Für eine kulinarische Weltreise muss man in kein Flugzeug steigen. Im Kreis Esslingen beginnt sie vor der Haustür: Sechs Restaurants mit authentischen Küchen aus aller Welt.
Die Reise beginnt in Echterdingen: Den „Steigenden Drachen“, so die deutsche Übersetzung des Restaurantnamens „Thang Long“, gibt es bereits seit 2009. Die Vietnamesin Phuong Jahnke führt das Restaurant in zweiter Generation gemeinsam mit ihrem Mann Gerrit. Wer nach Vietnam reisen möchte, steigt einfach die Treppe hinab in die gemütliche Gaststube: künstliche Blumen, geflochtene Wandteller, Korblampen an der Decke und Fotos von vietnamesischen Straßenszenen schaffen eine authentische Atmosphäre.
Bei uns gibt es nordvietnamesische Küche, die für deftige Speisen bekannt ist“, sagt Gerrit Jahnke. Typisch sind Pho Hanoi, das Nationalgericht Vietnams, oder Bun Bo Xao, Reisnudeln mit Salat. „Koriander, Minze und Erdnüsse sind ein Muss", ergänzt Phuong Jahnke. Für noch mehr Asien muss man das Lokal nicht verlassen. Sushi und weitere asiatische Gerichte stehen ebenfalls auf der Karte.
Copper Bowl in Esslingen
„Essen wie am Hofe des Maharadschas“ – dieses Versprechen löst Rashmi Kumaresan in ihrem kleinen vegetarischen Restaurant am Marktplatz ein. Sie serviert südindische Gerichte mit regionalem Gemüse vom Esslinger Wochenmarkt und von umliegenden Gemüsehöfen. Indische Gewürze sorgen für ein authentisches Geschmackserlebnis, Konservierungsstoffe sind tabu. Die traditionellen Rezepte wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Mit Idly, kleinen indischen Reisküchle, und Dosa, Crêpes aus gemahlenem Reis und Linsen, unternehmen die Gäste einen Streifzug durch das südasiatische Land. Feiert Rashmi im Herbst das indische Lichterfest Diwali, taucht man noch tiefer in die Kultur ein. Originalgetreu werden die Spezialitäten mit den Fingern direkt vom Bananenblatt gegessen.
Joe Peña’s in Esslingen und Nürtingen
„No Fronteras, solo Horizontes“: Keine Grenzen, nur Horizonte ist das Motto von Joe Peña’s – zumindest, wenn es um Geschmack und Kultur geht. Das Joe Peña’s ist eine Institution in Esslingen. Seit 27 Jahren ist das 1987 in München gegründete mexikanische Restaurant vor Ort. Im Dick-Areal tauchen Gäste in das Land der Sonne ein. Träge drehen sich Ventilatoren an der Decke, großblättrige Grünpflanzen dienen als Raumteiler. Der Blick schweift über die lange Bar und ein Porträt von Frida Kahlo. Chef de Rang Daniel Klenk tut sich schwer mit einer einzigen Empfehlung: „Alles ist lecker." Erwartungsgemäß stehen Enchiladas, Fajitas und Burritos auf der Karte. 2025 eröffnete in Nürtingen das zweite Joe Peña's im Landkreis.
Abessina in Nürtingen
Wenn die Geburtstagsgesellschaft ein Lied schmettert, kann es sein, dass Besitzer Kassa Agmase mit einstimmt. Herzliche Gastfreundschaft auf Äthiopisch. Das Abessina in der Alten Seegrasspinnerei pflegt traditionelle äthiopische Küche – und reicht dabei über die Landesgrenzen hinaus: Zwei Köchinnen kredenzen ost- und nordafrikanische Spezialitäten mit Lamm, Rind oder Hähnchen. Begleitet werden diese von saisonalem Gemüse, Hülsenfrüchten und Injera, einem weichen Hirsefladenbrot, das Beilage und Besteck zugleich ist. Das Geheimnis des Geschmacks? „Die hauseigene Gewürzmischung einer Familie aus Addis Abeba“, sagt Agmase lächelnd. Mehr verrät er nicht.
Scharfes Eck in Kirchheim
Nadine und Deniz Yurtseven führen das türkische Restaurant in zweiter Generation. Dass der Restaurantname nichts mit der Schärfe der Speisen zu tun hat, klärt sich schnell auf: Das „Scharfe Eck“ verdankt seinen Namen schlicht der Lage an einer Straßenecke. Deniz und sein überwiegend türkisches Küchenteam kochen traditionell mit viel frischem Gemüse und einer großen Auswahl an Fleisch von Rind, Kalb und Lamm bis zu Pute und Hähnchen. Das hausgemachte Fladenbrot kommt warm und leicht knusprig aus der Küche. Vorspeisen werden nach türkischer Tradition in die Tischmitte gestellt, jeder greift zu.
La Fuente in Echterdingen
Spanien ist das beliebteste Auslandsreiseziel der Deutschen. Da wundert es kaum, dass das kleine Tapas-Restaurant „La Fuente" stets gut besucht ist. Der Name, der übersetzt „die Quelle“ bedeutet, verrät das Konzept: Hier sprudelt es. Wer einen ruhigen Abend plant, sollte die Erwartungen anpassen. „Es ist laut, eng und voll“, sagt Inhaber Angel Garcia, was bei ihm wie ein Kompliment klingt. Der gebürtige Madrilene setzt auf Qualität: Der Oktopus kommt direkt aus Galizien, alle Speisen werden täglich frisch zubereitet. Im Angebot hat er beispielsweise Mojo-Soßen, Pimientos del Padron (grüne Bratpaprika) oder Boquerones fritos (frittierte Sardellen). Serviert werden die Tapas in Schälchen und auf Tellern in der Tischmitte, zum Teilen und Kosten. Tempo gehört dazu: Gegessen wird in zwei Schichten.