Steuerbonus kassiert, jetzt geht es an die Arbeitsbedingungen: die Gastrobranche tritt derzeit fordernd auf. Foto: AFP

Dass im Restaurant alles günstiger wird, war nicht zu erwarten. Dennoch ist Kritik an der Branche angebracht, findet unser Redakteur.

Es stimmt schon, die zum Jahresbeginn auf sieben Prozent gesenkte Mehrwertsteuer auf vor Ort verzehrte Speisen war zur Entlastung der Branche gedacht und nicht als Anreizprogramm, wieder häufiger essen zu gehen. Die Doppelbelastung aus steigenden Lohn- und Materialkosten sowie krisenbedingter Konsumzurückhaltung kann auch keiner wegdiskutieren.

 

Mit der Preisgestaltung tut sich die Branche dennoch keinen Gefallen. Die zwischenzeitlich auf 19 Prozent erhöhte Mehrwertsteuer hat sie selbstverständlich in höhere Preise übersetzt – erklärt aber mit der gleichen Selbstverständlichkeit, dass bei einem geringeren Steuersatz bitteschön niemand sinkende Preise erwarten dürfe. Dass in etwa jedes fünfte Restaurant sogar teurer ist als im Dezember, darf man daher als dreist bezeichnen.

So oder so geben Gastronomen insgesamt kein gutes Bild ab. Wem die Umsätze nicht reichen, um dem während der Pandemie rar gewordenen Personal wenigstens den Mindestlohn zu zahlen, der hat ein Problem mit seinem Geschäftsmodell. Von der Steuersenkung profitieren eher umsatzstarke Unternehmen, vor allem Ketten – die, wie McDonald’s, sogar mit einzelnen Preissenkungen werben und den Rest regelrecht raffgierig erscheinen lassen. Die Dehoga formuliert derweil die nächsten Forderungen an die Politik und will flexiblere, also für die Arbeitnehmer eher schlechtere Arbeitsbedingungen.

Diese Chuzpe kann langfristig schaden, dem Stammlokal ums Eck nützt das alles weniger als den Großen. Wenn es einzelnen Gastronomen wirklich so schlecht geht, müssen sie aufgeben – oder Unterstützung erbitten, die allen gleichermaßen nützt.