Wo andere schließen, öffnen neue Türen: Die spannendsten Neueröffnungen im Jahr 2025 im Landkreis Ludwigsburg zeigen, dass unsere Städte noch lange nicht ausgestorben sind.
Der Einzelhandel und die Gastronomie stehen im Landkreis Ludwigsburg unter Druck. Vor allem inhabergeführte Betriebe mussten im vergangenen Jahr aufgeben – darunter die Fotoboutique Beran in Marbach, der Technikladen Talmon-Gros in Ludwigsburg oder die Salatbar Seidel. Doch trotz dieser Verluste sind die meisten Städte alles andere als leblos.
Immer wieder entstehen neue Konzepte, mutige Ideen und überraschende Angebote. Die Redaktion im Landkreis Ludwigsburg hat die spannendsten Neueröffnungen aus Einzelhandel und Gastronomie – sowie eine neue Diskothek – zusammengestellt. Eine Auswahl, die zeigt, wie vielfältig und innovationsfreudig die lokale Szene ist.
1. Schillers Blick in Marbach
Die Schillerhöhe zählt zu den kulturellen Zentren im Kreis Ludwigsburg und zieht Besucher aus ganz Deutschland an – zuletzt sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Seit dem Herbst hat das Areal neben seinen Museen wieder ein gastronomisches Angebot: das Restaurant „Schillers Blick“.
Auf der Karte stehen deutsche Klassiker, modern interpretiert und serviert von einem jungen Team. Schon die Speisenbezeichnungen spielen mit dem literarischen Erbe des Ortes: Die Forelle heißt hier „Schillers Fang“, die Käsespätzle kommen als „poetisches Pfännchen“ auf den Tisch. Zusammen mit Öllampen und bewusst gesetzten Retro-Elementen bekommt das Restaurant fast den Charakter eines Themenlokals.
„Wir wollten es modern, aber mit Retro-Elementen und angelehnt an Schiller“, sagen die Betreiber Alexander und Pia Neuberth, die in Freiberg bereits die Schwabenstuben führen.
2. Café kleiner Prinz in Ludwigsburg
Vom Parkplatz zur Naherholungsfläche: Die Umgestaltung des Arsenalplatzes war eines der meistdiskutierten Themen des vergangenen Jahres in Ludwigsburg. Entsprechend ungewiss war der Start für den neuen Gastro-Pavillon auf dem Arsenalplatz. Die Betreiber Mauri Will und Dinko Brkic eröffneten ihr Café Kleiner Prinz in einer Phase, die von Skepsis und viel öffentlicher Aufmerksamkeit geprägt war. Schnell zeigte sich jedoch, dass die Ludwigsburger gerne vorbeikommen – ganz unabhängig davon, wie sie zum neuen Arsenalplatz stehen.
Das Café erhält auf Google durchweg positive Bewertungen und wird von den Gästen gut angenommen. „Wir bekommen unglaublich viel positives Feedback. Viele sagen: Genau so etwas hat hier gefehlt“, sagte Dinko Brkic im Spätsommer.
Entstanden ist ein ungezwungener Treffpunkt zwischen Cafébesuch und Picknick – ein Ort zum Verweilen, an dem auch schon einmal am Nachmittag ein DJ auflegt. Will und Brkic haben nun Lust auf mehr, sie planen bereits ihre nächste Eröffnung, Details sind jedoch nicht bekannt.
3. Fritz Brickz in Freiberg
Mit gerade einmal 18 Jahren ist Max Fritz der wohl jüngste Ladenbetreiber im Kreis Ludwigsburg. Als frisch gebackener Abiturient eröffnete er im Juni seinen Lego- und Spielwarenladen „Fritz Brickz“ im Zentrum von Freiberg – und sorgte damit sofort für Aufmerksamkeit. Bereits am Eröffnungstag waren sämtliche gebrauchten Lego-Sets verkauft. Einige Kunden nahmen dafür sogar eine Anfahrt von mehr als einer Stunde in Kauf.
Trotz seines jungen Alters steht Max Fritz für klassische Einzelhandelswerte. Etliche Online-Bewertungen zeigen, dass sich der Jungunternehmer viel Zeit für die Kunden, Fachsimpeleien und Erklärungen nimmt. Und seine Ideen sind noch lange nicht am Ende, das Konzept von Fritz Brickz soll weiterentwickelt werden. Beispielsweise sollen Legosteine zu Kilopreisen verkauft oder Legosets verliehen werden.
4. Chez Cuisto in Kornwestheim
Die Geschichte von Hiacinthe Ambassa Okala zeigt gleich zweierlei: wie Leerstand belebt werden kann und wie Migration das Angebot in den Städten des Kreises bereichert. Mit dem „Chez Cuisto“ hat der Koch in den Räumen des ehemaligen Restaurants zur Sonne eines der ungewöhnlicheren Gastronomiekonzepte des Jahres eröffnet. Der 35-Jährige verbindet deutsche Klassiker mit afrikanischen Einflüssen und bringt damit eine neue kulinarische Perspektive nach Kornwestheim.
Nach Krankheit und geringen Bildungschancen verließ Okala 2012 seine Heimat Kamerun und kam 2014 nach Deutschland. Er absolvierte eine Kochausbildung, arbeitete festangestellt, baute ein Eventcatering auf – und eröffnete schließlich sein eigenes Restaurant. Auf der Speisekarte stehen kamerunische Gerichte wie Poulet DG ebenso wie Zwiebelrostbraten mit Käsespätzle. Das Interieur ist bewusst schlicht und modern gehalten, mit dem alten Mobiliar des Restaurants zur Sonne und neuen, kamerunischen Dekodetails.
5. Alte Rösterei in Ludwigsburg
Jahrzehntelang war Ludwigsburg mit der Rockfabrik eine feste Größe im regionalen Nachtleben. Danach wurde es ruhig in der Barockstadt – doch inzwischen kehrt die Clubkultur zurück. Nach dem Pop-up-Club Fips im Jahr 2024 wird seit Oktober 2025 mit der Alten Rösterei wieder zentral in Ludwigsburg getanzt.
Die Freunde Florian Lutz, Nils Vradac und Marcel Stahl verwandelten einen Teil der ehemaligen Frank-Fabrik am Bahnhof in einen Club für rund 600 Gäste. Laut den Gründern spricht das Konzept in den ersten Monaten bereits ein breites Publikum von jung bis alt an.
Samstags kommt Hip-Hop und Urban Music, freitags wechselt das Programm. „Wir haben inzwischen herausgefunden, welche Formate gut laufen und welche weniger“, sagt Florian Lutz. Besonders gefragt waren bislang 90er- und 2000er-Partys sowie Mallorca-Abende, bei denen es nach Angaben der Betreiber „brechend voll“ war. Rock- und Technofreitage hingegen blieben hinter den Erwartungen zurück.