klein einen Stadtrat wieder. In jüngster Vergangenheit musste Untermberg einiges einstecken: Während einer mehrmonatigen Straßensperrung floss ein Vielfaches an Verkehr durch den Ort als Ausweichstrecke. Abhilfe konnte die Stadt damals nicht anbieten.

Gleichzeitig muss man in dem Ort wohl damit leben, dass bald ein fast 500 Jahre altes markantes Gebäude abgerissen wird und dem Ort ein Stück Identität verloren geht. Da wäre ein Sieg in der Sache „Burgblick“ willkommen. Pinna ist wild entschlossen, das Lokal zu übernehmen und wirbt dafür bei Stadträten. Für Klein wäre es ein dringend notwendiges positives Zeichen dafür, dass die Stadt den Ort lebendig halten will.