Jacqueline Salzmann und Felix Szichta von der Kelterstube in Korb genießen ihr Gastspiel in Waiblingen – und können sich das Pop-up-Restaurant gut als zweites Standbein vorstellen.
Manchmal ergeben sich aus misslichen Lagen neue Perspektiven, eröffnen sich Möglichkeiten, an die vorher niemand gedacht hat. Bei Jacqueline Salzmann und Felix Szichta war es ein Wasserschaden in der Kelterstube in Korb (Rems-Murr-Kreis), die sie seit mehr als drei Jahren gemeinsam betreiben. Während des zweiwöchigen Betriebsurlaubs war das Wasser von oben aus der Decke geflossen. Glück im Unglück hatten die Service-Chefin und der Koch, weil hauptsächlich der Lagerraum betroffen war.
Das Lokal in dem älteren Haus in der Ortsmitte, in dem sie schwäbische Küche mit hohem Anspruch servieren, konnten sie mit ein paar Tagen Verzögerung öffnen. Doch während der notwendigen Sanierungsarbeiten sind sie ausgezogen und betreiben noch bis zum 9. November das Pop-up-Restaurant Gerberstube am Bädertörle in Waiblingen.
Der befristete Umzug erweist sich als Glücksgriff, aus dem Dauerhaftes erwachsen kann. „Wir haben uns in die Location verliebt“, sagt Jacqueline Salzmann mit einem Lächeln. „Und wir freuen uns, dass unser Angebot in Waiblingen und dem Umfeld so gut angenommen wird.“ So gut, dass sich die 33-Jährige, die von der Alb ins Remstal kam, und der 29 Jahre alte Koch aus Korb gerne ein langfristiges Engagement in der Gerberstube am Bädertörle eingehen würden.
Was wurde in der Gerberstube verändert?
Das schön renovierte denkmalgeschützte Haus mit dicken Natursteinmauern und idyllischem Außenbereich direkt an der Rems hat seinen ganz eigenen Charme – und ist gastronomisch bestens ausgestattet, weil es von jeher als Gaststätte ausgelegt war. Vor ihrem Umzug haben Jacqueline Salzmann und Felix Szichta dennoch ein paar Nachtschichten investiert, Feinheiten justiert und frisch gestrichen. „Wir haben den Aufwand gerne betrieben, denn, wenn wir was machen, dann machen wir es richtig. Das gilt für die Kelterstube genauso wie für die Gerberstube“, sagt Jacqueline Salzmann.
Neue Speisekarte kreiert
Inspiriert von der Vergangenheit des Hauses als Gerberei sowie der Tapas-Fakultät „Teneria“, die bis 2020 hier zuhause war, haben sie eine neue Speisekarte kreiert. „Wir wollen Klasse statt Masse“, sagt der Küchenchef. Kredenzt werden schwäbische Klassiker, Rostbraten, Maultaschen, Linsen oder Saure Kutteln, und „Schwapas“, schwäbische Tapas. Tradition und neue Essgewohnheiten zu verbinden, sei ihr Anspruch gewesen, erzählt Felix Szichta, der seine Ausbildung in Baiersbronn gemacht hat, der Hochburg der Sterne-Restaurants im Schwarzwald. Der Spagat „zwischen der Seele des Ladens und unserer Ausrichtung“ ist gelungen und wird von den Gästen goutiert.
Kelterstube in Korb öffnet wieder am 11. November
In Korb läuft die Sanierung derweil nach Plan, erzählt Jacqueline Salzmann. „Am 11. November machen wir die Kelterstube wieder auf, wie gewohnt von Dienstag bis Sonntag.“ Zwei Tage vorher, am 9. November ist damit der vorerst letzte Tag, an dem die Gerberstube geöffnet hat. Die Rückkehr nach Korb sei nie außer Frage gestanden, betonen Jacqueline Salzmann und Felix Szichta. Doch, wenn es nach den beiden geht, muss die Wiedereröffnung der Kelterstube nicht das Ende der Gerberstube am Waiblinger Bädertörle bedeuten. „Wir könnten uns durchaus vorstellen, dass wir beide Lokale parallel betreiben. Das steht und fällt aber damit, ob wir ausreichend Personal bekommen“, sagt Jacqueline Salzmann. Gesucht seien Leute, die Spaß an der Gastronomie haben, erklärt sie. „Das können gerne auch Quereinsteiger sein.“ So wie Annika Szichta, die Schwester von Felix Szichta, die ab Januar voll ins Familienbusiness einsteigen wird – was die Perspektiven für die Gerberstube durchaus verbessert. „Wenn wir genug Personal haben und rotieren können, könnte es passen“, sagt der Koch und gesteht: „Wir haben große Lust, hier weiterzumachen.“
Der Wasserschaden, der erst für viel Verdruss sorgte, könnte sich im Nachhinein also als Wink des Schicksals erweisen. Für die Service-Chefin und den Koch ist die Entscheidung längst gefallen. Jetzt fehlen nur noch Leute, die Lust haben, das Abenteuer mit den beiden Stuben-Machern zu wagen. „In diesem Jahr passiert sicher nichts mehr“, sagt Szichta. Aber sobald das Team stehe, könne es losgehen. „Wir müssen es nicht machen, aber wir wollen es.“
Wann und wie es in der Gerberstube in Waiblingen weitergeht, hänge jetzt davon ab, ob sie genug Mitarbeitende bekommen, so die Servicechefin. „Und es sind nicht immer nur Nachtschichten in der Gastronomie, wir können auch ganz normale Arbeitszeiten bieten.“ Jacqueline Salzmann und Felix Szichta jedenfalls sind bereit, aus dem Pop-up-Restaurant am Bädertörle eine dauerhafte kulinarische Adresse zu machen.