Die Temperaturen sinken, es zieht die Menschen zum Essen wieder in die Innenbereiche der Restaurants, manche haben Tiere dabei. Wir haben uns bei Wirten auf den Fildern umgehört, wie sie zu Hunden stehen.
Die Freiluftsaison ist so gut wie beendet. Wer essen gehen möchte, wird mit einen Innenbereich Vorlieb nehmen müssen. Doch wie ist das bei Hundehaltern? Dürfen Pudel, Schäferhunde oder Schnauzer einfach mitgebracht werden?
Ein Tier im Restaurant scheint für die meisten Wirte kein Problem zu sein – vorausgesetzt, es weiß sich zu benehmen, bleibt am Tisch und stört nicht. „Es muss klar sein, dass keine Probleme entstehen“, sagt Peter Stephan, Chef des Lokals Stephan’s in Leinfelden, dass also Bello beispielsweise nicht aggressiv reagiert. „Dann sind Hunde herzlich willkommen“, betont er, und tatsächlich brächten viele Gäste ihre tierischen Freunde zum Essen mit.
Gegenseitiger Respekt ist nötig
Auch im Waldgasthof Schmellbachtal im Grünen zwischen Musberg, Oberaichen und Stuttgart-Rohr sind Hunde gern gesehen. „Bei uns bietet es sich durch die Lage an“, sagt die Inhaberin Jessica Göthel, übrigens selbst eine Hundehalterin. Doch auch sie spricht von notwendigem gegenseitigen Respekt. Dazu gehöre, den Hund an die Leine zu nehmen. „Klar, er darf hier nicht frei rumspringen, sonst gibt es Chaos.“ Sie gibt Haltern den Tipp, bei einer Reservierung vorab anzumelden, wenn ein Hund mitkommen soll – dann könne sie einen Tisch auswählen, an dem das Tier mehr Platz, etwas Ruhe und vielleicht auch eine Wand im Rücken habe. „Das ist für den Hund stressfreier.“
Empfehlungen seitens des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga gibt es nicht, sagt der Sprecher Daniel Ohl. „Solange der Hund nicht in die Küche geht, gibt es keine Einschränkungen rechtlicher Natur“, erklärt er. Repräsentative Erhebungen lägen nicht vor, doch „unser Eindruck ist, dass es heute für die Leute einfacher ist, mit Hund ins Lokal zu gehen, als noch vor 20 Jahren“. Allerdings: Ob der Wirt tierischen Besuch in seinen Räumen möchte oder nicht, dürfe er selbst entscheiden. „Das kann er im Sinne des Hausrechts regeln“, stellt Daniel Ohl klar.
Es gelten Benimmregeln, um andere zu schützen
Für Heike Kauderer, die das Hotel Hirsch in Ruit mit ihrer Tochter Ira führt, ist die Sache klar: „Bei uns ist grundsätzlich jeder willkommen, ob Mensch oder Tier.“ Übernachtungsgäste brächten bisweilen Hamster oder Kaninchen mit, und auch ihr eigener Hund Chiara ist oft im Hotel zugegen. Doch es gelten Benimmregeln, um etwa Tierhaarallergiker oder ängstliche Gäste zu schützen, sowie klare Hygienevorgaben. Mitarbeiter etwa seien angehalten, keine Hunde zu streicheln oder sich danach sofort die Hände zu waschen.
Hunde dürften in der Gaststätte nicht auf die Sitze springen oder die Reste der Mahlzeiten vom Teller fressen. „Vom Porzellan geht es einfach nicht“, sagt Ira Kauderer. Vorgekommen sei so etwas schon, „es treibt überall ins Extreme“, sagt ihre Mutter. Ein Kellner sei auch schon mal in die Wade gebissen worden, „das geht natürlich nicht“, betont Heike Kauderer. Dass der eine oder andere Wirt da lieber auf Hunde verzichtet, müsse man akzeptieren.
Im Zweifel bleibt der Mops daheim
Sibel Yildirim kennt das. Sie ist die Vorsitzende des Bonländer Vereins Hundeglück, hat selbst einen Mops und berichtet von Unterschieden. In italienischen Restaurants seien nach ihrer Erfahrung Hunde tendenziell eher willkommen, in griechischen oder türkischen sei es mitunter schwerer. Sibel Yildirim hat selbst türkische Wurzeln. „Dort herrscht eher die Haltung, dass Tiere draußen gehalten werden sollen“, erklärt sie. Für sie gilt: Im Zweifel bleibt der Mops daheim – oder sie sucht sich gleich ein anderes Lokal. An Info mangele es nicht. „Halter tauschen sich aus, auf jeden Fall.“
Ioannis Nikolaou, der Betreiber des griechischen Restaurants Sirtaki in Sielmingen, hat jedenfalls nichts gegen Hunde in seinen Räumen, wie er sagt, „mittlerweile sind Hunde Familienmitglieder“. Auch bei ihm gilt jedoch: bitte gut erzogen. Dann stellt er gern einen Napf mit etwas Wasser bereit. Ioannis Nikolaou lacht und sagt: „Im Sommer war auch mal eine Katze da von den Nachbarn.“
Immer mehr Hunde in den Städten
Statistik
Die Zahl der Hunde in den Städten nimmt zu, Corona hat der Entwicklung noch einen zusätzlichen Schub gegeben. 1608 Hunde sind aktuell in Filderstadt gemeldet. Etwas weniger sind es im benachbarten Leinfelden-Echterdingen, dort werden rund 1340 Hunde gehalten. Freilich gilt: Je größer die Kommune, desto mehr Haustiere. In Esslingen waren im vergangenen Jahr 2657 Hunde gemeldet. Besonders viele sind es in Stuttgart. Innerhalb von zwei Jahren, von 2019 bis 2021, ist die Zahl von 14 731 auf 16 485 Hunde in der Landeshauptstadt gestiegen. car